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Rocket-Internet-CEO Oliver Samwer
Rocket-Internet-CEO Oliver Samwer (Bild: Rocket Internet)

Kopieren als Geschäftsmodell? Ein Blick auf Rocket Internet

Primär stört sich wohl der Großteil der deutschen Öffentlichkeit am Geschäftsmodell der Samwers. Fremde Unternehmen in Rekordtempo zu klonen und anschließend vor dem eigentlichen Vorbild international aufzurollen, sieht nach fehlender Moral und Ideendiebstahl aus. Dazu ist es hilfreich, die Entwicklung der Samwers nachzuvollziehen. Als Oliver Samwer und seine Brüder 1999 zum Höhepunkt der New Economy mit der Gründung des Online-Flohmarkts Alando ihr erstes Unternehmen aufbauten, waren sie gepackt vom Gründergeist des Silicon Valley. Binnen kürzester Zeit bauten sie den deutschen Marktführer auf und führten einen harten Wettbewerb mit dem Hamburger Anbieter Ricardo.

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Es dürfte in dieser Zeit gewesen sein, dass Oliver Samwer erkannte, dass sich der Erfolg von Ebay wohl aus einigen richtigen Entscheidungen ergeben hatte. Er versuchte also, das US-Unternehmen möglichst genau zu imitieren und erprobte, inwieweit das Vorgehen der Kalifornier wirklich erfolgreich war. Alando gelang der Durchbruch und etwas mehr als 100 Tage nach seiner Gründung übernahm Ebay das Unternehmen für 90 Millionen DM. Auch Jamba setzte auf ein ähnliches System und bediente sich einer Idee aus Japan. Das Konzept der Samwers war geboren: funktionierende Ideen zum Vorbild nehmen und dann durch exzellente Umsetzung zum Erfolg bringen. Auch die ersten Investments der Brüder wie etwa StudiVZ oder der von ihnen mitgegründete Youtube-Klon Myvideo folgten diesem Beispiel und führten zu Verkäufen. Als dann die Wirtschaftskrise 2008 quasi den Markt stilllegte und Investments in Internetunternehmen unmöglich machte, konzentrierten sie sich darauf, eben jenes Vorgehen zu einem System weiterzuentwickeln.

Besser gut kopiert als teuer erfunden

Rocket Internet war geboren, und auch wenn die ersten Inkubationsversuche praktisch sämtlich schiefgingen, trug das System, fremde Ideen mit einem eigens rekrutierten Team und Geld von Samwer-Geldgebern zusammenzuführen, schließlich Früchte. Gründungen wie Edarling, Wimdu, Glossybox oder Zalando entstanden. Die Samwers hatten es verstanden, ihr Risiko zu senken, indem sie auf etablierte Ideen setzten und so auch leichter Geldgeber gewinnen konnten. Was woanders funktionierte, sollte hierzulande schließlich ebenfalls machbar sein. Doch auch, wenn dieses Vorgehen aus wirtschaftlicher Sicht durch Wettbewerb die Innovationsentwicklung förderte und zum Teil sogar den deutschen Markt vor ausländischer Konkurrenz abschottete, traf das Samwer-System nicht auf Gegenliebe.

Ihr Argument, dass Innovation in der Umsetzung, weniger in der Idee liege, zumal Ideen eigentlich nichts wert seien, leuchtete zwar vielen ein, doch die Samwers kopierten derart direkt und dreist, dass sie wiederholt Kritik ernteten. Mal kopierten sie mit ihrem Pinterest-Klon Pinspire die allgemeinen Geschäftsbedingungen ihres Vorbilds, ein anderes Mal übernahmen sie ganze Codeteile anderer Anbieter. Dass sich stets eng am Design und oft auch an der Namensgebung orientiert wurde, war da schon fast normal. Doch Oliver Samwer wurde durch den Wunsch zu gewinnen angetrieben und vertraute daher auf bereits Etabliertes. Und oft genug sollte er damit Erfolg haben. Er verkaufte seine Gründungen an das einstige Vorbild oder andere Interessenten.

Zalando - das Vorzeigemodell

Bisher beschäftigen die Samwers rund 20.000 Mitarbeiter, die in mehr als 100 Ländern auf fünf Kontinenten tätig sind. Das Unternehmen hat mittlerweile modulare Systeme, die das Ausrollen von Unternehmen in wichtigen Bereichen wie IT oder Onlinemarketing beschleunigen, und so schon zahlreiche Firmen aufgebaut. Die bekannteste und erfolgreichste Ausgründung von Rocket Internet ist Zalando, das die Samwers auch in Russland (Lamoda), Indien (Jabong), Lateinamerika (Dafiti), Australien (The Iconic), Südafrika (Zando), dem Mittleren Osten (Namshi) und Südostasien (Zalora) mit eigenen Ablegern starteten und kürzlich zu großen Teilen unter der Firmengruppe Global Fashion Group zusammenfassten, die sie mit einem Wert von 2,7 Milliarden Euro bezifferten. Und nicht nur Fashion hat es den bekannten Internetgründern im E-Commerce-Segment angetan: In den Themenkategorien General Merchandise, Büroartikel und Möbel tritt Rocket Internet gegen große Unternehmen wie Amazon, Staples oder Ikea an und hat sich dabei zur Eigenheit gemacht, insbesondere Internet-Entwicklungsmärkte wie Südostasien, Afrika oder Lateinamerika zu erschließen.

Entsprechend hochtrabend ist die Vision im Hause Samwer: Man wolle mit Rocket Internet die führende E-Commerce-Plattform in Schwellenmärkten sein und dabei der Mission folgen, die größte Internetplattform außerhalb der USA und Chinas zu werden. Doch auch über E-Commerce-Modelle hinaus ist der Samwer-Inkubator aktiv und etablierte unterschiedliche Marktplatzmodelle wie die Privatzimmervermittlung Wimdu oder den Lieferdienstvermittler Foodpanda. Oder Kleinanzeigenportale wie das Autoportal Carmudi oder den Immobilienvermittler Lamudi. Zuletzt bildeten vor allem Fintech-Startups - Unternehmen im Finanz-Technologiebereich - einen neuen Fokus der Samwers, die dort etwa die Kreditmarktplätze Zencap und Lendico, den Payment-Dienstleister Paymill oder Payleven, einen Anbieter für mobile Kartenzahlungen, starteten. Das Betätigungsfeld von Rocket Internet ist vielfältig und streut damit das Risiko, gerade auch, weil auf etablierte Geschäftsmodelle gesetzt wird. Dennoch muss moralisch nicht gefallen, was wirtschaftlich Sinn ergibt. Wie sehr das System Rocket Internet zu überzeugen weiß, wird sich an der Börse zeigen. Die Wette der Samwers ist platziert und mit profunden Werten unterlegt, um eine Wette handelt es sich aber dennoch.

 Rocket Internet: Die Samwers und die Börse - wie passt das zusammen?Fast nur Verluste - wie soll das funktionieren? 

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zoidborg 26. Sep 2014

damit er schneller scheitert. Danke Samwer!

bstea 25. Sep 2014

"Darüber wurde sich Stillschweigen vereinbart". Oft in den Nachrichten war der Wert von...

Yes!Yes!Yes! 24. Sep 2014

Kein Mitleid für die Anleger. Dummheit wird halt manchmal bestraft. Trotzdem 'ne Sauerei...

g0r3 23. Sep 2014

Und noch einer von Schlage "Ich habe eine eigene Website, nehmt mich verdammt noch mal...

Keridalspidialose 23. Sep 2014

dort greifen die Samwers zu. Und an der Börse hat es davon reichlich.



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