Rocket Internet: Die Samwers und die Börse - wie passt das zusammen?
Überraschend kommt dieser Vorgang beileibe nicht: Die Vorbereitungen für Rocket Internets(öffnet im neuen Fenster) Gang an die Frankfurter Börse laufen schon seit einigen Monaten. Nun haben die Samwers aber erstmals offiziell detaillierte Informationen bekanntgegeben, wie man sich in Berlin den Börsengang von Rocket Internet vorstellt. Laut Informationen des Spiegel soll das 2007 gegründete Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, fließbandartig Internet-Geschäftsmodelle über den Globus auszurollen, an der Frankfurter Wertpapierbörse Anfang Oktober 2014 über den Entry Standard gehandelt werden. Darüber hinaus sei aber beabsichtigt, die Firmenschmiede in den nächsten 18 bis 24 Monaten in den General oder Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse zu bewegen.
Schon im Vorfeld der Ankündigung war mehrfach darüber spekuliert worden, dass die Samwers Rocket Internet aufgrund seiner verschachtelten Firmenstruktur im Open Market, zu dem auch der Entry Standard gehört, platzieren würden. Der Entry Standard ist kein amtliches, sondern ein privatrechtliches Börsensegment, das somit dem Freiverkehr zuzurechnen ist. Damit könnte Rocket Internet die strengen Transparenzvorschriften des regulierten Marktes umgehen und seine Preise durch freie Makler ermitteln lassen. Nun steht also tatsächlich ein entsprechender Vollzug bevor und für die Umsetzung dessen arbeiten die Samwers mit einigen Größen der Investmentbranche zusammen. So werden Berenberg(öffnet im neuen Fenster), JP Morgan(öffnet im neuen Fenster) und Morgan Stanley(öffnet im neuen Fenster) als Joint Global Coordinators das Angebot handeln und sich mit Bank of America Merrill Lynch(öffnet im neuen Fenster), der Citigroup(öffnet im neuen Fenster) und der UBS Investment Bank(öffnet im neuen Fenster) als Joint Bookrunners koordinieren.
750 Millionen Euro zusätzliches Kapital
Der Börsengang soll Rocket Internet rund 750 Millionen Euro frisches Kapital bringen, das die Startup-Schmiede für das weitere Wachstum seines Firmenkonglomerats nutzen wird. An der Börse streben die Samwers dazu dem Vernehmen nach einen Wert von etwas mehr als fünf Milliarden Euro an – mit 52,3 Prozent der Anteile würde sie dies zu Multimilliardären machen. Die Vorbereitungen dafür laufen schon seit einiger Zeit. Bereits im Mai dieses Jahres installierte Oliver Samwer mit Peter Kimpel einen versierten Finanzstrategen als CFO von Rocket Internet, der bis dahin als Managing Director bei der Investmentbank Goldman Sachs(öffnet im neuen Fenster) tätig war und Samwer bereits als Investor seines ersten Startups Alando kannte. Der bedeutungsvollen Personalie folgten relevante strategische Partnerschaften und neue Investments.
So investierte zunächst der philippinische Telefonkonzern PLDT(öffnet im neuen Fenster) stolze 333 Millionen Euro in Rocket Internet und erhielt im Gegenzug zehn Prozent der Anteile. Als eine der führenden Plattformen im Bereich Mobile Payment bot das Unternehmen damit nicht nur frisches Kapital und eine Möglichkeit, Rockets Bewertung zu verbessern, sondern auch einen wichtigen strategischen Zugang – überspringen doch viele der von den Samwers anvisierten Entwicklungsmärkte oft das stationäre Internet. Nur kurze Zeit später folgte diesem Beispiel der Internetkonzern United Internet(öffnet im neuen Fenster) (1&1, Web.de, GMX) und erwarb 10,7 Prozent von Rocket Internet, wofür das Unternehmen aus Montabaur 333 Millionen Euro in bar beisteuerte sowie 102 Millionen Euro über seine Anteile an Global Founders Capital(öffnet im neuen Fenster), einen Investmentfonds der Samwers, den UI bereits in der Vergangenheit finanziert hatte.
Noch einmal wenige Tage später informierten die Samwers schließlich darüber, dass auch der langjährige Investmentpartner Holtzbrinck Ventures seine Anteile an sieben Rocket-Gründungen zugunsten von 2,5 Prozent der Anteile an der Berliner Startup-Fabrik eingetauscht hat. Neben ihren Hauptgeldgebern – der schwedischen Investmentfirma Investment AB Kinnevik und dem amerikanischen Venture Capitalist Access Industries – haben sich die Samwers so eine breite Investorenschaft gesichert und den Wert ihres Firmeninkubators sukzessive in die Höhe getrieben. Angesichts von vielerorts roten Zahlen bleibt bei vielen potenziellen Anlegern dennoch die Frage, ob der Samwer-Plan wirklich aufzugehen vermag.
Kopieren als Geschäftsmodell? Ein Blick auf Rocket Internet
Primär stört sich wohl der Großteil der deutschen Öffentlichkeit am Geschäftsmodell der Samwers. Fremde Unternehmen in Rekordtempo zu klonen und anschließend vor dem eigentlichen Vorbild international aufzurollen, sieht nach fehlender Moral und Ideendiebstahl aus. Dazu ist es hilfreich, die Entwicklung der Samwers nachzuvollziehen. Als Oliver Samwer und seine Brüder 1999 zum Höhepunkt der New Economy mit der Gründung des Online-Flohmarkts Alando ihr erstes Unternehmen aufbauten, waren sie gepackt vom Gründergeist des Silicon Valley. Binnen kürzester Zeit bauten sie den deutschen Marktführer auf und führten einen harten Wettbewerb mit dem Hamburger Anbieter Ricardo.
Es dürfte in dieser Zeit gewesen sein, dass Oliver Samwer erkannte, dass sich der Erfolg von Ebay wohl aus einigen richtigen Entscheidungen ergeben hatte. Er versuchte also, das US-Unternehmen möglichst genau zu imitieren und erprobte, inwieweit das Vorgehen der Kalifornier wirklich erfolgreich war. Alando gelang der Durchbruch und etwas mehr als 100 Tage nach seiner Gründung übernahm Ebay das Unternehmen für 90 Millionen DM. Auch Jamba setzte auf ein ähnliches System und bediente sich einer Idee aus Japan. Das Konzept der Samwers war geboren: funktionierende Ideen zum Vorbild nehmen und dann durch exzellente Umsetzung zum Erfolg bringen. Auch die ersten Investments der Brüder wie etwa StudiVZ oder der von ihnen mitgegründete Youtube-Klon Myvideo folgten diesem Beispiel und führten zu Verkäufen. Als dann die Wirtschaftskrise 2008 quasi den Markt stilllegte und Investments in Internetunternehmen unmöglich machte, konzentrierten sie sich darauf, eben jenes Vorgehen zu einem System weiterzuentwickeln.
Besser gut kopiert als teuer erfunden
Rocket Internet war geboren, und auch wenn die ersten Inkubationsversuche praktisch sämtlich schiefgingen, trug das System, fremde Ideen mit einem eigens rekrutierten Team und Geld von Samwer-Geldgebern zusammenzuführen, schließlich Früchte. Gründungen wie Edarling(öffnet im neuen Fenster), Wimdu(öffnet im neuen Fenster), Glossybox(öffnet im neuen Fenster) oder Zalando(öffnet im neuen Fenster) entstanden. Die Samwers hatten es verstanden, ihr Risiko zu senken, indem sie auf etablierte Ideen setzten und so auch leichter Geldgeber gewinnen konnten. Was woanders funktionierte, sollte hierzulande schließlich ebenfalls machbar sein. Doch auch, wenn dieses Vorgehen aus wirtschaftlicher Sicht durch Wettbewerb die Innovationsentwicklung förderte und zum Teil sogar den deutschen Markt vor ausländischer Konkurrenz abschottete, traf das Samwer-System nicht auf Gegenliebe.
Ihr Argument, dass Innovation in der Umsetzung, weniger in der Idee liege, zumal Ideen eigentlich nichts wert seien, leuchtete zwar vielen ein, doch die Samwers kopierten derart direkt und dreist, dass sie wiederholt Kritik ernteten. Mal kopierten sie mit ihrem Pinterest(öffnet im neuen Fenster)-Klon Pinspire die allgemeinen Geschäftsbedingungen ihres Vorbilds(öffnet im neuen Fenster), ein anderes Mal übernahmen sie ganze Codeteile anderer Anbieter(öffnet im neuen Fenster). Dass sich stets eng am Design und oft auch an der Namensgebung orientiert wurde, war da schon fast normal. Doch Oliver Samwer wurde durch den Wunsch zu gewinnen angetrieben und vertraute daher auf bereits Etabliertes. Und oft genug sollte er damit Erfolg haben. Er verkaufte seine Gründungen an das einstige Vorbild oder andere Interessenten.
Zalando – das Vorzeigemodell
Bisher beschäftigen die Samwers rund 20.000 Mitarbeiter, die in mehr als 100 Ländern auf fünf Kontinenten tätig sind. Das Unternehmen hat mittlerweile modulare Systeme, die das Ausrollen von Unternehmen in wichtigen Bereichen wie IT oder Onlinemarketing beschleunigen, und so schon zahlreiche Firmen aufgebaut. Die bekannteste und erfolgreichste Ausgründung von Rocket Internet ist Zalando, das die Samwers auch in Russland (Lamoda(öffnet im neuen Fenster)), Indien (Jabong(öffnet im neuen Fenster)), Lateinamerika (Dafiti(öffnet im neuen Fenster)), Australien (The Iconic(öffnet im neuen Fenster)), Südafrika (Zando(öffnet im neuen Fenster)), dem Mittleren Osten (Namshi(öffnet im neuen Fenster)) und Südostasien (Zalora(öffnet im neuen Fenster)) mit eigenen Ablegern starteten und kürzlich zu großen Teilen unter der Firmengruppe Global Fashion Group(öffnet im neuen Fenster) zusammenfassten, die sie mit einem Wert von 2,7 Milliarden Euro bezifferten. Und nicht nur Fashion hat es den bekannten Internetgründern im E-Commerce-Segment angetan: In den Themenkategorien General Merchandise, Büroartikel und Möbel tritt Rocket Internet gegen große Unternehmen wie Amazon, Staples oder Ikea an und hat sich dabei zur Eigenheit gemacht, insbesondere Internet-Entwicklungsmärkte wie Südostasien, Afrika oder Lateinamerika zu erschließen.
Entsprechend hochtrabend ist die Vision im Hause Samwer: Man wolle mit Rocket Internet die führende E-Commerce-Plattform in Schwellenmärkten sein und dabei der Mission folgen, die größte Internetplattform außerhalb der USA und Chinas zu werden. Doch auch über E-Commerce-Modelle hinaus ist der Samwer-Inkubator aktiv und etablierte unterschiedliche Marktplatzmodelle wie die Privatzimmervermittlung Wimdu oder den Lieferdienstvermittler Foodpanda(öffnet im neuen Fenster). Oder Kleinanzeigenportale wie das Autoportal Carmudi(öffnet im neuen Fenster) oder den Immobilienvermittler Lamudi(öffnet im neuen Fenster). Zuletzt bildeten vor allem Fintech-Startups – Unternehmen im Finanz-Technologiebereich – einen neuen Fokus der Samwers, die dort etwa die Kreditmarktplätze Zencap(öffnet im neuen Fenster) und Lendico(öffnet im neuen Fenster), den Payment-Dienstleister Paymill(öffnet im neuen Fenster) oder Payleven(öffnet im neuen Fenster), einen Anbieter für mobile Kartenzahlungen, starteten. Das Betätigungsfeld von Rocket Internet ist vielfältig und streut damit das Risiko, gerade auch, weil auf etablierte Geschäftsmodelle gesetzt wird. Dennoch muss moralisch nicht gefallen, was wirtschaftlich Sinn ergibt. Wie sehr das System Rocket Internet zu überzeugen weiß, wird sich an der Börse zeigen. Die Wette der Samwers ist platziert und mit profunden Werten unterlegt, um eine Wette handelt es sich aber dennoch.
Fast nur Verluste – wie soll das funktionieren?
Insbesondere der Umstand, dass ein Großteil der Samwer'schen Fließbandgründungen noch rote Zahlen schreibt, ruft nach wie vor Verwunderung bei Außenstehenden hervor. Allen voran Zalando musste sich daher in der Vergangenheit wiederholt die Frage gefallen lassen, ob sein Geschäftsmodell angesichts der auftretenden Millionenverluste überhaupt tragen könne. Im August dieses Jahres gab der Modeversender nun an, in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich profitabel(öffnet im neuen Fenster) zu arbeiten. Im wichtigen deutschen Markt hat Zalando schwarze Zahlen demnach also sechs Jahre nach seiner Gründung erreicht und bestätigt damit die Behauptung von Rocket-Lenker Oliver Samwer, der Kritikern gerne einmal vorrechnet, dass es rund sieben Jahre dauere, bis E-Commerce-Unternehmen jener Größe, wie Rocket Internet sie baut, profitabel arbeiten.
Und tatsächlich tut sich die deutsche Presselandschaft nach wie vor schwer damit, dass es für Startups durchaus üblich ist, lange rote Zahlen zu schreiben und deshalb auf Investorengelder angewiesen zu sein – insbesondere wenn das jeweilige Unternehmen einen umfangreichen Wachstumskurs anstößt. Bei E-Commerce-Modellen wie jenem von Zalando kommt hinzu, dass Kollektionen oft teuer im Voraus eingekauft werden müssen, was viel Kapital bindet und stets ein gewisses Risiko birgt. Nicht zu vergessen die Kosten für Logistik, teures Marketing und das Dauerthema Retouren. In Summe ist es also durchaus nicht unplausibel, wie Oliver Samwer vorrechnet, bei einem Unternehmen wie Zalando, das in kurzer Zeit in 15 Märkte expandierte, lange mit Verlusten zu arbeiten.
Die Eroberung der Entwicklungsmärkte
Und dennoch überrascht es, wie konsequent Rockets Portfolio mit Verlusten zu kämpfen hat, schreiben doch praktisch alle bedeutenden Firmen des Unternehmens noch keine schwarzen Zahlen. Nach eigenen Angaben will Rocket Internet es 2013 auf 757 Millionen Euro Nettoumsatz gebracht haben, was bedeutet, dass der Inkubator mit einem Börsenwert von fünf Milliarden Euro fast sieben Mal so viel wert wäre, wie er pro Jahr umsetzt. Ein durchaus hoher Wert, vor allem wenn man bedenkt, dass Rocket Internet seinen Jahresumsatz nur für jene Firmen angibt, die es als Proven Winners bezeichnet und damit Unternehmen meint, bei denen es sich um Marktführer in ihrem Segment handelt, die im besten Falle schon profitabel sind. Die umfangreichen Verluste sind in dieser Rechnung also vielfach noch nicht bedacht. Dennoch hat Oliver Samwer ein Argument auf seiner Seite, mit dem er in der Vergangenheit viele Granden der Old Economy sogar zu einem Investment in Rocket Internet bewegen konnte: die Erschließung von Internetentwicklungsmärkten wie Afrika, Südostasien oder Lateinamerika. Zum einen fehlt es in diesen Regionen häufig an der notwendigen Infrastruktur, weshalb Rocket-Gründungen nicht selten in den Bau von Lagerhäusern investieren müssen oder Teile der Logistik sogar selbst umsetzen. Umstände, die die Kosten noch einmal bedeutend anschwellen lassen.
Zum anderen versteht es Oliver Samwer sehr geschickt, die Angst der Old Economy zu schüren, in der digitalen Welt in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen. Er, der in der Vergangenheit an Dutzenden erfolgreichen Internetverkäufen partizipiert hat und zum richtigen Zeitpunkt sowie zu einem exorbitanten Preis auszusteigen weiß, wirkt da wie ein Heiland, der das Geschäft im Internet verstanden zu haben scheint. Gegenüber seinen Anlegern wartet er mit dem Versprechen auf, in das Thema Internetwirtschaft investieren zu können, an diesem in wachstumsstarken Entwicklungsregionen sowie Europa teilhaben zu können und das Risiko zu streuen, indem auf unterschiedliche, bereits erprobte Geschäftsmodelle gesetzt wird.
Das Paket Rocket Internet ist damit also durchaus attraktiv und lässt sich in dieser Form nur selten in ähnlicher Form finden, vielleicht beim japanischen Rakuten, dem südafrikanischen Naspers(öffnet im neuen Fenster) oder dem chinesischen Alibaba.com. Rockets hohe Verluste lassen also durchaus aufhorchen, können anhand unterschiedlicher Eigenheiten der Geschäftsumsetzung aber durchaus erklärt werden. Ob sie sich so gut erklären lassen, dass der oft hohe Wert der Samwer-Unternehmen gerechtfertigt ist und die Rechnung am Ende aufgeht, muss sich derweil noch zeigen. So oder so wird Oliver Samwer ein wichtiger Baustein in diesem Konstrukt sein, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Nicht umsonst bildet ein Ausscheiden der Samwers eine weitere Sorge vieler interessierter Anleger.
Folgt ein Samwer-Ausstieg samt Werteinbruch?
Denn neben der Kritik der umfangreichen Anlaufverluste genießen die Samwers auch den Ruf, Unternehmen oft überteuert zu verkaufen und nach ihrem Ausscheiden ein Unternehmen zurückzulassen, das anschließend zusammenschrumpft wie ein Luftballon. Seinen Ursprung hat dieser Ruf wohl in Unternehmen wie Jamba oder Groupon(öffnet im neuen Fenster), welche die Samwers lange intensiv betreuten und deren Geschäftsmodell in sich zusammenstürzte, nachdem sie sich davon trennten.
Ihre zweite Gründung Jamba hatte das Brüdergespann nach langem Ringen um ein funktionierendes Geschäftsmodell schließlich für 273 Millionen Dollar an den US-amerikanischen Telekommunikationskonzern Verisign verkauft und anschließend einen Deal erhalten, bei dem das Gespann umfangreiche Sonderzahlungen gewährt bekam, je höher der Umsatz des Klingeltonanbieters ausfiel. In der Folge schlachteten die Samwers das ohnehin schon harsch kritisierte Geschäftsmodell durch eine gesteigerte Werbeoffensive aus. Ähnlich verhielt es sich bei der Gutscheinplattform Groupon, bei der Oliver Samwer und seine Brüder einen potenten Börsengang im Blick hatten und deshalb auf Kosten der Qualität den Umsatz in die Höhe trieben. Auch bei StudiVZ war das Brüdertrio als Investor mit von der Partie, und nachdem Holtzbrinck das deutsche Social Network für 80 Millionen Euro übernommen hatte, sank die einstige Vorzeigegründung sukzessive in die Bedeutungslosigkeit.
Börsengang mit Risiko
Doch während dies auch etwas darüber aussagt, wie wichtig die Präsenz der Samwers für den Erfolg ihrer Gründungen zu sein scheint und wie schlecht deren Käufer oft das Geschäft gemanagt haben, liegt die Situation bei Rocket Internet anders. Die Samwers und ihre Mitgesellschafter haben sich dazu verpflichtet, ihre Anteile an Rocket Internet für eine Lock-up-Periode von zwölf Monaten nicht zu verkaufen. Für mindestens ein Jahr hängt der Wert der Samwer-Anteile also auch von der weiteren Entwicklung ab. Darüber hinaus haben die Samwers alle ihre Werte in Rocket Internet eingebracht, inklusive ihres Beteiligungsvehikels Global Founders Fund, das sonst die Möglichkeit geboten hätte, unabhängig von Rocket Internet in Internetgeschäftsmodelle zu investieren. Die Samwers haben neben ihrem Inkubator derzeit also kein Betätigungsfeld und tun gut daran, sich auf das weitere Wachstum ihrer Hauptgründung zu fokussieren. Wer die Samwers kennt, weiß, dass es dennoch sehr gut sein kann, dass sich das Trio perspektivisch anderen Dingen zuwendet, dennoch bildet Rocket Internet so etwas wie das Meisterstück der Samwers und wird deshalb wohl ihr Fokus bleiben.
Joel Kaczmarek(öffnet im neuen Fenster) ist Herausgeber von Gründerszene.de(öffnet im neuen Fenster). Derzeit widmet er sich als Mitgründer von Sessionbird einem Technologieunternehmen, das die sichere und benutzerfreundliche Durchführung von Onlinemeetings aus dem Browser heraus ermöglicht. Kaczmarek ist Autor des Buchs "Die Piraten des Internets: Zalando, Jamba, Groupon – wie die Samwer-Brüder das größte Internet-Imperium der Welt aufbauen".
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