Rocketlab: Billigrakete startet erfolgreich in Neuseeland

Die neuseeländische Electron-Rakete hat erstmals erfolgreich Satelliten in einem Orbit ausgesetzt. Erst später wurde von einer geheimen dritten Raketenstufe mit "grünem Treibstoff" berichtet. Die Mondpläne sind derweil fraglich.

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Der zweite Start einer Electron-Rakete war erfolreich.
Der zweite Start einer Electron-Rakete war erfolreich. (Bild: Screenshot (Rocketlab))

In der Nacht zum Sonntag ist zum zweiten Mal eine Electron-Rakete der neuseeländischen Firma Rocketlab gestartet. Acht Monate nach dem misslungenen Startversuch im Mai 2017 setzte die Rakete zwei Lemur-2 Cubesats für Spire und einen Dove Satelliten für Planet in einem 300 x 500 km hohen elliptischen Orbit aus. Ursprünglich sollte der Start schon im Dezember stattfinden, aber in der Sommerhitze stieg die Temperatur des flüssigen Sauerstoffs in der Rakete stärker als erwartet, was zum Abbruch führte.

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Mehr als einen Monat später glückte nun der zweite Start der Mission "Still Testing", nachdem am Samstag davor noch ein Boot im Sperrgebiet von Rocketlabs privatem Weltraumbahnhof Mahia den Start verhindert hatte. Anders als beim problemgeplagten ersten Flug verliefen alle Flugphasen reibungslos. Die erste Stufe flog ohne Rotation, vollkommen stabil, und auch die Stufentrennung verlief ohne momentanen Verlust der Lagekontrolle.

Mit einem Startgewicht von nur zehn Tonnen ist die Electron eine der kleinsten aktiven Raketen für Satellitenstarts. Anstatt der drei Cubesats, die beim Flug "Still Testing" gestartet wurden, kann die Rakete auch etwa 200 kg schwere Nutzlasten in den gleichen Orbit bringen. Ausgelegt wurde die Rakete aber für eine Nutzlast von 150 kg in den anspruchsvolleren sonnensynchronen Orbit in einer Höhe von 500 km.

Nachtrag vom 24. Januar 2018, 7:40 Uhr: Geheime dritte Stufe

Wie das Technologiemagazin Popular Mechanics berichtet, hatte die Rakete eine bisher geheim gehaltene dritte Raketenstufe. Sie hob den niedrigsten Punkt des Orbits der Satelliten von 300 auf 500 km Höhe an und brachte sie somit in einen kreisförmigen Orbit. Da die zweite Stufe nur einmal starten kann, ist diese dritte Stufe nötig, um flexibel solche Orbits anfliegen zu können.

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Die dritte Stufe wird von einem einfachen, druckgeförderten Triebwerk mit 120 Newton Schub angetrieben, das nur mit einem Treibstoff betrieben wird. Es soll sich um einen "grünen" Treibstoff handeln, also nicht das dafür übliche, giftige Hydrazin benutzen. Dies könnte Lachgas oder Wasserstoffperoxid sein, die mit Katalysatoren chemisch zerlegt werden können. Der Begriff grüner Treibstoff wird aber zumeist in Verbindung mit HAN oder ADN gebracht. Sie haben den Nachteil, vor der Benutzung auf rund 100 Grad Celsius erhitzt werden zu müssen.

Rocketlab wollte zum Mond

Der übernächste Flug sollte noch wesentlich weiter gehen: Die Firma Moon Express will mit Hilfe einer Electron-Rakete eine Mission zum Mond fliegen und versuchen, den Google Lunar X Prize zu gewinnen. Am 23. Januar gab Google jedoch bekannt, dass keines der Teams das Ziel erreichen und der Preis nicht ausgeschüttet werde. Dazu hätte die Rakete im ersten Quartal des Jahres starten müssen. Zuvor war ohnehin noch ein weiterer Start mit 16 Satelliten geplant.

Die Triebwerke der ersten beiden Stufen der Electron werden von batteriebetriebenen elektrischen Treibstoffpumpen betrieben, woher die Rakete auch ihren Namen hat. Der Leistungsbedarf der Pumpen von Raketentriebwerken ist so groß, dass Flüssigraketentriebwerke nach der Art der Treibstoffversorgung klassifiziert werden. Die 18 Treibstoffpumpen der ersten Stufe haben mit 666 Kilowatt zusammen mehr als die dreifache Leistung eines Formel-E-Rennwagens. Bei größeren Triebwerken erreichen sie Leistungen von bis zu 170 Megawatt.

Elektrische Pumpen sind im Aufbau wesentlich einfacher und effizienter als herkömmliche Turbopumpen, sind aber auf Batterien angewiesen. Diese haben nicht nur eine geringere Energiedichte als herkömmlicher Treibstoff, sie verlieren während des Fluges auch keine Masse, die sonst als Abgas ausgestoßen wird. Um nicht die gesamte Batteriemasse mit in den Orbit bringen zu müssen, wurde nach der Hälfte des Fluges der zweiten Stufe eine ihrer zwei Batterien abgeworfen. Bisher erwähnte das Unternehmen dieses Detail nicht, weshalb die Abtrennung einige Beobachter des Starts überraschte.

Rocketlab ist nach SpaceX das zweite Privatunternehmen, das erfolgreich eine selbstgebaute Orbitalrakete startete. Mit nur fünf Millionen US-Dollar Startkosten bietet die Electron derzeit den niedrigsten Einstiegspreis in den Start von Satelliten mit einer dezidierten Rakete. Bisher wurden solche kleinen Satelliten hauptsächlich als Sekundärnutzlast gestartet, mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten, Ziel und Zeitpunkt des Starts selbst festzulegen. Mit dem Start ist Rocketlab die derzeit erfolgreichste Firma einer ganzen Reihe neu gegründeter Unternehmen, die diesen Markt mit kleinen Raketen bedienen wollen.

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