Roboter: Rex ist eine Menschmaschine

"Halb Wesen und halb Ding" , so definierte die deutsche Gruppe Kraftwerk(öffnet im neuen Fenster) einst eine Menschmaschine. Rex ist so etwas wie eine Menschmaschine: Er ist der Nachbau eines Menschen aus künstlichen Organen und Gliedmaßen.
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| Video: Rex, the Bionic Man |
Rex, eine Abkürzung für Robotic Exoskeleton, ist ein etwa 2 Meter großer Humanoide, aber kein Roboter: Er besteht aus Körperteilen und Organen(öffnet im neuen Fenster) , die sich heute schon künstlich herstellen lassen. Manche sind noch Protoytpen oder in der Erprobung. Andere sind schon für den klinischen Einsatz zugelassen.
Robotische Glieder
Seine Gliedmaßen sind hochmoderne robotische Prothesen wie die Hand i-Limb des schottischen Unternehmens Touch Bionics(öffnet im neuen Fenster) oder die robotische Fußprothese(öffnet im neuen Fenster) , die von dem US-Wissenschaftler Hugh Herr entwickelt wurde. Die Prothesen werden wie echte Gliedmaßen über Nervensignale, die sie mit Sensoren erfassen, gesteuert.
Rex hat aber nicht nur künstliche Gliedmaßen. Auch seine Innereien, die in dem Fall nicht unter einem Skelett und Haut verschwinden, sondern offen liegen, sind technische Geräte: Er verfügt beispielsweise über ein funktionierendes Herz-Lungen-System. Es besteht aus einem batteriebetriebenen Herz, das von dem US-Unternehmen Syncardia(öffnet im neuen Fenster) entwickelt wurde und heute schon als Zwischenlösung implantiert wird, bis ein Spenderherz verfügbar ist. Es pumpt künstliches Blut(öffnet im neuen Fenster) durch Adern. Die an der Universität im englischen Sheffield entwickelten Blutkörperchen bestehen aus einem Polymer und können wie echte Blutkörperchen Sauerstoff binden und freigeben.
Luftröhre aus Polymer und Stammzellen
Die Sauerstoffversorgung übernimmt eine künstliche Lunge, die dem künstlichen Blut Kohlendioxid entzieht und Sauerstoff zugibt. Entwickelt wurde die künstliche Lunge von dem walisischen Unternehmen Haemair(öffnet im neuen Fenster) . Sie ist noch im Prototypstadium. An sie angeschlossen ist eine Luftröhre aus einem Polymer(öffnet im neuen Fenster) , das mit Stammzellen durchsetzt ist. 2011 wurde eine solche Luftröhre erstmals am Royal Free Hospital in London einem Menschen eingesetzt.
Ein Milznachbau(öffnet im neuen Fenster) zieht mit Hilfe von magnetischen Nanopartikeln Erreger aus dem Blut – der Biochip von der Harvard-Universität ist Teil eines Forschungsprojektes der Darpa und ist in der klinischen Erprobung.
Bauch und Kopf
Ein implantierbares Filtersystem(öffnet im neuen Fenster) entfernt Schadstoffe aus Rex' Körper. Die künstliche Niere der Universität von Kalifornien in San Francisco ist voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts bereit für die ersten klinischen Tests.
Den Insulin-Haushalt des bionischen Menschen schließlich regelt eine Bauchspeicheldrüse(öffnet im neuen Fenster) , die 2012 von der De-Montfort-Universität in Leicester und Bedford in Mittelengland vorgestellt wurde.
Metalhead
Rex' Schädel besteht aus Titan – einem Material, aus dem bei Schädelbrüchen Teile des Kopfes ersetzt werden. Der Kopf verfügt auch über ein Innenleben: Innenohrimplantate des australischen Unternehmens Cochlear(öffnet im neuen Fenster) lassen ihn hören. Mit einem Retina-Implantat des US-Unternehmens Second Sight kann Rex sehen.
Die Eindrücke verarbeitet er mit künstlicher Intelligenz. Das System ist nicht so ausgefeilt, ermöglicht es Rex aber, auf eine Anfrage eine Antwort zu geben. Dazu nutzt er das Sprachsynthesesystem von Neospeech(öffnet im neuen Fenster) , das auch der bekannte Wissenschaftler Stephen Hawking nutzt.
Teure Menschmaschine
Ein solches hochmodernes menschliches Ersatzteillager hat seinen Preis: Knapp eine Million US-Dollar ist Rex wert. Die Komponenten wurden von den Herstellern und Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Zusammengesetzt haben sie Richard Walker und Matthew Godden vom britischen Robotikunternehmen Shadow Robot(öffnet im neuen Fenster) , das unter anderem robotische Handprothesen(öffnet im neuen Fenster) und künstliche, pneumatisch betriebene Muskeln(öffnet im neuen Fenster) anbietet.
Gebaut wurde Rex für die Fernsehserie How To Build A Bionic Man(öffnet im neuen Fenster) , die von dem Sender Channel 4 produziert wurde. Die Menschmaschine kann zudem im Londoner Wissenschaftsmuseum(öffnet im neuen Fenster) bestaunt werden: Sie ist eines der Exponate der aktuellen Sonderausstellung Who Am I?(öffnet im neuen Fenster) . Sie wurde am 7. Februar eröffnet und läuft noch bis zum 11. März 2013.



