Roboterjournalismus: Maschinen können keine Krimis schreiben

Er entwickelt Technologie, die journalistische Arbeit leisten kann, sieht für sie aber ganz andere Einsatzgebiete. Aexea-Chef Saim Alkan erzählt, was Roboterjournalisten alles erreichen könnten.

Artikel veröffentlicht am , Christoph Schön
Aexea-Geschäftsführer Saim Alkan
Aexea-Geschäftsführer Saim Alkan (Bild: Aexea)

Golem.de: Wie zufrieden sind Sie mit dem Begriff Roboterjournalismus?

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Saim Alkan: Roboterjournalismus ist der Begriff, den sich die Medien herausgesucht haben, der etwas leserwirksamer funktioniert. Wir haben keine Schwierigkeiten mit dem Begriff. Wir nutzen hier im Unternehmen die Bezeichnung Data to Text. Damit ist gemeint, dass wir aus Daten Texte generieren.

Golem.de: Wie kann man sich die automatische Generierung von Texten vorstellen?

Saim Alkan: Wir haben es hier mit einer Schnittstelle zu tun, über die wir unterschiedliche Daten sammeln beziehungsweise zur Verfügung gestellt bekommen. Lassen Sie uns am besten Wetterdaten nehmen. Wir haben also eine Temperatur an einem bestimmten Ort. Datenfeld eins ist der Ort, Datenfeld Nummer zwei ist die Tageshöchsttemperatur, Datenfeld Nummer drei wäre die aktuelle Temperatur und Datenfeld vier wäre der Niederschlag. Dann können wir anhand dieser Daten und Vorgaben einen Text generieren, der das aktuelle Wetter beschreibt. Unsere Engine verfügt dabei über alle Wortbildungsregeln, die grammatikalisch notwendig sind, um diesen Text abwechslungsreich und lesbar zu gestalten.

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Golem.de: Ist das nicht alles sehr aufwendig für ein bisschen Text?

Saim Alkan: Wenn es sich um vier Datenfelder handelt, dauert es drei bis vier Tage, um die Maschine darauf einzustellen. Wir haben natürlich Projekte, die deutlich länger brauchen. Das hängt vom Datenvolumen, der Textlänge und den gewünschten Sprachen ab.

Golem.de: Welche Stärken sehen Sie im Roboterjournalismus?

Saim Alkan: Wir sehen große Vorteile in der Geschwindigkeit, in der Vielzahl der Sprachen und in der Stabilität der Qualität. Ebenso sehen wir in der Wiederholbarkeit und in der Genauigkeit der Texte einen Qualitätsgewinn für die Massenproduktion. Die Maschine hält sich an die vorgegebenen Qualitätsmerkmale.

Golem.de: Und wie sieht es mit den Schwächen aus?

Saim Alkan: Was die Maschine nicht kann, wie es zum Beispiel im fiktionalen Schreiben gefordert wird, ist unerwartete Wendungen zu generieren. Sie vermuten der Gärtner ist der Mörder. Fünf Minuten vor Schluss wird Ihnen klar, dass das Zimmermädchen die Mörderin ist. Das kann die Maschine bis heute noch nicht, jedoch möchte ich es nicht ausschließen, dass sie es irgendwann mal kann. Das Zweite, das sie bisher nicht kann, ist Weltwissen anwenden. Das müssen wir ihr aufwendig beibringen. Wir arbeiten momentan darauf hin, der Maschine dieses Weltwissen zu vermitteln, dass beispielsweise Teller stapelbar sind und Kugeln nicht.

Golem.de: Wie reagieren Sie auf die Bedenken, der Roboterjournalismus könne missbraucht werden und gegen ethische Grundsätze verstoßen?

Saim Alkan: Sie können jede Technologie missbrauchen. Sie können mit einem Skalpell jederzeit Menschen gesund machen, aber sie können sie damit genauso erstechen. Und es jetzt an der Diskussion Roboterjournalismus festzumachen und zu sagen, die ethischen Fragen wären nicht geklärt, da muss ich ehrlich sagen: Wenn ich mir anschaue, wie Bild und Focus in den letzten Wochen eine Verfolgungsjagd auf GDL-Chef Claus Weselsky gemacht haben, indem seine Privatdaten veröffentlicht wurden, dann gebe ich die Bedenken gerne an die deutschen Medien zurück. Ein Journalist und ein Ressortleiter haben dies verantwortet. Sollen die erstmal ihre Hausaufgaben machen. Ich kann ihnen garantieren, so was hat noch kein Roboter geschrieben.

Golem.de: Welche Hausaufgaben wären das dann konkret?

Saim Alkan: Sie sollen erst mal ihren Pressekodex anschauen und nicht von einem Roboterjournalisten-Technologieanbieter verlangen, was sie selber nicht einhalten. Wir selber als Technologieanbieter sind sehr sensibel und sind uns unserer Verantwortung bewusst.

Golem.de: Wo sehen Sie die Roboterjournalismus-Technologie in der Zukunft?

Saim Alkan: Wir werden die Entwicklung abwarten müssen. Ich glaube, dass wir aufgrund dieser schnellen Bearbeitung von Informationen nicht mehr einen Text für Millionen von Lesern vorbereiten werden, sondern dass der Tag kommen wird, wo wir einen Text für einen Leser generieren werden. Die Motivation dahinter ist nicht, die aufwendig recherchierte Geschichte eines Journalisten abzulösen und durch einen Robotertext zu ersetzen, sondern in vielen Nischen vorzutreten, wo wir keinen Journalismus mehr haben und er sich finanziell nicht mehr rechnet.

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Proust 14. Dez 2014

Nur weil Du große Kunst nicht erkennst -- mangels Talent und Begabung -- heißt das ja...

Komischer_Phreak 11. Dez 2014

Sorry, aber das ist kompletter Bullshit. Die Industrialisierung war ein Segen, aber Du...

tf (Golem.de) 11. Dez 2014

Hallo Kinkilla, danke für den Hinweis, wurde korrigiert.



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