Rezension Thing Explainer: Genialer Aberwitz, der immer wieder süchtig macht

Viele Bilder, einfache Texte und sogar Aufklappseiten und ein Poster: Thing Explainer von XKCD-Erfinder Randall Munroe ist aufgebaut wie ein Sachbuch für Kinder. Erklärt wird aber wenig, weshalb wir, wie Kinder eben, immer weiter nachfragen müssen und damit nur schwer wieder aufhören können - oder wollen.

Artikel von veröffentlicht am
Solange die Miete für das Serverrack gezahlt wird, ist egal, was für ein Rechner drinsteckt.
Solange die Miete für das Serverrack gezahlt wird, ist egal, was für ein Rechner drinsteckt. (Bild: Randall Munro/Thing Explainer)

"Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht richtig verstanden", schreibt Microsoft-Gründer Bill Gates in seinem Blog über das Buch "Thing Explainer, Der Dinge-Erklärer - Komplizierte Sachen in einfachen Worten" von Autor Randall Munroe. Der XKCD-Zeichner will damit explizit erklären, was Dinge machen, nicht wie sie genannt werden. Dafür beschränkt sich Munroe zwar oberflächlich betrachtet völlig unnötig auf die tausend häufigsten Wörter. Der riesige Spaß, den der Autor damit hat, zieht sich aber durch das gesamte Buch und ist ansteckend.

  • Der Dinge-Erklärer von Randall Munroe ist bei Knaus erschienen. (Bild: Knaus)
Der Dinge-Erklärer von Randall Munroe ist bei Knaus erschienen. (Bild: Knaus)
Inhalt:
  1. Rezension Thing Explainer: Genialer Aberwitz, der immer wieder süchtig macht
  2. Erwachsenenhumor im Kinderbuchformat

Als kleine Einstimmung dienen die Vorder- und Rückseite des Buches. Der Titel ist zum Beispiel mit den "hilfreichen" Erklärungen "Meine Name" und "Hier steht, was für ein Buch das ist" samt Pfeilen versehen, wobei der Einband auch Ausschnitte aus dem Buch selbst zeigt. Auf der Rückseite ist etwa ein "Stern mit Leuten aus einer Geschichte, die nach einem großen Sandhaufen heißt" abgebildet. Nur wer hier nicht sofort an Dune von Frank Herbert denkt, sollte besser die Finger von dem Buch lassen.

Darin betrachtet der studierte Physiker und ehemalige Nasa-Robotiker Munroe neben der Mondrakete ("Aufsteiger Fünf des US-Raumfahrtteams") allerlei weitere Weltraumtechnik wie etwa die "Wohngemeinschaft im Weltraum" (ISS) oder das "Raumfahrzeug der roten Welt" (Curiosity). Zu den einfach erklärten komplizierten Sachen gehören aber auch Alltagsgegenstände wie die "Box, die Nahrungshalter saubermacht" (Geschirrspüler), verschiedene Arten von "Booten" (Flugzeug, Hubschrauber, U-Boot, Spaceshuttle) oder die uns täglich umgebende Technik wie ein "Faltcomputer", "Handcomputer" oder "Bildermacher".

Stundenlange Internetrecherchen und schwelgen in Kindheitserinnerungen

Schon über die Überschriften muss sich der Leser mitunter den Kopf zerbrechen. Vertieft man sich dann in die aberwitzigen Zeichnungen mit ihren überbordenden Details und teils haarsträubend simplifizierten Erklärungen, fällt es wirklich schwer, das Buch wegzulegen. Und weil die kurzen Texte oft weniger erklären, als der Buchtitel verspricht, spornen sie uns noch mehr als das Buch "What if" aus dem vergangenen Jahr dazu an, uns über das Buch hinaus mit den einzelnen Darstellungen zu befassen. Das führt bei uns noch zu ausufernden Internetrecherchen. Und wir kramen altes und vergessen geglaubtes Wissen aus der Schule oder Uni hervor.

Stellenmarkt
  1. Mitarbeiter IT-Support im Geschäftsleitungsumfeld (m/w/d)
    Deutsche Vermögensberatung AG, Marburg
  2. IT-Admistratorin/IT-Admistra- tor File Services und Speichersysteme (m/w/d)
    Robert Koch-Institut, Wildau
Detailsuche

Das beginnt schon mit dem ersten komplexen Ding, der ISS. Dort heißt es zu dem Greifarm: "Dieser Arm wurde in einem Land mit viel Schnee hergestellt. Die Leute dort haben ihn auf ihr Geld gemalt". Wahrscheinlich wissen nur Raumfahrtfans sofort, welcher Staat damit gemeint ist, alle anderen müssen zum Rechner greifen.

Einen geradezu absurden Höhepunkt bildet das Periodensystem, die "Teile, aus denen alles gemacht ist". Mit dessen Beschäftigung allein lässt sich schon ein ganzer Tag füllen. Denn zusätzlich zu Namen wie "rotes Wasser", "Luft, die man für Fotoblitze nimmt", oder "Gold" werden viele Elemente einfach durch eine Kombination aus Bild und Text beschrieben wie "Metall, das nach dieser Gegend heißt" mit dem Umriss von Deutschland oder "Teil von dem hier" neben einem Salzstreuer.

So forciert "Thing Explainer" - wohl sehr bewusst - zahlreiche schöne Erinnerungen an die Nerdkindheit. Wie wir stundenlang im Museum waren, bis der Wachmann uns hinauswarf. Oder unsere Eltern es nicht schafften, uns zu stoppen, wenn wir immer wieder weiterfragten: "Und warum?"

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Erwachsenenhumor im Kinderbuchformat 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Kleba 08. Dez 2015

Deswegen hab ich das Buch auch von vornherein auf englisch gelesen :-) Musste wenn ich...

der_wahre_hannes 07. Dez 2015

Nein, das muss er nur bei Haudraufhumor. Es gibt aber auch hintergründigeren Humor, da...

Dingens 07. Dez 2015

hmm... na wat denn nu.

r3verend 07. Dez 2015

es wird ihm zumindest zugeschrieben :) aus den bestätigten Zitaten kann man aber mehrere...

Dragon Of Blood 05. Dez 2015

Mit weiter führenden links z.b. in Kooperation mit Wikipedia. Das wäre wirklich genial.



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Feldversuch E-Mobility-Chaussee
So schnell bringen E-Autos das Stromnetz ans Limit

Das Laden von Elektroautos stellt Netzbetreiber auf dem Land vor besondere Herausforderungen. Ein Pilotprojekt hat verschiedene Lösungen getestet.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

Feldversuch E-Mobility-Chaussee: So schnell bringen E-Autos das Stromnetz ans Limit
Artikel
  1. Geforce Now (RTX 3080) im Test: 1440p120 mit Raytracing aus der Cloud
    Geforce Now (RTX 3080) im Test
    1440p120 mit Raytracing aus der Cloud

    Höhere Auflösung, mehr Bilder pro Sekunde, kürzere Latenzen: Geforce Now mit virtueller Geforce RTX 3080 ist Cloud-Gaming par excellence.
    Ein Test von Marc Sauter

  2. Encrochat-Hack: Damit würde man keinen Geschwindigkeitsverstoß verurteilen
    Encrochat-Hack
    "Damit würde man keinen Geschwindigkeitsverstoß verurteilen"

    Der Anwalt Johannes Eisenberg hat sich die Daten aus dem Encrochat-Hack genauer angesehen und viel Merkwürdiges entdeckt.
    Ein Interview von Moritz Tremmel

  3. SpaceX: Starlink testet Satelliteninternet in Flugzeugen
    SpaceX
    Starlink testet Satelliteninternet in Flugzeugen

    Bald dürften mehrere Flugesellschaften Starlink-Service anbieten. Laut einem Manager soll es so schnell wie möglich gehen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Gaming-Monitore zu Bestpreisen (u. a. Samsung G9 49" 32:9 Curved QLED 240Hz 1.149€) • Spiele günstiger: PC, PS5, Xbox, Switch • Zurück in die Zukunft Trilogie 4K 31,97€ • be quiet 750W-PC-Netzteil 87,90€ • Cambridge Audio Melomonia Touch 89,95€ • Gaming-Stühle zu Bestpreisen [Werbung]
    •  /