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Roccat Nyth im Test: Die 130-Euro-Modular-Daumentasten-Gaming-Maus

Roccats Nyth ist nicht die erste Maus für Moba -Spieler, aber die ungewöhnlichste: Alle zwölf Daumentasten sind modular und 3D-druckbar. Der 12.000-dpi-Sensor und der Treiber überzeugen, mit dem Scrollrad sind wir im Browser unzufrieden – ein Trick hilft aber.
/ Marc Sauter
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Die Nyth-Maus für Moba-Spieler (Bild: André Schume/Golem.de)
Die Nyth-Maus für Moba-Spieler Bild: André Schume/Golem.de

Früher war mit Taktik-Shootern das meiste Geld zu gewinnen, heute sind es Moba-Titel wie League of Legends, die mit dem höchsten Preisgeld locken. Ein Blick in die Steam-Statistiken zeigt überdies, dass die Anzahl an Moba-Spielern jegliche anderen Genres bei weitem überbietet. Für diese Zielgruppe und generell für Gamer hat Roccat die neue Nyth-Maus entwickelt.

Auf den ersten Blick erinnert sie uns stark an Razers Naga , die mit der Nyth nicht nur den Anfangsbuchstaben des Namens gemein hat: Die Ur-Naga von 2009 war die erste Maus für Spieler von MMO (Massively Multiplayer Online), das Genre des Moba (Multiplayer Online Battle Arena) war damals noch gar nicht erfunden. Die Nyth wie die Naga weisen zwölf Daumentasten auf, die sich dazu eignen, eine Vielzahl von Eingaben oder Makros zu tätigen. Ebenfalls interessant ist die Haiflosse auf der Oberseite, die wir mit der Vorwärts- und Rückwärts-Funktion des Browsers belegt haben; Standard ist seitliches Scrollen.

Roccat Nyth Gaming Maus – Trailer (Features)
Roccat Nyth Gaming Maus – Trailer (Features) (01:35)

Die Daumentasten der Nyth setzen sich aus drei Reihen mit jeweils vier Knöpfen zusammen, die alle in die eine oder andere Richtung abgeschrägt sind. Das erleichtert es, die richtige Taste flott mit der Daumenkuppe zu erfühlen – im Eifer des Gefechts ein nicht zu unterschätzender Faktor. Der Unterschied zu anderen MMO- oder Moba-Mäusen ist die modulare Bauart der Daumentasten: Durch einen Knopfdruck auf der Unterseite der Nyth lösen sie sich aus ihrer Halterung, eine Nummerierung hilft bei der Zuordnung der Knöpfe.

Roccat liefert abseits der zwölf einzelnen Tasten sowie ihrer jeweiligen Blind-Pendants weitere Knöpfe in einer mit Moosgummi ausgekleideten Schatulle mit. Wir können beispielsweise vier kleine Tasten in die oberste Reihe setzen, die darunter per Vierersperrung blockieren und zuunterst zwei längliche Knöpfe einbauen. Das klappt allerdings nur horizontal, eine vertikale Anordnung unterstützt das System der Nyth mittels Einzeltasten. Vertikale oder spezielle Leisten müssen Nutzer selbst 3D-drucken(öffnet im neuen Fenster) oder hinzukaufen(öffnet im neuen Fenster) .

Die Belegung der Tasten erfolgt im neuen Swarm-Treiber. Ähnlich wie Razers Synapse, aber ohne Kontobindung, fungiert die Software als zentrales Steuerungselement für jegliche Roccat-Peripherie. Darunter fällt auch Alien-FX, bei dem beispielsweise Maus und Tastatur und die Front des Alpha-Rechners in den gleichen Farben erstrahlen. Wenig überraschend bietet die Nyth eine RGB-Beleuchtung für den Rücken und die Leiste darunter.

12k dpi für 4K-Auflösung

Wer möchte, installiert zusätzlich zum Swarm-Treiber die Talk-FX-Software. In Spielen wie Metro Last Light leuchtet die Nyth dann passend zur Gesundheit des Alter Ego – grün heißt volle Lebensenergie, rot bedeutet fast tot. Im Swarm-Treiber stehen mannigfaltige Optionen zur Tastenbelegung bereit, beispielsweise, den Rechner per Knopfdruck abschalten, einen neuen Tab oder verknüpfte Programme öffnen oder das Mikrofon stumm schalten.

Halten wir den kleinen Knopf rechts auf der linken Haupttaste gedrückt – was mit kleinen Händen quasi ein Ding der Unmöglichkeit ist -, aktiviert sich Easy Shift. Damit verdoppelt sich die Anzahl der möglichen Belegungen. Programmiert ist unter anderem eine Lautstärkeanpassung per Scrollrad. Ebenfalls hinterlegt sind Unmengen an Makros für Spiele von Age of Conan über League of Legends bis World of Warcraft und für Programme wie Firefox, Photoshop, Skype oder Teamspeak sowie Windows-Shortcuts. Selbstverständlich sind eigene, zeitversetzte und sich wiederholende Makros möglich, die per Profil im 576-KByte-Speicher der Maus gesichert werden.

Die Anpassungen der Nyth enden allerdings nicht bei den Daumentasten oder der Software. Die rechte Außenseite ist austauschbar, damit sowohl Claw- als auch Palm-Grip-Spieler damit zurechtkommen. Für den Claw-Griff liegt eine sich nach unten hin verjüngende Schale bei, kleiner und Ringfinger können die Maus so gut krallen. Spieler, die die ganze Handfläche auflegen, nutzen das Seitenteil mit einer Ruheposition für den Ringfinger. Der kleine Finger wird durch eine Gummierung am Platz gehalten und schleift nicht auf dem Mauspad. Generell würden wir uns aber eine raue statt einer glatten Oberfläche wünschen.

12.000 dpi und eine Lift-Off-Justierung

Beim Untergrund sind die Teflonfüßchen der Nyth nicht wählerisch, auch der Philipps-Sensor arbeitet auf allem, was plan ist. Roccat spricht vom Twin-Tech R1, konkret handelt es sich um den Lasersensor PLN9020. Der tastet die Oberfläche mit bis zu 12.000 dpi ab, die Empfindlichkeit ist in 10er-Schritten konfigurierbar. Für die 1080p-Auflösung ist die höchste Abtastung zu hakelig, für 4K-Displays hingegen nützlich. Die Präzision des Sensors ist mit der Razer Mamba und deren 16.000-dpi-Philipps-Modell vergleichbar.

Was besser funktioniert, ist die Lift-Off-Distanz: Einmal kalibriert, können Low-Sense-Spieler einstellen, dass der Sensor abschaltet, wenn er weniger als einen Millimeter vom Untergrund entfernt ist. Die vier Stufen unterscheiden sich spürbar, ein bewusst starkes und diagonales Verziehen beim Anheben der Maus provoziert kleine gelegentliche Aussetzer. Insgesamt finden wir die Umsetzung sehr gelungen, die Funktion sollte Standard werden.

Die Omron-Switches der Haupttasten und die seitlichen Knöpfe weisen knackige Druckpunkte auf, das gummierte Zwei-Wege-Scrollrad könnte für unseren Geschmack aber etwas straffer gerastert sein. Das gilt allerdings für viele andere aktuelle Mäuse auch. Etwas obskur ist die Voreinstellung zur Scrollgeschwindigkeit im Browser: Nach der Installation des Swarm-Treibers setzt dieser sie auf eine Seite, was zu schnell, aber die langsamste Einstellung ist.

Erst der Umweg über die klassische Windows-Systemsteuerung und die Maus-Eigenschaften bringt Besserung: Im Rad-Reiter müssen wir den vertikalen Bildlauf auf sieben Zeilen setzen, was trotz Ausgrauung auch nach einem Neustart nicht vom Swarm-Treiber überschrieben wird. Roccat weiß Bescheid und hat ein Treiber-Update in Aussicht gestellt.

Verfügbarkeit und Fazit

Roccat verkauft die Nyth seit Anfang September 2015 zu einem Listenpreis von 130 Euro(öffnet im neuen Fenster) . Damit kostet die Maus mehr als die kabelgebundene Konkurrenz: Die aktuelle Naga und die Classic führt Razer mit 100 Euro auf, und Logitechs G600 sowie Mad Catz' Cybord MMO TE sind mit 80 Euro gelistet. Die Nyth ist für Rechtshänder konzipiert, eine Linkshänderversion plant Roccat nicht.

Fazit

In Einzeldisziplinen wie der maximalen Sensorauflösung liegt Razers Mamba TE mit 16.000 zu 12.000 dpi vorne, beide Philips-Laser-Modelle sind jedoch extrem präzise und unterstützen die nützliche Justierung der Lift-Off-Distanz. Hinsichtlich der Ergonomie haben wir dank zwei Seitenteilen abseits der glatten statt rauen Oberfläche keinen Anlass zur Kritik, wenngleich Mad Catz' brandneue Rat X Pro(öffnet im neuen Fenster) oder die ältere Razer Ouroboros(öffnet im neuen Fenster) anpassbarer sind.

Das gilt allerdings nicht für die Daumentasten: Davon verbaut Roccat gleich zwölf und überlässt dem Nutzer fast vollständig die Anordnung sowie Belegung. Drei längliche Knöpfe oder acht einzelne Tasten oder gleich die eigenen 3D-gedruckten in Hufeisen-Form? Diese Art der Anpassung finden wir – kombiniert mit den unzähligen Befehlen, vorgefertigten und manuellen Makros sowie der Easy-Shift-Funktion zur doppelten Tastenbelegung – schlicht genial.

Wer kein Faible für Seitentasten oder generell viele Knöpfe an der Maus hat, für den muss es nicht die Nyth sein. Alle anderen – und damit sind nicht nur Moba-Spieler gemeint – sollten Roccats neuer Maus eine Chance geben. Die Nyth ist eine exzellente, wenn nicht die aktuell beste kabelgebundene Gaming-Maus. Und mit einem Sieg in LOL ist auch der Preis kein Argument mehr.


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