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Review Bombing: Starfleet Academy und das alte Problem des Star-Trek-Fandoms

Schlecht gelaunte Trekkies überziehen Starfleet Academy mit negativen Bewertungen. Das Phänomen ist im Franchise nicht neu – es ist nur sichtbarer.
/ Peter Osteried
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Die einzige Crew, die von der Fandom-Negativität verschont blieb: Kirk und Co. (Bild: Paramount)
Die einzige Crew, die von der Fandom-Negativität verschont blieb: Kirk und Co. Bild: Paramount

Star Trek: Starfleet Academy wird seit seinem Start mit auffallend schlechten Online-Bewertungen überzogen, sogenanntem Review Bombing(öffnet im neuen Fenster). Auf Plattformen wie IMDb liegt die Serie deutlich unter dem Durchschnitt: Der Score liegt dort aktuell bei 4,3 von 10 möglichen Punkten(öffnet im neuen Fenster); mehr als 40 Prozent aller, die die Serie bewertet haben, vergaben nur einen Stern – die schlechtest mögliche Bewertung.

Der Blick in die Geschichte des Franchise zeigt: Ein Teil des Fandoms war schon immer negativ eingestellt – und zwar, seit Star Trek nicht mehr nur aus Kirk und Co. bestand. Nahezu jede neue Star-Trek-Serie von The Next Generation bis Enterprise wurde zunächst von Teilen des Fandoms bekämpft, oft aus denselben Gründen: Ablehnung von Veränderung, Diversität und neuen Erzählweisen.

Diese Form der Ablehnung ist also kein neues Phänomen, sie fällt nur durch die Möglichkeit, schlechte Bewertungen bei Portalen wie IMDb oder Rotten Tomatoes zu hinterlassen, stärker auf. Die Serien finden oft erst im Rückblick Anerkennung.

Als die nächste Generation kam

Heute gilt Star Trek: The Next Generation als Höhepunkt des Franchise. Man findet wohl nur noch wenige Stimmen, die sich negativ zu der Serie positionieren. Im Jahr 1986 war das aber anders.

Als Paramount eine neue Star-Trek-Serie ohne die Darsteller der alten Serie und Filme ankündigte, heizten sogar die Stars der ursprünglichen Show die negative Stimmung an. Captain-Kirk-Darsteller William Shatner bezeichnete die Serie im Jahr 1987 in einem Interview mit dem Sci-Fi-Magazin Starlog als Fehler(öffnet im neuen Fenster). Viele Fans schworen, sich die neue Serie nicht anzusehen – und das aus den abstrusesten Gründen.

Die einen störten sich daran, dass Picard, der Captain der Enterprise, glatzköpfig war. Die anderen sahen in Commander Riker einen blassen Abklatsch von Kirk. Wieder andere mokierten sich darüber, dass das Enterprise-Interieur eher nach einem Hotel(öffnet im neuen Fenster) aussah als nach einem Raumschiff, die Untertassensektion wiederum nach einem Pfannkuchen.

Was hat ein Klingone in der Sternenflotte zu suchen?

Dass ein Klingone an Bord der Enterprise seinen Dienst verrichtete, missfiel auch – waren die Klingonen in der originalen Serie doch noch der Feind. Ein Beispiel dafür, dass diese Fans Gene Roddenberrys Vision nie richtig verstanden haben. Denn dass aus Feinden Freunde werden können, ist Teil der Star-Trek-DNS.

Heute haben die meisten Fans dies vergessen – oder niemals mitbekommen. Denn damals war die Negativität weniger präsent.

Es brodelt im Fandom

Normalzuschauer, die sich nicht tiefergehend mit der Serie befassten, bekamen vermutlich so gut wie nie etwas von diesen Anfeindungen mit. Sie fanden im Fandom statt, spielten sich in Fanzines ab, die von Fans für Fans herausgegeben wurden und meist fotokopierte Magazine waren. Auch in auf die Science-Fiction fokussierten Magazinen wie Starlog oder Cinefantastique traten die negativen Auswüchse des Fandoms zutage.

Schon damals zeigte sich: Ein Teil des Fandoms war sehr starr, es wollte nichts Neues, sondern mehr von dem, was es schon kannte. Auch wenn Setting und der Missionsidee bei Star Trek: The Next Generation konsistent blieben, störte man sich an den neuen Figuren. Seit dieser Serie hat die Negativität niemals wieder abgerissen.

Auf die Raumstation

Als Star Trek: Deep Space Nine angekündigt wurde, war Star Trek: The Next Generation ein riesiger Erfolg (und ist mittlerweile fast durchweg beliebt). Aber die neue Serie hatte wieder mit der Fandom-eigenen Negativität zu kämpfen. Als bekanntgegeben wurde, dass diesmal nicht eine Raumschiff-Crew dorthin gehen würde, wo noch niemand je zuvor gewesen war, wurde schon vorab geurteilt.

Das sei nicht mehr Star Trek, sagten die einen, weil der Zug zu den Sternen fehlen würde. Das könnte doch nur langweilig sein, weil auf einer Raumstation doch eh nichts passiere, meinten die anderen.

Dass ein Ferengi auf der Station sein sollte, führte zu Hassbriefen; in der Dokumentation What We Left Behind(öffnet im neuen Fenster) spricht Quark-Darsteller Armin Shimerman auch über die vielen hasserfüllten Briefe, die die Produktion im Vorfeld, aber auch im ersten Jahr der Serie erhielt. Ebenso kritisiert wurde, dass der Commander der Station von einem PoC-Schauspieler gespielt werden sollte: Avery Brooks – obwohl Diversität von Beginn an ebenfalls zur DNS von Star Trek gehörte.

Das entsprach nicht der Star-Trek-Welt

Auch Nana Visitor, die Darstellerin von Major Kira Nerys, erhielt solche Briefe und zitierte aus einem in der DS9-Dokumentation:"Ich wurde für so ziemlich alles kritisiert. Die Leute fanden, dass meine Figur wie eine Zicke rüberkam. Das entsprach nicht der Star-Trek-Welt, sie war nicht dies, sie war nicht das. Aber ich verstand auf einer grundlegenden Ebene die Erfahrung eines Menschen, der aus dem Krieg kommt – und was das mit einem macht."

Auch Star Trek: Deep Space Nine wurde im Lauf der Serie neu bewertet. Sie gilt heute vielen als die beste Serie des Franchise.

Star Trek: Voyager – zu politisch korrekt

Als Star Trek: Voyager kam, hatte Deep Space Nine das Publikum bereits für sich gewonnen. Bei der neuen Serie gab es aber wieder Fans, die nicht mochten, was sie bekamen. Dass eine Frau Captain des neuen Schiffs war, missfiel vielen(öffnet im neuen Fenster) (und manchen missfällt es noch heute).

Darüber hinaus wurde Star Trek: Voyager vorgeworfen, politisch zu korrekt zu sein. Das war in den Neunzigerjahren der Begriff für das, was heute oft als "woke" beschrieben würde. Holodoc-Darsteller Robert Picardo, der auch in Star Trek: Starfleet Academy dabei ist, postete kürzlich bei Instagram und Facebook einen Zeitungsbericht aus jener Zeit, der mit den Vorwürfen der politischen Korrektheit(öffnet im neuen Fenster) arbeitet.

Unnötig zu sagen, dass Star Trek: Voyager heutzutage sehr beliebt ist.

Zum Ende von Star Trek: Voyager wurde Star Trek: Enterprise angekündigt, damals nur unter dem Titel Enterprise. Schon das war ein Aufreger. Wie konnte Paramount es wagen, eine Star-Trek-Serie zu produzieren, diese dann aber nicht mal Star Trek zu nennen? Schämte man sich etwa dafür? Später knickte Paramount tatsächlich ein und änderte den Titel.

Warum denn ein Prequel?

Eine Neuerung der Serie war, dass die Titelsequenz von einem Song unterlegt war(öffnet im neuen Fenster). Auch hier: negative Äußerungen. In Hinblick auf den Song hat sich das auch nie geändert – noch immer verabscheuen ihn viele.

Was einigen Fans aber auch nicht gefiel: die Idee eines Prequels. Wieso musste Star Trek an den Anfang zurück, wieso nicht weitererzählen, was passiert, am besten noch mit ein paar bekannten Figuren? Doch auch, dass die Geschichte auf einer Enterprise stattfand, missfiel. Denn im Kanon war diese Enterprise bis dato unbekannt.

Schon damals – und bei Enterprise lässt sich der Hass schon im Internet finden – wurde den Machern, vor allem Rick Berman und Brannon Braga, vorgeworfen, dass sie keine Ahnung von Star Trek hätten, es nicht liebten und die Drehbücher schlecht seien(öffnet im neuen Fenster). Dasselbe hört man heutzutage über das neue Star Trek unter Führung von Alex Kurtzman. Dabei zeigt gerade eine Folge wie die fünfte Episode der ersten Staffel von Star Trek: Starfleet Academy, dass die Macher Star Trek sehr wohl lieben.

Aber auch mit Star Trek: Enterprise war nicht Schluss. Es kamen ja noch die neuen Filme.

Es kann nur einen Kirk geben

Auch als der erste Kinofilm von J.J. Abrams angekündigt wurde, war das Geschrei groß. Einerseits wurde es als Sakrileg angesehen, dass Kirk und Co. neu besetzt wurden, andererseits fürchtete man einen tumben Actionfilm, der alles verraten würde, wofür Star Trek stand. Und dann erregte noch der Umstand, dass die Filme in einer alternativen Zeitlinie spielen, den Unmut mancher Fans. Denn der Kanon und die Kontinuität sind vielen heilig – etwas, das sich schon bei Star Trek: Enterprise zeigte.

Die so genannten Kelvin-Filme waren erfolgreicher als jeder der vorherigen Filme mit klassischer und TNG-Crew, weil Abrams Star Trek für ein neues Publikum frisch machte – wie seit 2017 auch Alex Kurtzman. Denn ein Franchise, das nur das bietet, was es immer schon gab, das es nicht wagt, Neues zu erzählen, ist letzten Endes zum Sterben verurteilt.

Es muss ein neues, junges Publikum angesprochen werden, damit ein Franchise langfristig überleben kann. Das mögen manche nicht verstehen wollen: die Art Fan, die schon 1986 existierte und es hasste, dass es nach Kirk und Co. eine neue Crew geben sollte. Solche Fans gab es eben schon immer, sie sind heute nur aufgrund der technischen Möglichkeiten lautstärker denn je.


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