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Roboter aus München: Humanoide Kollegen für die Fabrikhalle

Das Münchner Robotikunternehmen Agile Robots will ab 2026 humanoide Industrieroboter in Bayern fertigen. Konkurrenz bleibt nicht aus.
/ Andreas Donath
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Agile One (Bild: gile Robots)
Agile One Bild: gile Robots

2018 von Zhaopeng Chen und ehemaligen Mitarbeitern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gegründet, entwickelt das Unternehmen Agile Robots KI-gestützte Robotiklösungen. Nun wagt das Unternehmen den nächsten Schritt: die Produktion eines humanoiden Roboters – komplett am bayerischen Standort.

Der Agile One(öffnet im neuen Fenster) ist für industrielle Aufgaben konzipiert: Materialtransport, Bestückungsarbeiten, Maschinenbedienung. Das Besondere: eine hochentwickelte Roboterhand kombiniert mit einem KI-Modell, das mit Industriedaten trainiert wurde. CEO Chen spricht von Physical AI, also Robotersystemen, die ihre Umgebung erfassen und darauf reagieren.

Mit 174 Zentimetern Körpergröße und 69 Kilogramm Gewicht orientiert sich der Agile One bewusst an menschlichen Proportionen. Die Entwickler setzen auf eine Bauweise, die den Roboter in bestehende Arbeitsumgebungen integrierbar macht, ohne dass Arbeitshöhen, Durchgänge oder Werkzeuge angepasst werden müssen. Eine Gehgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde ermöglicht es dem Humanoiden, mit menschlichen Kollegen Schritt zu halten. Die Traglast liegt bei 20 Kilogramm.

Die komplette Fertigung des Agile One findet laut Hersteller in Bayern statt. Ob der ambitionierte Zeitplan für den Produktionsstart Anfang 2026 hält, wird sich zeigen – Details zu Sicherheitszertifizierungen und Tests stehen noch aus.

Humanoide Roboter: Zukunft oder Hype?

Der Markt für humanoide Industrieroboter steht noch am Anfang. Weltweit arbeiten Dutzende Unternehmen an ähnlichen Konzepten. Die zentrale Frage: Sind menschenähnliche Roboter tatsächlich die beste Lösung für Produktionsumgebungen – oder nur ein spektakuläres Marketingversprechen?

Agile Robots argumentiert mit Flexibilität: Ein humanoider Roboter könne in Umgebungen arbeiten, die für Menschen konzipiert sind, ohne dass Produktionshallen umgebaut werden müssten.

Chinas Vorsprung: Massenproduktion läuft bereits

Während Agile Robots mit der Fertigung erst startet, nahm der chinesische Hersteller Ubtech bereits die Massenproduktion auf(öffnet im neuen Fenster) und lieferte 2025 rund 500 humanoide Roboter der Walker-Serie aus. Bis 2026 soll die Jahreskapazität auf 5.000 Einheiten steigen, ein Jahr später auf 10.000.

Der Walker S2 kann hocken, bis zu 15 kg heben und seinen Akku selbstständig wechseln – damit läuft die Produktionslinie praktisch ohne Unterbrechung. Ubtech arbeitet bereits mit Automobilherstellern wie BYD, FAW-Volkswagen, Audi FAW und BAIC New Energy zusammen.

Auch BYD selbst wird aktiv(öffnet im neuen Fenster) : Der chinesische Automobilriese plant den Einsatz von 1.500 Robotern im Jahr 2026 und baut derzeit ein eigenes Labor für die Entwicklung humanoider Roboter. Der Wettbewerber XPeng präsentierte seinen Iron-Roboter(öffnet im neuen Fenster) mit über 60 Gelenken und 200 Freiheitsgraden und will bis Ende 2026 die Massenproduktion starten.

Die staatliche Guangzhou Automobile Group (GAC) entwickelte den Gomate-Roboter für die Installation von Kabeln in der Automobilproduktion – Massenproduktion ab 2026 geplant.

Chinas Dominanz basiert auf einer starken Lieferkette(öffnet im neuen Fenster) : Laut Morgan Stanley kontrolliert China 63 Prozent der Schlüsselunternehmen in der globalen Lieferkette für Komponenten humanoider Roboter, insbesondere bei Antriebsteilen und der Verarbeitung seltener Erden. Das ermöglicht aggressive Preise: Der Unitree H1 kostet mit 90.000 Dollar weniger als die Hälfte vergleichbarer westlicher Modelle, der kleinere G1 ist bereits ab 16.000 Dollar erhältlich.

Tesla und die amerikanische Antwort

Tesla kündigte an(öffnet im neuen Fenster) , die dritte Generation seines Optimus-Roboters im ersten Quartal 2026 vorzustellen. CEO Elon Musk plant eine Jahresproduktion von bis zu einer Million Einheiten bis Ende 2026 – eine Zahl, die Branchenkenner mit Skepsis betrachten, angesichts von Teslas allzu blumiger Prognosen aus der Vergangenheit.

Figure AI und BMW schlossen einen Vertrag ab(öffnet im neuen Fenster) – möglicherweise der erste rein kommerzielle Deal dieser Art. Der Figure 02 arbeitet bereits im BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina(öffnet im neuen Fenster) , und bewegt Blechteile und Behälter.

Boston Dynamics: Der Veteran wird elektrisch

Boston Dynamics schickte im April 2024 den hydraulischen Atlas(öffnet im neuen Fenster) nach 11 Jahren in den Ruhestand und ersetzte ihn durch eine vollständig elektrische Version. Der neue Atlas ist stärker, agiler und leiser als sein Vorgänger. Mutterkonzern Hyundai kündigte an(öffnet im neuen Fenster) , in den kommenden Jahren Zehntausende Roboter von Boston Dynamics zu kaufen, darunter Atlas-Humanoide, Spot-Vierbeiner und Stretch-Roboter zum Entladen von Containern.


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