Richard Stallman: FSF sucht nach neuem Verhältnis zur GNU-Führung

Nach seinem Rücktritt von der FSF will Richard Stallman weiter das GNU-Projekt leiten. Die FSF sucht nach dem richtigen Umgang damit und einige GNU-Maintainer fordern derweil die Ablösung Stallmans.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Aufforderung zum Rücktritt Stallmans kommt nun auch aus dem GNU-Projekt.
Die Aufforderung zum Rücktritt Stallmans kommt nun auch aus dem GNU-Projekt. (Bild: Jon Mountjoy/Flickr.com/CC-BY 2.0)

Der Informatiker und Begründer der Free-Software-Bewegung, Richard Stallman, ist zwar vor rund drei Wochen von seinen Positionen am MIT und vor allem der FSF zurückgetreten, will aber weiter das GNU-Projekt leiten. Die eng mit dem GNU-Projekt verwobene FSF sucht nun nach einem neuen Verhältnis zur GNU-Führung, während einige Maintainer von GNU-Paketen inzwischen klar auch den Rücktritt Stallmans als Projektleiter fordern.

Der Rücktritt Stallmans folgte auf verstörende Äußerungen über den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und seine Opfer. Zu dem Verhältnis zu GNU und dem von Stallman explizit vorgetragenen Führungsanspruch für das Projekt hat sich die FSF bisher nicht öffentlich geäußert. Beide Organisationen wurden von Stallman gegründet und sind parallel zueinander entstanden. Die FSF übernimmt dabei die juristische Vertretung und Sponsorenschaft des GNU-Projekts.

Das bisherige Verhältnis der beiden Organisationen beschreibt die FSF in ihrer aktuellen Ankündigung als eine Art "fließenden Übergang". Darüber hinaus lägen die Entscheidungsprozesse innerhalb des GNU-Projekts aber in den Händen der GNU-Führung, also bei Stallman selbst. Die FSF arbeitet "jetzt mit der GNU-Führung an einem gemeinsamen Verständnis der künftigen Beziehung zueinander".

Die Community der FSF und auch des GNU-Projekts ist aufgefordert, aktiv an einer entsprechenden Diskussion teilzuhaben. Die Maintainer einiger GNU-Teilprojekte fordern derweil offen den Rücktritt Stallmans von seiner Leitung des GNU-Projekts.

GNU-Maintainer fordern Rücktritt Stallmans

In dem Aufruf der Maintainer heißt es: "Wir müssen jedoch auch anerkennen, dass Stallmans Verhalten im Laufe der Jahre einen Kernwert des GNU-Projekts untergraben hat: die Ermächtigung aller Computerbenutzer. GNU erfüllt seine Mission nicht, wenn das Verhalten seines Führers einen großen Teil derjenigen entfremdet, die wir erreichen wollen". Ebenso könne Stallman nicht das gesamte GNU-Projekt repräsentieren.

Zu den Unterzeichnern gehören die Entwickler von GNU Guix, auf deren Blog die Aufforderung ebenso erschienen ist. Hinzu kommen Entwickler der Glibc, die Stallman früher in einer Entscheidung übergangen hatte, Entwickler der GNU Binutils und GCC, der GPG-Maintainer Werner Koch sowie einige weitere.

Der Geschäftsführer der Gnome Foundation, Neil McGovern, forderte zuvor nicht nur den Rücktritt Stallmans von der FSF, sondern eben auch vom GNU-Projekt. Sollte dies nicht geschehen, müsse die historische Verbindung der Projekte gekappt werden. Auch die eng mit den Idealen der Free-Software-Bewegung verbundene Organisation Software Freedom Conservancy hat Stallman dazu aufgefordert, von "allen Führungspositionen in unserer Bewegung" zurückzutreten. Das betrifft offensichtlich auch das GNU-Projekt.

Wie die GNU-Führung künftig gestaltet wird, muss nun die Diskussion innerhalb des Projekts zeigen. Das ehemalige FSF-Vorstandsmitglied Matthew Garrett fordert die gesamte Free-Software-Bewegung dazu auf, eine Zukunft ohne Stallman zu gestalten. Die Bewegung solle künftig ihrem politischen Anspruch nach vielmehr dezentralisiert wirken, forderte Garrett.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


schily 08. Okt 2019

Ich denke das hat nichts mit seinen kürzlichen Äußerungen zu tun, sondern weil er Leute...

captain_spaulding 08. Okt 2019

Ist Sex von Erwachsenen mit Minderjährigen unmoralisch? In Deutschland ist das zumindest...

Vanger 08. Okt 2019

Nein, war es nicht, jedenfalls nicht in der Neuzeit. Im 18. und 19. Jahrhundert schwankte...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Whistleblower
Ehemaliger US-Konteradmiral äußert sich zu Außerirdischen

Wieder hat sich in den USA ein ehemals hochrangiger Militär und Beamter über Kontakte mit Aliens geäußert.

Whistleblower: Ehemaliger US-Konteradmiral äußert sich zu Außerirdischen
Artikel
  1. Schadstoffnorm 7: Neue Grenzwerte für Abrieb gelten auch für E-Autos
    Schadstoffnorm 7
    Neue Grenzwerte für Abrieb gelten auch für E-Autos

    Die neue Euronorm 7 legt nicht nur Grenzwerte für Bremsen- und Reifenabrieb fest, sondern auch Mindestanforderungen für Akkus.

  2. Ramjet: General Electric testet Hyperschalltriebwerk
    Ramjet
    General Electric testet Hyperschalltriebwerk

    Das Triebwerk soll Flüge mit Mach 5 ermöglichen.

  3. Elektroautos: Mercedes und Stellantis übernehmen komplette Umweltprämie
    Elektroautos
    Mercedes und Stellantis übernehmen komplette Umweltprämie

    Nach dem abrupten Aus der staatlichen Förderung springen erste Hersteller von Elektroautos ein.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Last-Minute-Angebote bei Amazon • Avatar & The Crew Motorfest bis -50% • Xbox Series X 399€ • Cherry MX Board 3.0 S 49,95€ • Crucial MX500 2 TB 110,90€ • AVM FRITZ!Box 7590 AX + FRITZ!DECT 500 219€ [Werbung]
    •  /