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Komplexe Sachverhalte clever erklärt

Eindrucksvoll schildern die Autoren dagegen das grundlegende Dilemma digitaler Gesellschaften: Einerseits wird jedes Gerät vernetzt - Waschmaschinen, Kühlschränke, Überwachungskameras. Andererseits haben die Konstrukteure des Großteils dieser Geräte keinen Gedanken an die Sicherheit ihrer Schöpfungen gegen digitale Angriffe verschwendet. Jahrzehntelang haben Forscher versucht, Chips, Laptops, Server, Rechner und den Datenverkehr im Netz abzusichern. Und nun kommt eine neue Gerätegeneration, bei der die Fachleute für die Defensive den Eindruck bekommen, erneut bei null anzufangen. Die alten Fehler werden wiederholt. Die Welt wird hackbarer, die Gefahren für die Gesellschaft deshalb größer. "Cyberwar" zeigt die Zusammenhänge.

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Anschaulich erklären Kurz und Rieger den Druck, der auf Herstellern lastet. "Man will als Erster am Markt sein, ein neues Produkt vor allen anderen anbieten können. Alles, was dabei im Wege steht, ist ein potentieller Umsatzkiller, ein Hindernis auf dem Weg zum Erfolg." Für Sicherheit bleibt keine Zeit. Oft werden Systeme erst dann geschützt, wenn es zu spät ist.

Es gelingt den Autoren über die Länge des Buches immer wieder, komplexe Sachverhalte in drei bis vier Absätzen auf ihren Kern zu reduzieren. Sie beschreiben eloquent, wie sich ein Schattenmarkt gebildet hat, auf dem Hacker für viel Geld Schwachstellen verkaufen, mit denen Regierungen die eigene Bevölkerung ausspionieren können. Auch Staaten wie Deutschland kaufen bei solchen Anbietern ein, kritisieren die Autoren.

Rieger und Kurz lehnen digitale Spionage und Kriegsführung ab. Sie denken deshalb nicht daran, die Sorgen von Strafverfolgungsbehörden in voller Länge auszuführen. Ermittler warnen, dass ihnen zunehmend Wege und Mittel fehlen, auf die Inhalte digitaler Kommunikation zuzugreifen, zum Beispiel auf Chats. Denn die werden verstärkt durch verschlüsselte Systeme vor dem Zugriff Dritter abgeschirmt.

Die Sorgen der Ermittler erweisen sich oft als übertrieben, das stellen Kurz und Rieger überzeugend dar. Dabei sparen sie aus, dass es in manchen Fällen durchaus wichtig sein kann, nicht nur zu wissen, wer wann mit wem redet, sondern auch, worüber. Stattdessen nennen sie das entsprechende Kapitel "Der Cyberwar im Inneren". Die Sprache legt nahe, dass Ermittler sich im Krieg mit der eigenen Bevölkerung befinden.

"Cyber"-Warnungen durchaus hinterfragen

Es lohnt sich dennoch für jeden, dieses Buch zu lesen. Der Leser begreift schnell, wie hoch der Preis dafür ist, dass kommerzielle wie staatliche Interessen und die Bequemlichkeit der Bürger eine sich immer rascher digitalisierende Welt erzwingen.

Die Schlussfolgerungen, die die Autoren aus ihrer Analyse ziehen, sind interessant, die Leser sollten sie aber durchaus hinterfragen. An einer Stelle schreiben Kurz und Rieger zum Beispiel, dass alle staatlichen Behörden verpflichtet sein sollten, "ihnen bekannt gewordene Sicherheitslücken unverzüglich an denjenigen zu melden, der sie am schnellsten schließen kann." Doch die Realität ist noch komplexer.

Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass der Geheimdienst NSA eine Sicherheitslücke an Microsoft gemeldet hatte. Die NSA soll die Schwachstelle zwar fünf Jahre lang ausgenutzt haben. Aber erst nachdem Microsoft die Sicherheitslücke binnen weniger Monate geschlossen und ein Update bereitgestellt hatte, kam es zu einem weltweiten Angriff mit Erpressersoftware, der Hunderttausende Rechner lahmlegte. Der Angriff hatte massive Auswirkungen: So sagten Krankenhäuser Tausende Termine ab, weil Mitarbeiter mit Stift und Papier arbeiten mussten.

Das Problem lag aber nicht darin, dass die Lücke verspätet gemeldet und geschlossen wurde, sondern dass viele Betreiber sich zu viel Zeit ließen, um das Update von Microsoft einzuspielen. Wer das Buch liest, erfährt solche Details leider nicht.

 Rezension zu "Cyberwar": Wie moderne Gesellschaften in den Cyberkrieg abdriften
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minnime 11. Okt 2018

Lücken der Kategorie 1 sind wirklich die Creme de la Creme, um sowas zu machen muss man...

Kleba 11. Okt 2018

Ich kann auch beide Bücher einigermaßen empfehlen. "Ausgebrannt" deutlich mehr, da...

Abdiel 10. Okt 2018

Ah, so ergibt es natürlich einen Sinn. Wurde also nur ein unpassendes Beispiel im Text...

Lasse Bierstrom 10. Okt 2018

Guter Witz!

Zazu42 09. Okt 2018

Stuxnet war doch 2010 schon ein direkter Angriff auf eine iranische Uran-Aufbereitungsanlage.


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