Mehr Experimente wagen
Das oben erwähnte Konfigurationsmenü beim Start eines Spiels beziehungsweise Emulators bietet eine ganze Reihe weiterer Einstellmöglichkeiten. Es können der zu benutzende Emulator für ein System und die Videoauflösung festgelegt werden, sowohl bezogen auf das spezifische Spiel als auch allgemein. Die Einstellungen werden in den jeweiligen Konfigurationsdateien gespeichert und bei zukünftigen Starts beachtet.
Auf diese Weise gelingt es uns auch, einen Grafikfehler bei Mario Kart 64 in kurzer Zeit zu beseitigen. Beim standardmäßig eingestellten lr-mupen64plus-Emulator für das N64 werden die Bitmap-Grafiken im Menü fehlerhaft dargestellt. Nachdem wir mit zwei Klicks im Menü zum mupen64plus-gles2n64-Emulator gewechselt haben, werden die Grafiken korrekt dargestellt, auch die 3D-Darstellung im Spiel wirkt einen Tick besser.
Tippen statt Klicken
Eine andere Möglichkeit, Einfluss auf die Konfiguration der Emulatoren und von Retropie zu nehmen, besteht in der direkten Manipulation der Konfigurationsdateien. Tatsächlich besteht der Hauptgrund für den Versionssprung von Retropie 2.x auf 3.0 darin, dass nunmehr die Konfiguration einheitlich organisiert ist, unabhängig vom System und den dahinterstehenden Emulatoren.
Diese Dateien können direkt auf dem Raspberry Pi bearbeitet werden. Über das Retropie-Menü von Emulationstation beziehungsweise das Startmenü eines jeden Spiels kann ein Editor mit der entsprechenden Konfigurationsdatei aufgerufen werden.
Als viel komfortabler empfinden wir aber die Bearbeitung über einen Desktopcomputer. Das Konfigurationsverzeichnis config steht ebenfalls als Netzwerkverzeichnis zur Verfügung. Die Basiseinstellungen für Retroarch, die Emulatoren und Emulationstation befinden sich im All-Verzeichnis. Spezifische Einstellungen für die jeweiligen Systeme und die dazugehörigen Spiele finden sich in den entsprechenden Unterverzeichnissen mit dem Namen des Systems. Konfigurationen in diesen Dateien überschreiben die Basiseinstellungen.
Experimente ohne Sicherheitsnetz
Je mehr wir uns aber in die Konfigurationsdateien vertiefen, Emulatoren austauschen, an Tastenbelegungen herumspielen und versuchen, die optimale Auflösung für das jeweilige Spiel auf unserem Fernseher zu ermitteln, desto öfter verheddern wir uns auch, bis hin zu komplett kaputtkonfigurierten Systemen. Hier machen sich zwei Dinge negativ bemerkbar: Retropie hat kein Sicherheitsnetz und es fehlt zu häufig an Dokumentation.
Werden Konfigurationsdateien per Menü bearbeitet, legt Retropie teilweise Sicherheitskopien der zu ändernden Datei an. Allerdings ist nicht immer klar, welche Datei durch ein Menü verändert wird - und ein Undo-Knopf fehlt. Es empfiehlt sich deshalb, das Konfigurationsverzeichnis einmal komplett zu speichern, bevor es ans Experimentieren geht.
Die fehlende Dokumentation ist eigentlich noch nicht einmal Retropie selbst geschuldet. Es schnürt aus den einzelnen Bestandteilen Emulationstation, Retroarch, diversen weiteren Emulatoren und Programmen "nur" ein Gesamtpaket. Und bei diesen Bestandteilen ist der Dokumentationsstand zuweilen schon fragwürdig. Zwar versucht Retropie, durch die Namen der Konfigurationsoptionen in den Dateien und entsprechenden Kommentaren wenigstens ansatzweise Hilfestellungen zu geben. Aber weitergehende Informationen fehlen häufig und sind auch auf der Webseite eher schlecht strukturiert oder verlinkt. So springen wir oft zwischen den Webseiten von Retropie und Retroarch mit seinen Emulatoren hin und her, ohne danach schlauer zu sein.
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