Rollenspiel statt Silvesterknaller: "Wie ein magischer Angriff mit lauten und bunten Zaubern"
Kaum ist Weihnachten überstanden, kommt für viele das nächste feste Ritual: Silvester. Raclette, Wunderkerzen, laute Musik, volle Wohnzimmer und jedes Jahr die gleiche Diskussion, ob man wirklich bis Mitternacht wach bleiben muss.
Und dann gibt es euch. Menschen, die den Jahreswechsel mit einem Back-up-Desaster, einem Y2K-Wachdienst, einem 24/7-de_dust2-Server oder dem Abschalten eines Mittelwellensenders verbinden.
Wir haben euch nach eurem nerdigsten Jahresausklang gefragt und eure Antworten sind ein kleines Best-of, was Technik und Nostalgie zwischen den Jahren auslösen können.
Fürs Protokoll: Für drei Teilnehmer ist der Chaos-Kongress zwischen den Jahren Pflichtprogramm. Im Bereich Gaming gibt es dreimal Silvester in WoW, dreimal in Minecraft und einmal in Dark Age of Camelot. Traditionelle LAN-Partys (gern mit alten Klassikern) stehen ebenfalls hoch im Kurs.
Und nun kommen eure Geschichten. Viel Spaß!
➤ Habe über die Feiertage eine App entwickelt, sie an Neujahr komplett verworfen und durfte von Neuem anfangen, da das gewählte Datenmodell nicht funktioniert hat.
➤ Am 31. Dezember mit einem Weltempfänger und einem SDR DLF auf 1.422 kHz hören, während der Sender ausgeschaltet wird – die letzten paar Minuten wurde das alte Pausenzeichen gesendet. Einen Screenshot von der SDR-SW machen, per E-Mail an DLF senden und um eine QSL-Karte bitten. Habe ich tatsächlich bekommen! Ist die einzige QSL-Karte, die ich jemals bekommen habe.
➤ Back-up-Tag! Als am selben Abend meine externe Festplatte (1. Back-up, HDD), mein NAS (2. Back-up, Raid 0) und meine SSD (Originaldaten im PC) abgeraucht sind (sic!), und zwar alle innerhalb von 30 Minuten. Ich habe zuerst fast geheult, das Ganze hat mich dann aber zum Nachdenken gebracht, wieso man überhaupt ein Back-up braucht. Das meiste Zeug schaut man eh niemals mehr an. (Scrolle mal durch deine Bilder, du weißt zu 80 Prozent gar nicht mehr, dass du hier oder dort warst). Habe den nächsten Abend entspannt bei einem Fondue mit meinen Kollegen abgehangen. Seither mache ich das jedes Jahr so: Back-up=scheißegal. Freunde zum Fondue oder Raclette einzuladen, ist viel wichtiger.
➤ Silvester 2000/2001: Alle meine Party-Einladungen wurden nach und nach abgesagt. So fand ich mich mit Bier und unzähligen Suse Linux 7.3 Professional CDs vor meinem PC und installierte und kompilierte Treiber.
➤ Mein erster nerdiger Jahresausklang war als Kind, als ich meinen ersten Windows-fähigen Computer bekam. Ein bis zwei Jahre zuvor hatte ich einen C16+4 bekommen, mit schöner Datasette, dann einen 8086er. Viel konnte man noch nicht machen damit. Also lernte ich Basic, weil ein dickes Buch dabei lag. Aber dann kam mein erster Intel Pentium mit stolzen 75 MHz! Ja, genau: unglaublich leistungsstarke 75 MHz! Mit Disketten und mehr als 20 MByte HDD. Und WINDOWS! Was für ein Moment! Ich glaube, meine Eltern sagen noch bis heute, dass ich nur geschlafen habe, wenn ich mich nicht mehr wach halten konnte. Essen, Toilette, etc. nur das Nötigste …
Ran an die guten alten Zeiten
➤ Ich habe auf meinem Stamm-de_dust2-24/7-Server in CS 1.6 Silvester "gefeiert".
➤ Anonymer Aufruf! Wer fühlt sich angesprochen? Meldet euch bei euren alten Freunden!
Mein nerdigster Jahresausklang war die alljährliche Geburtstagsparty bei einem Freund. Das war noch in der Schulzeit. Er hat so ziemlich am Ende des Jahres Geburtstag. Erst ging es Bowlen, dann an die Geburtstagstafel und zum Schluss wurde entweder an der Konsole zu viert oder am PC gezockt. Alles rund ums Millennium, das war gut. Zwar haben wir zwei uns auch nochmal zu kleinen LAN-Partys getroffen, das bleibt aber im Gedächtnis. Diese Zeit vor und kurz während der Lehre kommt leider nicht wieder. In den letzten 25 Jahren hat sich einfach viel verändert. Aus LAN wurde online und die Zeit dreht sich natürlich immer weiter, was ich auch schätze.
Leider steht da noch was in der Ecke, das einen immer wieder daran erinnert und nach all der Zeit immer noch funktioniert! (...) Vielleicht erinnert sich außer mir noch jemand anderes an diese Zeiten und meldet sich bei dem ein oder anderem Freund von damals. Die Spiele, die wir nicht nur zum Jahresausklang, sondern das ganze Jahr über gespielt haben, werden nicht vergessen und sorgen nicht nur zu dieser Zeit für viele schöne Erinnerungen – auch wenn ich es zeitlich oft nicht schaffe, die Spiele noch einmal zu spielen.
Also ran an die "guten alten" Zeiten! Kumpel melde dich!
➤ Mein Nerd-Moment war zwischen den Jahren 1989/90. Ich habe am Amiga 500 Lotus Esprit Turbo Challenge gespielt, das schon vor dem offiziellen Erscheinungstermin den Weg über die Raubkopiererszene in mein Diskettenlaufwerk gefunden hatte.
➤ Es war der Jahreswechsel 2023/24, den ich einfach mit Baldur's Gate 3 im Bett verbracht hab. Abends noch Chips und Cola geholt und dann nicht mehr bewegt. Keine Partys, keine Menschen, kein Stress.
➤ Damals, in den 90ern: ein Rollenspielabend an Silvester mit den besten Freunden. Vom Rollenspielleiter wurden stimmungsvoll das gegrillte Essen sowie der "magische Angriff mit lauten und bunten Zaubern" auf unsere Stellung um Mitternacht eingebaut. Das werde ich nie vergessen.
➤ Der Jahreswechsel 1999/2000 war spannend. Ich (damals 17) habe zwei alte PCs (die einzigen, die mir zur Verfügung standen) in den Keller gestellt. Wir haben, wie jedes Jahr, im Partykeller gefeiert und so konnte ich die Kisten überwachen und laufen lassen, voller Erwartung, was wohl passieren würde wegen des medial angekündigten Jahr-2000-Bugs.
Dem Aufwand folgte die Ernüchterung. Denn es passierte: NICHTS, die Kisten sind einfach durchgelaufen. Ansonsten weiß ich noch, dass wir 2000 bis 2004 nach Mitternacht Stunden in meinem Zimmer gesessen und versucht haben, SMS mit Neujahrsgrüßen an alle zu schicken. Wegen des komplett überlasteten Mobilfunknetzes musste man es 10- bis 20-mal probieren, bis so eine Nachricht rausging. :D
➤ Es war der Jahreswechsel zum 1.1.2000. Im Y2K-Aktionsplan unserer Firma stand als letzte Maßnahme die Vollsicherung aller Systeme am 31.12.1999. Alle Systeme waren bereits fertig, nur die Sicherung des Sun-Solaris-Datenbankservers war, zäher als üblich, noch im Gange. Gegen 22 Uhr war das Primär-Back-up auf Festplatte endlich fertig, musste aber noch auf Bänder kopiert werden. Es wurde ein Wimpernschlag-Finish.
Etwa eine Viertelstunde vor Mitternacht war auch das abgeschlossen, die Tapes waren aus der Library genommen und es wurde Vollzug an die Firmenzentrale gemeldet, wo auch noch Kollegen aktiv waren. Diesen nerdigen Jahreswechsel hat meine Freundin gemeinsam mit mir verbracht – ich bin ihr heute noch dankbar dafür. Wir haben das neue Millennium also noch in der Firma mit einer Flasche Sekt begrüßt und ich konnte die Auswirkungen von Y2K auf unsere Systeme gleich live in Augenschein nehmen. Was ist passiert? Nichts. LOL
Zumindest konnten wir dann entspannt nach Hause fahren und den Start ins neue Jahrtausend noch etwas genießen.