Rocketbuilder.com: Raketen zum selbst Bestellen

Einfach eine Rakete zusammenstellen und im Internet bestellen. Das geht jetzt angeblich auf einer neuen Webseite der United Launch Alliance, dem größten Konkurrenten von SpaceX in den USA. Tatsächlich ist es eine PR-Aktion des ehemaligen Monopolisten.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Eine Atlas-V-Rakete beim Start: Zukünftig soll sie jeder im Internet bestellen können.
Eine Atlas-V-Rakete beim Start: Zukünftig soll sie jeder im Internet bestellen können. (Bild: ULA)

Mehr Transparenz verspricht die United Launch Alliance (ULA) mit dem Start ihrer neuen Webseite Rocketbuilder.com. Die Webseite gibt den Nutzern die Möglichkeit, eine Mission für eine Atlas-V-Rakete zu bestimmen und anschließend zu sehen, wieviel die Mission kosten würde. Dazu wählt der Nutzer das Startdatum, den Orbit, die Nutzlast und Zusatzservices aus. Angeblich soll die Seite ein Werkzeug sein, um es potenziellen Kunden zu erleichtern, die Konfiguration einer Atlas-V-Rakete zu erstellen und Angebote zu vergleichen. Tatsächlich gibt es auch einen Schalter, um die zusammengestellte Rakete zu bestellen.

Inhalt:
  1. Rocketbuilder.com: Raketen zum selbst Bestellen
  2. Rechentricks sollen die Kosten senken

Realistisch gesehen, ist die einfach aufgebaute Webseite nicht für solche professionellen Anwendungen geeignet. Dafür gibt es Dokumente wie den User Guide der Atlas-V-Rakete. Vielmehr handelt es sich um eine PR-Maßnahme als Antwort auf die Politik von SpaceX, die Preise der Falcon-9-Rakete offenzulegen. Die ULA gewährt jetzt als ehemaliger Monopolist erstmals Einblick in die Kostenstruktur. Bisher wurden die Startpreise der Öffentlichkeit nur sporadisch für einzelne Missionen bekanntgegeben.

Die Webseite zeigt dabei vor allem, wie groß der Einfluss von SpaceX auf das Geschäft mit den Raketen geworden ist. Bei der Präsentation der Webseite betonte Tory Bruno, der ULA-Chef, die versteckten Kosten der Konkurrenz, ohne dabei SpaceX direkt zu benennen. Außerdem gab er sich stolz darauf, wieviel günstiger die Atlas V geworden ist. Die einfachste Konfiguration der Atlas V, für einen bis zu 4,7 Tonnen schweren Satelliten in einen GTO-Standardorbit, kostet nur noch 109 Millionen US-Dollar. Zu Monopolzeiten hat die gleiche Mission noch über 180 Millionen US-Dollar gekostet.

Auch die ULA versteckt noch Kosten

Zusätzliche Services wie Antennen, die eine Kommunikation mit dem Satelliten während des Starts erlauben, oder die Möglichkeit des Kundens, persönlich bei allen Arbeitsschritten zur Startvorbereitung dabei zu sein, kosten bis zu 20 Millionen US-Dollar. Bei schwereren Satelliten kostet jeder zusätzliche Feststoffbooster weitere 5 Millionen US-Dollar. Eine größere Nutzlastverkleidung kostet bis zu 16 Millionen US-Dollar extra. Die Zusatzkosten der großen Nutzlastverkleidung sind damit ungefähr genauso teuer wie die gesamte zweite Stufe einer Falcon 9, inklusive Standardnutzlastverkleidung.

Stellenmarkt
  1. IT Service Operator / Systemadministrator / Anwendungsbetreuer Kernsysteme (m/w/d)
    WINGAS GmbH, Kassel
  2. Einkäufer im Einführungsprojekt SAP / HANA-PLM / Materialstammdaten (w/m/d)
    Dataport, Altenholz bei Kiel, Hamburg
Detailsuche

Aber die ULA hat immernoch versteckte Kosten im Kleingedruckten, den "Terms and Disclaimers". Die Reduzierung von Weltraumschrott ist zum Beispiel in keinem Preis inbegriffen und muss extra verhandelt werden. Anforderungen für Regierungsmissionen, bis hin zu Flügen mit menschlicher Besatzung, sollen typischerweise weitere 30 bis 80 Millionen US-Dollar kosten. Dennoch wären die Preise der Atlas V zum Start einfacher Satelliten erstmals konkurrenzfähig mit der Ariane 5, wenn diese nicht von der ESA mit 20 Millionen Euro pro Start subventioniert würde.

Trotzdem ist selbst ein Start einer Rakete mit 4,7 Tonnen Nutzlast ohne alle Extras mit 109 Millionen US-Dollar nicht günstig. SpaceX bietet Missionen mit der Falcon-9-Rakete in den gleichen Orbit für 62 Millionen US-Dollar an, bei einer Nutzlast von bis zu 5,5 Tonnen. Dabei wird zurecht kritisiert, dass Extrakosten für zusätzliche Services von SpaceX nicht veröffentlicht werden. Die russische Proton-M Rakete kann Nutzlasten bis 6,9 Tonnen starten. Ihre Starts werden inzwischen für nur noch 65 Millionen US-Dollar angeboten, nachdem sie früher etwa 100 Millionen US-Dollar kosteten. Allerdings ist in den letzten 10 Jahren fast jedes Jahr ein Start der Rakete gescheitert.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Rechentricks sollen die Kosten senken 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Geplante Obsoleszenz
Epson schaltet Drucker wegen voller Schwämme ab

Die Drucker funktionieren noch tadellos, ein angebliches Risiko durch volle Tintenschwämme ist für Epson aber Grund, die Geräte zu deaktivieren.

Geplante Obsoleszenz: Epson schaltet Drucker wegen voller Schwämme ab
Artikel
  1. Gegen Spotify und Co.: Legalisiert das Filesharing!
    Gegen Spotify und Co.
    Legalisiert das Filesharing!

    Die Subkultur des illegalen Filesharing ist der letzte Atemzug des nichtkommerziellen Internets. Warum es legalisiert werden sollte.
    Ein Essay von Lennart Mühlenmeier

  2. Android 13: Samsung startet Beta von One UI 5 in Deutschland
    Android 13
    Samsung startet Beta von One UI 5 in Deutschland

    Samsungs Anpassung von Android 13 für seine Geräte ist zunächst für die Galaxy-S22-Reihe verfügbar.

  3. Microsoft Loop: Riesenkonzept mit Riesenchance auf Riesenchaos
    Microsoft Loop
    Riesenkonzept mit Riesenchance auf Riesenchaos

    Sehr unauffällig rollt Microsoft seine neue Technik Loop für die Onlinezusammenarbeit aus. Admins sollten sie jetzt schon auf dem Schirm haben, denn sie ist vielversprechend, erfordert aber viel Eindenken. Wir erklären sie im Detail.
    Von Mathias Küfner

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MindStar (Gainward RTX 3070 559€, ASRock RX 6800 639€) • WD Black SSD 2TB m. Kühlkörper (PS5) 219,90€ • Gigabyte Deals • Alternate (DeepCool Wakü 114,90€, PC-Netzteil 79,90€) • be quiet! Deals • SSV bei Saturn (u. a. WD_BLACK SN850 1TB 119€) Gamesplant Summer Sale [Werbung]
    •  /