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Richtfunk statt FTTH: Entlassungen und Baustopp bei Google Fiber

Die Euphorie bei Google Fiber ist vorbei. Der Alphabet-Konzernführung wird der Tiefbau offenbar zu teuer, der weitere Ausbau ist gestoppt, die Zukunft mit Richtfunk ist ungewiss.
/ Achim Sawall
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Der weitere Glasfaserausbau von Google Fiber ist zu Ende. (Bild: Woodleywonderworks/Flickr.com)
Der weitere Glasfaserausbau von Google Fiber ist zu Ende. Bild: Woodleywonderworks/Flickr.com / CC-BY 2.0

Google Fiber wird den Ausbau in zehn Städten stoppen oder aussetzen und Beschäftigte entlassen. Das gab Craig Barratt, Senior Vice President bei Alphabet und Chef des Bereichs Access, im Blog des Unternehmens bekannt(öffnet im neuen Fenster) . Barratt kündigte auch an, das Unternehmen zu verlassen. Seine Position soll bisher nicht neu besetzt werden.

Angaben zum Umfang des Stellenabbaus machte Barratt nicht. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus informierten Kreisen berichtet(öffnet im neuen Fenster) , werden neun Prozent der Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Google Fiber hat rund 1.500 Beschäftigte, damit werden über 130 entlassen.

Google Fiber hatte in den vergangenen zwei Jahren angekündigt, über 20 Städte mit Fiber To The Home zu versorgen. Das Management habe sogar geplant, landesweit sein Netz auszubauen, um die traditionelle TV-Kabel- und Telekommunikationsbranche anzugreifen, hat Bloomberg erfahren.

Keine Zusagen für weiteren Ausbau

Barratt: "In den Städten, wo wir schon gestartet sind oder uns im Ausbau befinden, machen wir weiter. Für die meisten unserer 'potenziellen Fiber-Städte' setzen wir den Ausbau und unsere Büro aus, während wir unser Herangehen weiterentwickeln." Das Unternehmen sagte ausdrücklich nicht zu, den Ausbau fortzusetzen, sondern Barratt sei lediglich "zuversichtlich, die Partnerschaft fortzusetzen, wenn die Technologie und Lösungen weiterentwickelt" seien. Google Fiber nahm bereits Chicago und San Diego von der Liste potenzieller Ausbaustädte(öffnet im neuen Fenster) .

Richtfunk kann FTTH nicht ersetzen

Google Fiber hatte unlängst den Netzbetreiber Webpass übernommen. Webpass arbeitet mit einem Mesh-Netz, dessen Dachantennen Sichtkontakt zueinander benötigen. Das Unternehmen nutzt das 2,4-GHz- und 5-GHz-Band, aber auch Frequenzen bei 6, 11, 18, 23, 24, 60, 70 und 80 GHz. Hier wird maximal 1 GBit/s angeboten, FTTH ist sehr viel leistungsfähiger.

Google Fiber setzt bereits auf Fixed Wireless , um entlegene Haushalte zu erreichen. In Kansas City wird dazu das 3,5-GHz-Band genutzt. Der Betreiber plant im November 2016 Tests dazu und will das drahtlose Netzwerk bis Ende 2017 errichtet haben. Alphabet sind offensichtlich die Kosten für den Tiefbau zu hoch geworden. Finanzchefin Ruth Porat nannte Google Fiber den teuersten Bereich außerhalb des Kerngeschäfts. Sie verteidigte aber die Investitionen. In acht städtischen Regionen bietet Google Fiber bereits sein FTTH an.

Das Unternehmen hat nie Angaben zur Anzahl seiner Kunden gemacht. Laut einem Bericht des Onlinemagazins Recode habe Google Fiber in den ersten drei Ausbaugebieten das interne Ziel erreicht und zahlende Kunden für seine Internetzugänge in rund 30 Prozent der erschlossenen Haushalte. Im vergangenen Jahr erzielte Google Fiber den inoffiziellen Angaben zufolge einen Umsatz von 100 Millionen US-Dollar und investierte sehr hohe Summen.


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