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Rivada: Von Trump unterstütztes Sat-Projekt verliert Frequenzen

Rivada konnte eine Sicherheit in Liechtenstein nicht zahlen. Der Starlink -Konkurrent OuterNET wird nach der US-Wahl wohl nicht mehr abheben.
/ Achim Sawall
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OuterNET (Bild: Rivada Space Networks)
OuterNET Bild: Rivada Space Networks

Das deutsch-amerikanische Unternehmen Rivada, das angeblich eine LEO-Satelliten-Konstellation mit liechtensteinischen Frequenzen plant, hat erhebliche Probleme. Das Liechtensteinische Amt für Kommunikation entzog Rivada die Frequenzen, weil ein Performance Bond in Höhe von insgesamt 20 Millionen Schweizer Franken nicht hinterlegt wurde, berichtet die Tageszeitung Liechtensteiner Vaterland (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) .

Selbst die ersten 5 Millionen Franken wurden demnach erst nach Mahnungen an die Landeskasse überwiesen. "Das Amt hat Bedenken wegen der Finanzierung des Projekts und mittlerweile das Vertrauen in Rivada verloren" , berichtet die Zeitung.

Im Februar 2023 erteilte die Behörde der Rivada AG, der liechtensteinischen Tochterfirma mit Sitz in Vaduz, die vorläufige Nutzung der liechtensteinischen Frequenzen im Low Earth Orbit (LEO). Mitte September stellte Rivada in dem Kleinstaat einen Insolvenzantrag, zog ihn aber wieder zurück. Die gesamte Rivada-Gruppe sei "hochgradig unterfinanziert und überschuldet" , berichtete das Amt nach Sichtung der finanziellen Unterlagen dem Liechtensteiner Vaterland.

Warum Liechtenstein?

Auf internationaler Ebene werden Satelliten bei der Internationalen Fernmeldeunion der Vereinten Nationen (ITU) angemeldet. Das können aber nur ITU-Mitgliedsstaaten, also staatliche Stellen. Privatunternehmen müssen also immer über einen Staat anmelden.

Ursprünglich teilte die liechtensteinische Regulierungsbehörde im Januar 2018 die Nutzungsrechte für die ITU-Anmeldungen dem deutsch-chinesischen Start-up Kleo Connect zu. Tatsächlich brachte im November 2019 eine chinesische Kuaizhou-1A-Trägerrakete die beiden ersten Kleo-Prototypen in den erdnahen Orbit.

Nach Berichten über Verbindungen der chinesischen Akteure zum dortigen Militär zerbrach das Start-up. Rivada Space übernahm nicht nur die Frequenznutzungsrechte von Kleo Connect, sondern auch große Teile der Belegschaft, wodurch der Aufbau der Satellitenkonstellation beschleunigt werden sollte.

Das Start-up habe bereits Aufträge im Wert von mehr als 10 Milliarden US-Dollar eingesammelt, sagte Unternehmenschef Declan Ganley im Februar 2024 laut Handelsblatt. "Wir sind mehr als zufrieden" , erklärte Ganley, der bis zum Jahresende Aufträge von bis zu 15 Milliarden US-Dollar erwartete. Laut dem Bericht gehören das US-Verteidigungsministerium und der umstrittene Milliardär Peter Thiel zu den Geldgebern.

Rivada Space Networks plant das OuterNET

Nach Angaben der bayrischen Regierungsplattform Bayern-Innovativ baut Rivada Space Networks das OuterNET(öffnet im neuen Fenster) , das mit einer Gateway-losen Architektur den Kunden "maßgeschneiderte virtuelle private Netzwerke" bieten soll. Die vollständige Trennung vom öffentlichen Internet und die Unabhängigkeit von der Infrastruktur von Dritten sorge für "unübertroffene Cybersicherheit und Flexibilität" .

Im Handelsblatt warb der Chef von Rivada Space Networks Ende März 2024 in einem Gastbeitrag damit(öffnet im neuen Fenster) , dass der Konzern "sichere Kommunikationsnetze für ein unabhängiges Europa" errichten werde. OuterNET werde aus 600 Satelliten ein "europäisches Kommunikationsnetz für Unternehmen und Regierungen aufbauen" .

Aus Pflichtveröffentlichungen des Satellitenherstellers Terran Orbital, dessen Aktien an der NYSE gehandelt werden, ging hervor, dass Rivada Space nur einen Bruchteil der vereinbarten 2,4 Milliarden US-Dollar für den Bau der ersten Tranche von 288 Satelliten gezahlt hat, weshalb bis heute kein einziger Satellit produziert wurde. Zuletzt strich Terran Orbital im August den Auftrag von Rivada Space vollständig aus seinen Büchern.

Zwar geben sich sowohl Rivada Space als auch SpaceX bezüglich des Vertragsvolumens bedeckt, jedoch dürften für die zwölf gebuchten Raketenstarts weitere 750 Millionen US-Dollar anfallen, erfuhr Golem.de aus informierten Kreisen. Ob die branchenüblichen Anzahlungen geleistet werden konnten, sei unklar.

Rivada Space seit Monaten in Zahlungsschwierigkeiten

Klar ist jedoch, dass Rivada Space seit Monaten in Zahlungsschwierigkeiten steckt. Wie das Handelsblatt berichtete(öffnet im neuen Fenster) , blieben in den vergangenen Monaten wiederholt Lohnzahlungen an die über hundert Mitarbeiter in Berlin und München aus und auch Zulieferer warten auf ihr Geld.

Erst im August erst wurde bekannt, dass der Bremer Satellitenbauer OHB Rivada Space vor dem Landgericht München erfolgreich auf Zahlung von 2,5 Millionen Euro aufgrund einer unbezahlt gebliebenen Machbarkeitsstudie verklagt hat (Landgericht München I, Aktenzeichen: 30 O 14418/23).

Im Oktober 2020 soll der damalige US-Präsident Donald Trump seinen Stabschef Mark Meadows angewiesen haben, dafür zu sorgen, dass Rivada Networks wertvolle 5G-Frequenzen im C-Band vom Militär geleast bekommt. Wie der US-Sender CNN mit Berufung auf mehrere hochrangige Regierungsquellen berichtete, waren prominente Republikaner und Unterstützer von Trump wichtige Investoren bei Rivada Networks, die durch dieses Geschäft erheblich profitieren würden.

Alle deutsche Rivada-Geschäftsführer traten laut Informationen von Golem.de im Frühjahr 2023 zurück. Geschäftsführer sind nur noch der Ire Declan Ganley und der US-Bürger Diego von Stauffenberg.

Trotz aller Schwierigkeiten behauptet Rivada Space weiterhin, seine 600 Satelliten noch starten zu können. Große Hoffnung liegt dabei – nicht zuletzt aufgrund Rivadas Verbindungen zu US-Politik und -Militär – auf finanzieller Unterstützung aus den USA, insbesondere von der staatlichen Export-Import Bank (ExIm) sowie in Form von Verträgen von Regierungsstellen.

Trumps Ankündigung, das Rivada-Aufsichtsratsmitglied Mike Pompeo nicht in seine neue Regierung zu berufen, dürfte die Aussichten jedoch eher trüben. Auch deshalb, weil Rivada Space mit Starlink konkurrieren würde, und damit mit einem Unternehmen von Trumps lautstarkem Wahlkampfhelfer Elon Musk.


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