Traumartige Geschichten
Der Film zelebriert vor allem den deutschen Expressionismus. Man fühlt sich an Filme wie Das Kabinett des Dr. Caligari erinnert. Bi Gan erweist sich als exzellenter Beobachter, der dem Stummfilm eine fast schon geniale Hommage erweist. Hier passt einfach alles, bis hin zum überzogenen Spiel der Schauspieler. Denn das Übertreiben war in Zeiten, in denen das Wort nicht gehört werden konnte, ein essenzieller Bestandteil der Performance.
Optisch eindrucksvoll
Resurrection sieht großartig aus. Der Film schafft es immer wieder, den verschiedenen Epochen, die er zitiert, gerecht zu werden. Bi Gan gelingt es sogar, aus diesen doch sehr unterschiedlichen Stilen ein einigermaßen homogenes Ganzes zu gestalten.
Zugleich ist er ein anstrengender Erzähler, der dem Publikum viel zumutet. In seinem Film erklärt er kaum etwas, vieles bleibt einfach offen, manches ist gar gänzlich unverständlich – oder würde vielleicht erst verständlich, wenn man den Film ein zweites oder drittes Mal sähe.
Vor allem soll Resurrection wirken. Bi Gan will eine Reaktion des Publikums herausfordern. Die Kraft der Bilder soll das leisten, der emotionale Aspekt der Geschichte kann das nicht. Stattdessen erweist sich Resurrection als ziemlich sperrig, wie ein Berg, der mit jedem Schritt schwerer zu erklimmen ist. Wenn man denkt, man hätte entschlüsselt, was Bi Gan offeriert, bietet er etwas Neues, das jeden vorherigen Gedankenansatz ad absurdum führt.
Das macht den Film natürlich schwierig. Er fordert dazu auf, dass man sich mit Haut und Haar auf ihn einlässt, und das über 160 Minuten hinweg. Das mag für viele bereits zur existenziellen Geduldsprobe werden.
Obwohl nur die erste Episode als Stummfilm gedreht wurde, gilt dieses Muster im Grunde für das ganze Werk. Durch das Weglassen und die Konzentration auf einen Aspekt des Films werden die Zuschauer gefordert, sich der Bilderflut hinzugeben. Nicht nachdenken, sondern spüren, fühlen, erleben, das ist, was Bi Gan mit seinem Film erreichen will. Er will das Publikum damit zu einem Teil des Films machen.
Sein Problem ist, dass er es vielen zu schwer machen wird. Wer schon bei einer ersten Sitzung fast einschläft, wird den Film kein zweites Mal sehen, und wer die Symbolkraft des Films und seine metaphorische Wirkung schätzt, fühlt vielleicht ebenfalls nicht direkt den Impuls, das Werk noch einmal zu sehen.
So oder so ist Resurrection aber eine faszinierende Verbeugung vor dem Kino, verpackt in einer visuell umwerfenden Wundertüte, die viel entdecken lässt.


