• IT-Karriere:
  • Services:

Rezension zu "Cyberwar": Wie moderne Gesellschaften in den Cyberkrieg abdriften

In ihrem neu erschienenen Buch "Cyberwar" erklären die IT-Sicherheitsexperten Constanze Kurz und Frank Rieger, wie groß die Gefahr eines Cyberkrieges ist.

Eine Rezension von Hakan Tanriverdi/Süddeutsche.de veröffentlicht am
Soldaten, die auf Bildschirme starren
Soldaten, die auf Bildschirme starren (Bild: Nicolaus Asfouri/AFP/Getty Images)

Wer Code für Software schreibt, muss präzise formulieren. Zum einen, damit der Computer versteht, was zu tun ist und die programmierten Befehle ausführt, sonst funktioniert die App nicht. Zum anderen verhindert präzise geschriebener Code, dass Hacker Ungenauigkeiten ausnutzen können, um Befehle anders zu interpretieren, als sie gedacht sind. Stark vereinfacht: Wer einem Computer befiehlt, von eins bis fünf zu zählen, darf sich nicht wundern, wenn der Computer auch nach fünf noch weiter zählt - es hat ihm ja niemand verboten.

Inhalt:
  1. Rezension zu "Cyberwar": Wie moderne Gesellschaften in den Cyberkrieg abdriften
  2. Komplexe Sachverhalte clever erklärt

Es ist diese Präzision, die dem Titel des Buches "Cyberwar" von Constanze Kurz und Frank Rieger fehlt - und an manchen Stellen auch dem Inhalt. Beide sind als "Sprecher" führende Figuren des Chaos Computer Clubs, des wohl einflussreichsten Vereins in Deutschland, wenn es um Informationstechnik geht. Sie schreiben in der Einleitung: "Uns hat es zunächst widerstrebt, dem Buch den Titel 'Cyberwar' zu geben", denn das Wort bringe "zwangsläufig den Krieg in unsere zivilen Netze." Von einem Krieg zu sprechen, ist zweifellos richtig: Große Hackerangriffe trafen in den vergangenen Jahren zivile Infrastruktur. Vor allem Hackergruppen, die im Auftrag von Staaten arbeiten, testen Experten zufolge derzeit, wie man zum Beispiel Stromnetze lahmlegen kann.

Kurz und Rieger: Beide sind IT-Sicherheitsexperten, beide jahrelange Kolumnisten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Eigentlich können wenige "die Gefahr aus dem Netz" - so der Untertitel - so exzellent beschreiben und erklären wie die beiden Autoren.

Weniger Cyber hätte dem Buch gutgetan

Umso irritierender, dass sich das Präfix "Cyber" durch das Buch zieht. Die Autoren schreiben von Cyberspionage, Cyberangriffen, Cyberwaffen, Cyberraum, Cyberoperationen, Cyberalarm, Cyber-Notstand, Cyberfragen, der "Nation of Islam Cyber Jihad", Cyberzentrum, Cyber-Koordinationskomitee, Cyber-Offensivkräften, Cyber Network Operations und Cyberkriegern. Das alles, noch bevor der Leser auf Seite 30 angekommen ist.

Stellenmarkt
  1. netcom GmbH, Rheinbreitbach bei Bonn
  2. MED-EL Medical Electronics, Innsbruck (Österreich)

Genau wegen dieses inflationären Gebrauchs, der auch in Politik und Medien zu beobachten ist, ist "Cyber" ein Running Gag in der Hackerszene, das Wort wird hier nur ironisch verwendet. Das Buch aber soll eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema sein. Weniger "Cyber-" hätte dem Buch gutgetan.

Die Autoren nehmen Begriffe nicht ernst genug, um sie sauber zu analysieren. Zum Beispiel erwähnen sie den Stuxnet-Angriff, mit dem die USA und Israel das iranische Atomprogramm sabotiert haben. Im Buch heißt es dazu: "Stuxnet war de facto ein Blick in den Waffenschrank, das neuzeitliche Äquivalent zu einem Atomwaffentest."

Nun lässt sich trefflich streiten, ob es sich bei Stuxnet tatsächlich um eine Cyberwaffe handelt. Der Code von Stuxnet manipulierte Zentrifugen, die in der Atomanlage standen und zerstörte sie. Aber selbst angenommen, der Begriff "Waffe" passe und nicht klassisch jener der Sabotage: Der Vergleich hinkt. Denn erstens war Stuxnet kein Test, sondern ein tatsächlich durchgeführter Angriff mit realen Konsequenzen, die die Autoren auf den nächsten Seiten auch beschreiben. Und zweitens bringt eine Atomwaffe unterschiedlos alle Menschem um, die sich in einem bestimmten Radius befinden, die Erde wird verstrahlt. Stuxnet hingegen manipulierte und zerstörte Zentrifugen. Und man kann es nur einmal einsetzen, weil der Code explizit auf die Eigenheiten dieser einen Anlage in Natanz abgestimmt war. In einer anderen Anlage hätte der Code von Stuxnet nicht funktioniert.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Komplexe Sachverhalte clever erklärt 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote

minnime 11. Okt 2018

Lücken der Kategorie 1 sind wirklich die Creme de la Creme, um sowas zu machen muss man...

Kleba 11. Okt 2018

Ich kann auch beide Bücher einigermaßen empfehlen. "Ausgebrannt" deutlich mehr, da...

Abdiel 10. Okt 2018

Ah, so ergibt es natürlich einen Sinn. Wurde also nur ein unpassendes Beispiel im Text...

Lasse Bierstrom 10. Okt 2018

Guter Witz!

Zazu42 09. Okt 2018

Stuxnet war doch 2010 schon ein direkter Angriff auf eine iranische Uran-Aufbereitungsanlage.


Folgen Sie uns
       


Sprachsteuerung mit Apple Music im Vergleich

Eigentlich sollen smarte Lautsprecher den Musikkonsum auf Zuruf besonders bequem machen - aber das gelingt oftmals nicht. Überraschenderweise spielen Siri, Google Assistant und Alexa bei gleichen Sprachbefehlen andere Sachen, obwohl alle auf Apple Music zugreifen.

Sprachsteuerung mit Apple Music im Vergleich Video aufrufen
Gamestop-Blase: Am Ende haben wieder die Großinvestoren gewonnen
Gamestop-Blase
Am Ende haben wieder die Großinvestoren gewonnen

Der Börsenrausch um die Gamestop-Aktie hat weder Kapital umverteilt noch wurde der Finanzmarkt dadurch demokratisiert. Vielmehr gewannen wie bei jeder Blase die großen Investoren.
Eine Analyse von Gerd Mischler

  1. Trade Republic EU will Trading-Apps wegen Gamestop-Aktie untersuchen
  2. Wallstreetbets Gamestop-Aktie steigt massiv - Handel zeitweise gestoppt
  3. Wallstreetbets Finanzchef von Gamestop tritt zurück

Summit Lite im Test: Auch Montblancs günstige Smartwatch ist zu teuer
Summit Lite im Test
Auch Montblancs "günstige" Smartwatch ist zu teuer

Montblancs Summit Lite ist eine Smartwatch für Fitnessbegeisterte, die nach echter Uhr aussieht. Den Preis halten wir trotz hervorragender Verarbeitung für zu hoch.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Soziales Netzwerk Bei Facebook entsteht eine Smartwatch im Geheimen
  2. Wearable Amazfit bringt kompakte Smartwatch für 100 Euro
  3. T-Touch Connect Solar Tissots Smartwatch ab 935 Euro in Deutschland verfügbar

Chaos Computer Club: Was eine Smoking Gun von Huawei anrichten könnte
Chaos Computer Club
Was eine Smoking Gun von Huawei anrichten könnte

Der Chaos Computer Club hat einmal durchgespielt, welche Möglichkeiten ein böswilliger Ausrüster im 5G-Netz wirklich hätte. Dies wird vom IT-Sicherheitsgesetz aber ignoriert.
Ein Bericht von Achim Sawall

  1. Kritische Infrastruktur Massive Probleme im europäischen Stromnetz
  2. rC3 Neue Tickets für den CCC
  3. rC3 Tickets für den CCC sind aus

    •  /