Robot Dreams: Hund will nicht mehr einsam sein

Pablo Bergers Zeichentrickfilm Robot Dreams (Kinostart: 9. Mai) ist einer der Nominierten für den Oscar als bester Animationsfilm(öffnet im neuen Fenster) gewesen. Gewonnen hat am Ende Hayao Miyazakis Der Junge und der Reiher, von Pablo Berger wird aber sicher noch zu hören sein - mit seinen ungewöhnlichen Filmen wie dem Schwarzweiß-Stummfilm Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiß(öffnet im neuen Fenster) (2012).
Auch Robot Dreams hat seine Eigenheiten. So wird er gänzlich ohne Dialoge erzählt. Die braucht es aber auch nicht: Die Bilder genügen, um alle Emotionen zu transportieren.
Die Geschichte: In einer parallelen Welt, einem New York, in dem die Twin Towers noch stehen, leben keine Menschen, sondern Tiere, die ihrer Arbeit, ihren Leidenschaften, ihrem Leben nachgehen. Einer davon ist Hund, der abends vor dem Fernseher sitzt - und einsam ist.
Da sieht er einen Werbespot. Der Einsamkeit kann abgeholfen werden: mit einem Roboter. Hund bestellt einen, der Roboter kommt wenig später an und Hund beginnt, ihn zusammenzubauen, mit einer komplizierten Bauanleitung - und Schrauben, die am Ende übrigbleiben. Aber mit dem Roboter hat Hund nun einen Freund.
Sie verbringen Zeit miteinander, gehen hinaus, tanzen, haben Spaß. Eines Tages gehen sie an den Strand, wo sich der Energiestand des Roboters erschöpft. Er kann sich nicht mehr bewegen.
Hund geht nach Hause und will den Roboter am nächsten Tag holen, doch der Sommer ist vorbei, der Strand ist gesperrt. Es gibt kein Wiedersehen - höchstens im nächsten Sommer, wenn der Strand wieder geöffnet wird.
Vom Comic zum Film
Robot Dreams basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Sara Varon(öffnet im neuen Fenster) . Pablo Berger streut im Film immer wieder Verweise auf Varons andere Werke ein, außerdem sieht man, dass der Nachname von Hund Varon ist.
Der Film ist immens liebevoll umgesetzt, mit vielen hübschen Details: wie er am Strand sein einziges Kleidungsstück, ein Halsband, gegen eine Badehose tauscht; das Wedeln mit dem Schwanz, als die Kiste mit dem Roboter geliefert wird und Hund sich freut.
Der Film schafft es, die tierischen Manierismen in anthropomorphe Figuren einzubringen. Sie sind vermenschlicht, aber angesichts ihrer Eigenheiten muss man dennoch schmunzeln.
Zum Schmunzeln gibt es hier viel, aber nicht nur. Denn Robot Dreams ist ein durchaus tiefsinniger Film. Einer, der auch die Einsamkeit in der modernen Gesellschaft in den Fokus rückt. Der Lösungsvorschlag ist Science-Fiction. Aber wie lange noch?
Der Film hat seine traurigen Momente, die in der Einsamkeit der Hauptfigur begründet sind, aber auch in den Gedanken und Träumen des Roboters. Denn der ist zum Tagträumen in der Lage. Das zeigt sich nirgendwo besser als im Finale, das illustriert, dass das Leben aller Verluste zum Trotz weitergeht.
Ein humanistischer Film
Die beste Science-Fiction ist immer die, die etwas über den Menschen und über seinen Platz in der Gesellschaft auszusagen hat. Das funktioniert auch in Zeichentrickform und mit einem Hund als Hauptfigur. Die Zeichnungen sind relativ einfach, aber sie bieten Projektionsfläche. Und: Sie berühren.
Formell ist es ein verspielter Film, die Konventionen des Mediums werden auf den Kopf gestellt, etwa in einer von Der Zauberer von Oz inspirierten Sequenz. Verspielt ist er aber auch in den Details. So finden sich in der Wohnung von Hund auch Repliken bekannter Film-Roboter wie C-3PO und R2-D2.
Robot Dreams hat den Oscar nicht gewonnen, der bloßen Nominierung ist es aber wohl zu verdanken, dass der Film nun auch eine Kinoauswertung in Deutschland erlebt. Ein Besuch, der sich auf jeden Fall lohnt.



