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Roaming: O2 verringert Datenvolumen von Bestandstarifen auf EU-Reisen

Bei einzelnen Tarifen beschränkt O2 das Inklusivvolumen für die EU-Nutzung nachträglich. Kunden erfahren davon erst im Ausland – falls sie genau lesen.
/ Marius Pieruschka
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Kunden erfahren erst im Ausland, dass ihnen weniger Datenvolumen zusteht. (Bild: Pexels)
Kunden erfahren erst im Ausland, dass ihnen weniger Datenvolumen zusteht. Bild: Pexels / Pexels-Lizenz

Der Netzbetreiber O2 hat Ende Juni 2025 still und heimlich die Konditionen bei einigen Alttarifen angepasst. Bestandskunden erhalten bei den Tarifen O2 Mobile L Boost, Free L Boost und Grow weniger Inklusivvolumen für die Nutzung in der EU als in Deutschland, wie aus seinem Produktinformationsblatt hervorgeht(öffnet im neuen Fenster) . Die Angaben aus dem Datenblatt werden auch in der Praxis umgesetzt und bedeuten eine Verschlechterung für die Kunden.

Dabei wurden Bestandskunden mit den genannten Tarifen von O2 nicht über die Anpassungen informiert. Der Netzbetreiber benachrichtigt die Nutzer erst nach der Einreise im EU-Land per SMS über das begrenzte Datenvolumen für Roaming.

Ein Golem-Redakteur erhielt bei seiner Ankunft im Urlaubsland den Hinweis, dass ihn beim O2 Grow Tarif mit 70 GByte innerhalb der EU nur 38,8 GByte zur Verfügung stünden. Der Grow-Tarif gehört nur bedingt zu den Alttarifen, denn er kam erst vor etwas mehr als drei Jahren als Aktionstarif auf den Markt.

Die SMS lautete im Wortlaut: "Datenroaming ist in (...) bis zu einem Inklusivvolumen von 38,8 GB kostenlos. Es findet entsprechend den Regelungen über die angemessene Nutzung eine Volumenbegrenzung statt. Nach Verbrauch des EU-Inklusivvolumens wird Ihnen ein Aufschlag von 1,547 Euro pro GByte berechnet."

Es fehlte ein deutlicher Hinweis darauf, dass die bisherige Regelung nicht mehr gilt. Noch bei einem Auslandsaufenthalt im Mai 2025 konnte das gesamte Datenvolumen des Tarifs im EU-Ausland verwendet werden.

Der Redakteur erhielt bei der letzten Reise parallel zu der genannten SMS weitere Kurznachrichten zu seinen zusätzlichen SIM-Karten, in denen hingegen angegeben wurde, dass das komplette Datenvolumen des Tarifs im EU-Ausland nutzbar ist. Die widersprechenden Angaben führten dazu, dass unklar war, welches Inklusivvolumen ihm im Ausland zur Verfügung stand.

O2 muss Kunden nicht informieren

Die Änderungen bei O2 Mobile L Boost, Free L Boost und Grow überraschten zahlreiche Kunden des Netzbetreibers. In dessen Hilfeforum beklagten sich mehrere Nutzer, dass sie von Telefónica Deutschland nicht über die Anpassung ihres Tarifes informiert wurden und fragten zugleich, ob eine solche Verschlechterung rechtens sei. Das Unternehmen verschickt zum Teil mehrmals pro Woche Informationen an Kunden, allerdings war dabei kein Hinweis zur Änderung des Vertrags enthalten.

Wer seinen Mobilfunkvertrag kennt, liest möglicherweise diese Info-SMS beim Überqueren von Landesgrenzen nicht so aufmerksam, um die Änderung zu bemerken. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn zumindest beim ersten Aufenthalt in einem EU-Land sehr deutlich darauf hingewiesen worden wäre, dass sich die Bedingungen geändert haben. Auch in der O2-App fehlt mindestens bei O2 Grow jeder Hinweis auf das verringerte Datenvolumen im EU-Ausland, stattdessen wird das im Tarif enthaltene Datenvolumen als im EU-Ausland verfügbar angezeigt.

Moderatoren im O2 Hilfsforum verweisen auf die EU Fair-Use-Policy beim EU-Roaming und bedauern, dass der Netzbetreiber diese Änderungen nicht offen kommuniziert habe. Zugleich ist O2 laut einer Moderatorin(öffnet im neuen Fenster) nicht zu einer Benachrichtigung verpflichtet, da die Fair-Use-Regelung ein fester Bestandteil der Tarife ist:

"(...) die Bestimmungen der EU-Fair-Use-Policy beim EU-Roaming sind schon immer ein fester Bestandteil der O2-Tarife, die bereits bei Vertragsabschluss vereinbart wurden. Eine zusätzliche Information, dass sie jetzt erst umgesetzt wird, musste hier nicht erfolgen. Ich kann aber nachvollziehen, dass die Umsetzung für dich überraschend war, weil du nicht damit gerechnet hast."

O2 mit fragwürdiger Kommunikation

Das Vorgehen von O2 ist ungewöhnlich, da Verbrauchern im Regelfall in der EU das gleiche Datenvolumen wie im Heimatland zur Verfügung steht, es ist jedoch mit EU-Recht vereinbar. Netzbetreiber dürfen bei günstigen Tarifen mit großen Inklusivvolumen im Rahmen der Fair-Use-Regelung die Datennutzung im EU-Ausland begrenzen. Korrekt ist auch, dass Nutzer bei Vertragsabschluss dieser Regelung zugestimmt haben.

Offen bleibt, warum O2 die Kunden nicht rechtzeitig vor den Sommerferien über die Einschränkungen informierte. Golem bat die Pressestelle von Telefónica Deutschland zweimal um eine Stellungnahme hierzu, erhielt bisher jedoch keine Antwort.


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