Ring-Kameras: Viele Überwachungsvideos, wenig Festnahmen

Smarte Türklingeln und Überwachungskameras sollen für mehr Sicherheit sorgen. Die Amazon-Tochter Ring kooperiert hierzu mit Hunderten Polizeistationen. Laut einer Recherche des US-Senders NBC führen die Aufnahmen jedoch kaum zu Festnahmen, dafür steigern sie die Angst vor Kriminalität.

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Ein überwachtes Haus
Ein überwachtes Haus (Bild: Ring)

"Wir wertschätzen den Beitrag, den die Kameras bei der Aufklärung von Verbrechen leisten", erklärt der Polizeichef der US-Gemeinde Winter Park, Michael Deal, in einem Werbevideo von Ring. Seit April 2018 arbeitet die Polizei der Gemeinde mit der Amazon-Tochter zusammen, bis dato wurde jedoch keine einzige Person durch Aufnahmen von Ring-Kameras in Winter Park verhaftet. Kein Einzelfall, wie eine Recherche des US-Senders NBC zeigt.

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Ring bewirbt seine Produkte explizit mit der Aufklärung von Verbrechen. Die Amazon-Tochter arbeitet zudem mit über 800 Strafverfolgungsbehörden in den USA als Partner zusammen. Für die NBC-Recherche wurden 40 der Partner-Polizeireviere befragt. Rund ein Drittel der Reviere gab an, noch nie eine Festnahme auf Basis von Ring-Videos durchgeführt zu haben, ein weiteres Drittel gab an, dass Festnahmen durch die Aufnahmen verifiziert werden konnten.

Die restlichen Städte konnten keine Angaben zu den Verhaftungen auf Basis der Ring-Aufnahmen machen, da diese nicht erfasst wurden. Obwohl die Strafverfolgungsbehörden bereits seit über einem Jahr mit Ring zusammengearbeitet hatten, konnten sie keine Aussagen zu der Wirksamkeit der Kooperation machen. "Es gibt einen Mangel an Beweisen, dass irgendeine Stadt sicherer gemacht wurde", erklärt Liz O'Sullivan vom Technology Oversight Project. Die Organisation setzt sich gegen übermäßige Überwachung ein.

Überall Kriminalität?

In den USA vertreibt Ring neben smarten Türklingeln und Überwachungskameras auch eine App, über die Kameraeigentümer ihre Aufnahmen mit der Nachbarschaft oder der Polizei teilen können. Die App mit dem schlichten Namen Neighbors ist eine Art soziales Netzwerk für den Austausch über Kriminalität auf Basis von Überwachungsaufnahmen der Ring-Kamera-Besitzer. Auf einer Landkarte zeigt die App die Ereignisse beziehungsweise Aufnahmen der letzten Stunden im Bezirk des Überwachungskamerabesitzers. Diese sind beispielsweise als "verdächtig" oder "verbrechen" gekennzeichnet. Unter den Videos können Kommentare gepostet werden. Die App führe jedoch vor allem zu einer überproportionalen Wahrnehmung von Kriminalität, kritisieren Datenschützer. Die Bewohner fühlten sich konstant von Kriminellen bedroht.

Auch die Polizei-Partner können die App in einer Version für die Strafverfolgungsbehörden verwenden, mit denen sich auch nicht geteilte Aufnahmen bei den jeweiligen Kameraeigentümern anfragen lassen. Die Flut an Videos führe jedoch selten zu einer Identifikation oder gar zu einer Festnahme, erklärt Scott J. Zienkiewicz von der Polizei Greenfield, die seit rund zwei Jahren mit Ring zusammenarbeitet. "Du hast ein Video von einer unbekannten Person in einer Stadt mit zweieinhalb Millionen Einwohnern", sagt Zienkiewicz. "Wir haben mehr Beweise zu sichten, als wir Ermittler haben."

Zu den Beweisen gehören jedoch auch Videos von Waschbären, die ihr Unwesen in der Nachbarschaft treiben. Die App vereinfacht das Teilen der Aufnahmen mit der Polizei derart, dass diese von einzelnen Personen regelrecht überflutet würden, erklärt ein Kommissar aus Winter Park. Dazu gehörten auch Videos, bei denen es keinerlei Anzeichen für ein Verbrechen geben würde.

Wi-Fi-Kameras lassen sich einfach ausknipsen

Doch auch die Sicherheit der WLAN-Kameras an sich ist umstritten: Mit wenigen Kommandozeilenbefehlen oder einem sogenannten Wi-Fi-Deauther lassen sich die Überwachungkameras ausknipsen. In einem Test von Golem.de konnten wir auf diese Weise unbemerkt eine eigentlich videoüberwachte Winkekatze stehlen.

Vor rund einem Jahr wurde Ring vorgeworfen, der Geschäftsführung und Entwicklern Zugriff auf die Livestreams der Videoüberwachungskameras und smarten Türklingeln ihrer Kunden zu ermöglichen. Nur eine E-Mail-Adresse eines Kunden sei hierzu nötig gewesen. Ring widersprach den Vorwürfen: Man habe Mitarbeitern keinen Zugriff auf die Livestreams gegeben.

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