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Roboter im Praxistest: Kein spießiges Rasenmähen mehr am Samstag

Klein, leise, fleißig: Einen ganzen Sommer lang hat der Wiper C-Linie XK unseren Rasen gemäht. Dabei haben wir den blauen Roboter liebgewonnen – trotz einiger Allüren.
/ Achim Sawall
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Elektronischer Gartenhelfer macht seinen Job. (Bild: Achim Sawall/Golem.de)
Elektronischer Gartenhelfer macht seinen Job. Bild: Achim Sawall/Golem.de

Die Nachbarn schieben schwitzend ihren Rasenmäher durch den Garten, während wir mit einem kühlen Getränk im Liegestuhl lümmeln und mähen lassen: So haben wir uns den Sommer mit unserem Mähroboter vorgestellt. Fast eine ganze Mähsaison haben wir den Wiper C-Linie XK(öffnet im neuen Fenster) von Rumsauer ausprobiert, so lange, bis nun wirklich kein Rasenschnitt mehr nötig war. Dabei ist uns der kleine Roboter richtig ans Herz gewachsen – auch wenn der Sommer mit ihm etwas abwechslungsreicher verlaufen ist als gedacht.

Unser Testgerät ist ein Wiper C-Linie XK. Das Gerät haben wir relativ wahllos herausgegriffen, um den Nutzen der Technik in der Praxis zu erproben. Als wir mit dem Test begannen, waren die XK-Modelle noch nicht verfügbar. Daher hat Rumsauer für Golem.de durch Einbau eines zweiten Akkus und Änderung der Software aus dem vorhandenen Wiper C XE einen C XK erstellt.

Wiper C-Linie XK – Fazit
Wiper C-Linie XK – Fazit (01:07)

Zuerst musste der Rasenmäherroboter eingerichtet werden, was relativ aufwendig war: Damit er weiß, wo er arbeiten soll, muss erst einmal das Rasenstück abgesteckt werden. Ein Kabel wird mit Nägeln, die den Plastikheringen beim Camping ähneln, auf dem Boden verlegt. Bei unserem ebenen Testgelände mit den Ausmaßen von 10,5 x 21 Metern hat das Verlegen rund drei Stunden gedauert.

Nach dem Hämmern werden die beiden Kabelenden an die Ladestation angeschlossen, die mit einer Stromquelle verbunden wird. Auf Empfehlung eines Fachmanns haben wir über den Stromanschluss einen umgekehrten Blumentopf gesetzt, um ihn vor Witterungseinflüssen zu schützen. Das war einfach und hat gut funktioniert.

Das gesamte Equipment ist wetterfest und wird fest im Garten installiert, wo der Roboter nach Unwettern und extremen Regengüssen immer störungsfrei arbeitete. Überwintern sollte das Gerät zusammen mit den Igeln im Haus.

Chaotische Mähweise bringt Vorteile

Nachdem wir das Kabel genau nach Beschreibung verlegt haben, legen wir die Füße hoch und haben Zeit, unseren Roboter der Arbeit zu beobachten. Er fährt die Rasenfläche nach dem System der zufälligen Winkelnavigation ab. Diese Technik ist heute der Standard für die Steuerung fast aller Robotmäher; sie hat sich als effektiver erwiesen als frühere Versuche, mit einem Roboter das menschliche Verhalten beim Rasenmähen nachzuahmen und den Roboter Bahn für Bahn den Rasen mähen zu lassen.

Die mehrfache Anfahrt jeglicher Punkte im Rasen hat für den Anwender sogar Vorteile. Der Rasen bekommt keine Wuchsrichtung wie bei der Bahn-für-Bahn-Methode – und erhält dadurch eine gleichmäßige Farbe. Entscheidend für diese Art des Mähens ist ein guter Steuerungsalgorithmus: die Navigation, die dem Roboter sagt, in welche Richtung er als Nächstes zu fahren hat.

Verbindung mit dem Smartphone ist sinnlos

Der Rasenmäher arbeitet autark. Einige Hersteller haben damit experimentiert, solche Roboter per Bluetooth oder WLAN mit dem Smartphone zu verbinden und so zu steuern, wie uns der Experte Christian Rumsauer erklärt. Doch das erwies sich schnell als reine Spielerei: Einfluss auf die Fahrweise eines Geräts zu nehmen, das dazu geschaffen ist, die Aufgabe alleine zu erledigen, ist nicht sinnvoll.

Wesentlich sinnvoller sind Einstellungen im Programm des Roboters etwa zu Arbeitstagen oder sogar ein Update für das ganze Betriebssystem durchzuführen. "Es ist davon auszugehen, dass gerade diese Möglichkeiten als Nächstes von den Herstellern verfügbar gemacht werden" , sagte Rumsauer.

Der Wiper Premium C Linie XK ist laut Hersteller geeignet für Flächen bis zu 800 Quadratmeter. Er hat ein Messer aus veredeltem Stahl mit 25 Zentimeter Schnittbreite und ist ein Vollautomat mit Ladestation. Eine Programmierung für bis zu drei Zonen ist möglich.

1,5 Stunden Akkulaufzeit

Der blaue Gartenroboter kommt mit zwei 4,6 Ah-Akkus (Li-Ionen), die Laufzeit pro Akkuladung beträgt rund 1,5 Stunden, die Ladezeit rund 2 Stunden. Beides konnten wir in der Praxis bestätigen. Wird das Ladekabel einmal länger herausgezogen, verlässt der Roboter unter Protest seine Station und piept laut. Nachdem wir den Stecker wieder eingesteckt haben, kehrt er in sein Gehäuse zurück.

Die Angabe der Flächenleistung bezieht sich bei allen Herstellern auf die Pflegeleistung der Maschine pro Woche. Das heißt, eine oder mehrere Flächen der Größe sollten von der Maschine innerhalb einer Woche an jeder Stelle mindestens einmal befahren und gemäht werden. Bei dem Wiper liegt dieser Spielraum laut Hersteller bei maximal 20 Prozent.

Die Einsatzzeiten lassen sich frei einstellen. Damit ist es theoretisch auch möglich, ein sofortiges Mähen abzurufen. Es gelang uns jedoch selten. Das Drücken der großen Stopptaste führt zum sofortigen Abbruch. Eine Reinigung des Roboters war fast nicht nötig, und mit wenigen Handgriffen erledigt. Das Gehäuse hat den Einsatz sehr gut und fast ohne Kratzer überstanden.

Mohawk im Garten: Etwas Gras bleibt stehen

Der Roboter mäht tadellos, allerdings schneidet er nicht genau bis zur Graskante. Hier ist weiterhin Nachschneiden mit einem Rasenmäher nötig. Das ist zwar in fünf bis zehn Minuten erledigt, dennoch nervt es.

Die Hersteller empfehlen den Einsatz von Rasenkantensteinen, um wirklich vollautomatisch ohne Nacharbeiten mähen lassen zu können. Wiper-Mäher kämen im Durchschnitt und bei genauer Installation auf rund 8 cm an feststehende Hindernisse heran. Somit seien 10- oder 12-cm-Randsteine sinnvoll.

Der Geräuschpegel wird vom Händler mit maximal 72 Dezibel (dB) und 65 dB bei der Rasenpflege angegeben. Wir haben das nicht nachgemessen, fanden aber, dass der Roboter wirklich extrem leise, kaum hörbar arbeitet. Ein Rasierapparat von Braun ist weitaus lauter.

Alle Roboterrasen mulchen, das heißt, der Rasenschnitt wird so klein geschnitten, dass er liegen bleiben kann und als Dünger dient. Das machte den vor einem Jahr ausgesäten Rasen tatsächlich dichter, und wenn dreimal in der Woche geschnitten wird, blieb auch kaum sichtbar etwas liegen. Normal gemähtes Gras stinkt im Sommer nach einigen Tagen extrem faulig und muss beseitigt werden. Beim Mulchen fällt dieses Problem weg.

Diva-Mähroboter will bei Regen nicht

Einen sozialen Aspekt hat der Mähroboter auch: Seine Einsätze wurden zum Treffpunkt für die Nachbarskinder, die zusehen kamen, wenn der Roboter pünktlich seine Schicht begann.

Bei Regen weigert sich der Wiper allerdings, seiner Arbeit nachzugehen. Er verschiebt dann den programmierten Einsatz um einige Stunden. Dabei kann manchmal auch der Morgentau als Regen fehlgedeutet werden. Veränderungen kann der kleine Roboter auch nicht leiden.

Wir haben bei unserem Dauertest nach einigen Monaten die Rasenkante um einige Zentimeter beschnitten, damit das Gras nicht weiter in die Hecken wächst. Das nahm uns der Roboter sehr übel: Er war nicht in der Lage, mit der neuen Situation umzugehen, und rutschte an mehreren Stellen vom Rasen in das Heckenbett. Auf dem sandigen Boden fuhren die Räder der Roboter sich lange Zeit fest, und er musste zur Ladestation zurückfahren oder zurückgetragen werden, weil der Akku fast oder ganz entladen war.

Dies trat nach einiger Zeit aber nur noch auf, wenn der Mäher nach getaner Arbeit einmal das Grasstück an den Kanten abfuhr. Wir haben die abgeschnittene Graskante mit mehreren Säcken Blumenerde wieder aufgefüllt. Daraufhin arbeitete die Maschine fast fehlerfrei.

Gartenarbeiten sind gefährlich

Dasselbe lässt sich allerdings nicht immer für den Menschen sagen. Wir haben bei Arbeiten am Rasen mit dem Spaten gleich zweimal das Kabel durchtrennt – ein Problem, mit dem wir offenbar nicht allein dastehen. Da das Kabel ins Gras einwächst, ist es praktisch unsichtbar. Es kann zwar mit Verbindern repariert werden, das macht aber wenig Spaß.

Auch sollte der Gärtner lieber nichts auf der Rasenfläche vergessen. Hindernisse wie einen vergessenen Rasensprenger (fachlich Viereckregner) erkannte der Mähroboter nicht, und schnitt leider ein kleines Stück aus ihm heraus. Einen aufblasbaren Swimmingpool griff er dagegen nicht an, sondern mähte bis an dessen Rand.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Wiper C-Linie XK kostet rund 1.600 Euro, und ist bei Rumsauer und anderen Händlern online verfügbar.

Fazit

Langweilig ist es uns mit dem Wiper C-Linie XK nicht geworden. Wir haben stundenlang Kabel im Garten verlegt, sie versehentlich durchtrennt, repariert, wieder versehentlich durchtrennt und wieder repariert. Aber wir hatten auch viel Freude mit dem Roboter: Wir wurden zur Attraktion für die Nachbarskinder. Unser Rasen ist dichter geworden und hat keine Wuchsrichtung mehr, seit wir nicht mehr per Hand mähen.

Schade ist, dass der Roboter nicht bis zur Rasenkante mäht. Dafür müssten Kantensteine verlegt werden. Wir mussten auch lernen, unseren Rasensprenger rechtzeitig vor dem Mähen in Sicherheit zu bringen, damit der Wiper ihn nicht anknabbert. Und dass die Räder im Erdreich in der letzten Runde wegrutschten, störte uns etwas.

Dennoch: Auf das samstägliche spießige Rasenmähen zu verzichten, war eine Wohltat. Und obwohl wir die Rasenkanten nachschneiden mussten, hat uns der Roboter viel Zeit gespart. Wir freuen uns schon auf die nächste Saison, in der wir mähen lassen, statt selbst zu mähen.


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