Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Return to Monkey Island im Test: Schön, mal wieder hier zu sein

Guybrush Threepwood ist zurück – und mit ihm sein Erfinder Ron Gilbert. Aber ist das neue Monkey Island auch so gut wie seine Vorgänger?
/ Daniel Ziegener
138 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die Rückkehr von LeChuck ist kein Spoiler. (Bild: Terrible Toybox/Golem.de)
Die Rückkehr von LeChuck ist kein Spoiler. Bild: Terrible Toybox/Golem.de

Das letzte echte Monkey Island ist, je nachdem, wen man fragt, vor 13, 22 oder 31 Jahren erschienen. Wer Letzteres und damit das 1991 erschienene Monkey Island 2: LeChuck's Revenge meint, macht die Echtheit vermutlich an der Beteiligung von Serienschöpfer Ron Gilbert fest.

Denn auch ohne seine Beteiligung entstanden mehrere Spiele über Guybrush Threepwood. Doch weder das 2009 vom Lucasarts-Nachfolger Telltale entwickelte Tales of Monkey Island noch Lucasarts' eigene Spätwerke Fluch und Flucht von Monkey Island konnten den Kultstatus der legendären ersten beiden Teile erreichen.

Nun ist Gilbert drei Jahrzehnte später endlich in seine Welt der Geisterpiraten und Grog-Automaten zurückgekehrt – und hat gleich noch ehemalige Lucasarts-Kollegen wie Co-Autor Dave Grossman und Komponist Peter McConnell im Inventar. Entsprechend ist Return to Monkey Island ein Point-and-Click-Adventure alter Schule. Aber kann es auch die Voodoo-Magie von damals zurückbringen?

Wo sind die alten Piraten hin?

Die Geschichte von Return for Monkey Island wird gerahmt von einer Erzählung des langsam ergrauenden Guybrush Threepwood, einst ambitionierter Nachwuchspirat, heute im wohlverdienten Ruhestand. Und so berichtet er einer Gruppe von Kindern, wie er einst das Geheimnis von Monkey Island entdeckte...

Return to Monkey Island macht von Anfang an keinen Hehl daraus, dass hier alte Spieleentwickler (und Fans) in Erinnerungen schwelgen. Ja, es sind 30 Jahre vergangen und jetzt erzählt der alte Mann den jungen Leuten mal 'ne Geschichte von früher. Diese Metaebene zieht sich durch das ganze Abenteuer.

Return to Monkey Island – 5 Minuten Gameplay vom Anfang des Spieles
Return to Monkey Island – 5 Minuten Gameplay vom Anfang des Spieles (05:18)

So sind etwa die drei alten, weißen Piratenmänner in der Scumm Bar einer jungen, hippen und deutlich diverseren Gruppe gewichen, die Guybrush ebenso wenig ernst nehmen wie der Nerd im neu eröffneten Museum, der ebenso gut ein Monkey-Island-Fan mit Merchandise-Sammlung und Fan-Wiki sein könnte. "Es gefällt mir nicht, aber ich muss mich auf die neuen Leute einstellen", jammert der Koch der Scumm Bar über die neue Generation von Piraten. "Alles ändert sich."

Anzeige

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Mehr oder weniger rätselhaft

Mehr über die Geschichte sei hier nicht verraten. Eine schwerwiegende Entscheidung muss schon zu Beginn des Spiels getroffen werden, denn Return to Monkey Island bietet (wie schon Thimbleweed Park) zwei Schwierigkeitsgrade an. Der einfachere der beiden überspringt direkt einige Rätsel. Auch das ist ein Zeichen, dass Zeiten sich ändern, denn bockschwere bis beinahe unfaire Puzzles motivieren heute keinen Gamer mehr zur Vorbestellung.

Die Rätsel selbst sind logisch, auch wenn hassliebenswerte Höhepunkte wie der Gefängnisausbruch mittels Grog oder Universalschraubenschlüssel (und damit einige der besten Pointen) fehlen, besonders im einfacheren Story-Modus. Aber um die Rätsel geht es eh nicht, oder zumindest deutlich weniger als noch in Thimbleweed Park.

Ron Gilbert und sein Team scheinen gar nicht erst versuchen zu wollen, dem tausendmal totgesagten Genre des Point-and-Click-Adventures etwas Neues hinzuzufügen. Das tun sie stattdessen mit der Spielwelt und ihren Figuren, die ihnen merklich am Herzen liegen, und sie lassen Guybrush (und mit ihm den Spieler) alte und neue Freunde an alten und neuen Orten treffen.

Der dreiköpfige Affe im Raum: der neue Stil

Apropos Neues: Trotz all der nostalgischen Gefühle, die das Wiedersehen mit Guybrushs alter Crew auslöst, stand seit Ankündigung von Return to Monkey Island ein dreiköpfiger Affe im Raum: die Grafik. Die bricht nämlich mit der Pixelart der ersten Teile und setzt auf einen völlig neuen Illustrationsstil – und hat, wie es im Internet leider so ist, für Empörung bei Fans gesorgt.

Die neue Mischung aus Papierschnitten, Comiczeichnungen und Puppentheater trägt unverkennbar die Handschrift des Tearaway-Illustrators Rex Crowle. Gleichzeitig bringt sie drei Jahrzehnte Monkey Island unter einen Dreispitz. Von der klassischen Pixelgrafik über den Cartoonstil des dritten Teils bis zur 3D-Optik der späteren Sequels finden sich Stückchen der ganzen Geschichte im neuen Look von Monkey Island wieder.

Lieblosigkeit kann man dem Team jedenfalls nicht unterstellen, egal, was man von Guybrushs neuer Nase hält. Beim Spaziergang durch die Straßen von Mêlée Island kommt gleich wieder das vertraute Gefühl auf, eine alte Heimat zu besuchen. Nur, dass eben ein paar Fassaden renoviert wurden.

Die neue Grafik ermöglicht auch ein paar hübschere Spielereien. Dezente Animationen sorgen dafür, dass Guybrushs Haar sanft wippt. Dialoge werden immer wieder mit detaillierten Nahaufnahmen aufgepeppt, etwa wenn Guybrush bei █████ das für ein Rätsel wichtige ███████ stibitzt, das er dann später mit einem ████████ im ██████ kombinieren kann. (Keine Spoiler, versprochen!)

Anzeige

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Ron Gilberts Handschrift und sein trockener, selbstreferenzieller Humor sind auch nach Jahrzehnten noch unverkennbar. Spielt man sie nacheinander, könnte man meinen, dass zwischen Return to Monkey Island, Thimbleweed Park oder Maniac Mansion kaum Zeit vergangen ist.

Return to Monkey Island ist ein Liebesbrief an die Serie. Es ist empfehlenswert, die ersten beiden Teile noch einmal nachzuholen, um die vielen Anspielungen und Referenzen nicht zu verpassen, mit denen das Spiel vollgestopft ist.

Nach etwa sechs bis acht Stunden endet die Rückkehr nach Monkey Island. Ob man in ein paar Jahren ein ebenso starkes Bedürfnis verspürt, Return of Monkey Island nochmal einen Besuch abzustatten, wie bei seinen Vorgängern? Vermutlich nicht. Aber es war schön, mal wieder dagewesen zu sein.

Return to Monkey Island ist für Windows und macOS für 22,99 Euro(öffnet im neuen Fenster) sowie Nintendo Switch für 24,99 Euro(öffnet im neuen Fenster) erschienen. Texte sind auf Deutsch, die Sprachausgabe ist nur in Englisch verfügbar.


Relevante Themen