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Rheinmetall und Co.: Datenhändler gefährden Rüstungsunternehmen in der Ukraine

Händler bieten im Internet Bewegungsdaten von Millionen Smartphones an – eine Gefahr für Soldaten und Fabriken in der Ukraine.
/ Tobias Költzsch
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Smartphones sind auch für ukrainische Frontsoldaten wichtig. (Bild: SERGEY SHESTAK/AFP via Getty Images)
Smartphones sind auch für ukrainische Frontsoldaten wichtig. Bild: SERGEY SHESTAK/AFP via Getty Images

Über Bewegungsdaten von Smartphones könnten sich Frontstellungen und Fabriken deutscher Rüstungsunternehmen in der Ukraine enttarnen lassen. Wie der Bayerische Rundfunk (BR) und Netzpolitik.org herausgefunden haben(öffnet im neuen Fenster) , könnten sich entsprechende Informationen aus Standortdaten herausfinden lassen, die im Internet gekauft werden können.

Die Standorte von Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall, KNDS oder Quantum Systems in der Ukraine sind nicht bekannt, damit sie nicht zum Ziel russischer Angriffe werden. Die Journalisten haben Bewegungsprofile aus dem Internet ausgewertet, die an öffentlich bekannten Standorten von KNDS und Rheinmetall in Deutschland ein- und ausgehen.

Bereits aus kostenlos angebotenen Probedatensätzen von Datenbrokern würden sich Arbeitswege und Geschäftsreisen nachvollziehen lassen, so der BR und Netzpolitik.org. Den Rüstungsunternehmen soll diese Gefahr bewusst sein.

Smartphones auch für ukrainische Soldaten wichtig

Ob es bereits Angriffe gab, die durch Bewegungsdaten ausgelöst wurden, ließen die von den Journalisten angefragten Unternehmen offen. "Bisher stehen die Hallen. Wir halten unsere Kommunikationsströme so klein wie möglich" , erklärte ein Mitarbeiter in der Rheinmetall-Unternehmenszeitung.

Auch ukrainische Soldaten verwenden Mobiltelefone an der Front, um zu kommunizieren – oft über Starlink. Aus dem Standortmaterial, das der BR und Netzpolitik.org erhalten haben, finden sich auch Bewegungsprofile von der ukrainischen Front. Der ehemalige Soldat Dmytro Dokunov habe Stellungen auf einer Karte mit Standortdaten nahe Soledar wiedererkannt, so der BR.

Der Militärexperte Franz-Stefan Gady vom International Institute for Strategic Studies glaubt, dass sowohl die russische als auch die ukrainische Seite derartige Standortdaten von Mobiltelefonen bereits im Krieg nutzen. Ein Smartphone sei allerdings moralisch für viele Soldaten unverzichtbar, um Kontakt mit der Familie aufrechtzuerhalten.

Mehrstufiges Sicherheitssystem für Smartphones

Das bestätigt auf Anfrage des BR auch das ukrainische Verteidigungsministerium. Um Angriffe aufgrund von Standortdaten zu verhindern, setze man auf ein mehrstufiges Sicherheitssystem, das unter anderem bestimmte Einstellungen vorschreibt und nur beschränkten Zugang zu Apps erlaubt.


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