Restrukturierungsprogramm: VW will Modelle abschaffen und Konzernstruktur straffen
Volkswagen steht vor großen Herausforderungen und wohl auch Umbrüchen. Am 21. Juni 2023 soll den Investoren ein ehrgeiziges Restrukturierungsprogramm präsentiert werden, berichtet das Handelsblatt (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) . Die zentralen Ziele: Kostenreduktion und Neustrukturierung der Unternehmensorganisation.
Hauptaugenmerk des Plans liegt auf Audi und der Kernmarke VW. Eine Verbesserung des Jahresergebnisses um rund drei Milliarden Euro ist angestrebt. Durch Minimierung redundanter Entwicklungsarbeit und verbesserte Zusammenarbeit der Marken soll dies erreicht werden. Auch sofortige Einsparungen in Beschaffung und Vertrieb stehen auf der Agenda.
Trotz erheblicher Gewinne steht VW unter Druck, seine Rendite zu verbessern. Besorgniserregend sind dem Handelsblatt nach die vergleichsweise niedrige Gewinnspanne und potenzielle Nachfrageprobleme. Der Restrukturierungsplan von VW-Chef Oliver Blume zielt dem Handelsblatt nach darauf ab, die nötigen finanziellen Mittel zu generieren, um technologische Entwicklungen voranzutreiben und VWs Position in China und Nordamerika zu stärken.
Höhere Margen, weniger Modelle
Zum Capital Markets Day am 21. Juni 2023 sollen die Pläne den Investoren präsentiert werden. Bereits vor Blumes Amtsantritt im letzten Jahr begannen die Vorbereitungen für diese Veranstaltung. Dabei sollen die Schlüsselbereiche des Unternehmens identifiziert worden sein, die sofortige Aufmerksamkeit erfordern.
Im Zuge der Restrukturierung sind ehrgeizige Margenziele für jede Marke vorgesehen. So will Porsche bis Mitte des Jahrzehnts eine operative Gewinnmarge von 20 Prozent erreichen. Audi strebt eine Marge von 12 bis 14 Prozent an, während die Volumenmarkengruppe und die Kernmarke VW Margen von 8 bzw. 6,5 Prozent anvisieren.
Entscheidend für die Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen sind Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Die Verhandlungsführung könnte aufgrund des Umfangs der Maßnahmen schwierig sein, mutmaßt das Handelsblatt.
Ebenfalls Teil des Umstrukturierungsplans ist die Optimierung der Produktionsstätten. Besonderes Augenmerk liegt auf den Standorten in Deutschland. Bei der Umstellung auf Elektromobilität und reduzierte Modellpaletten sollen Arbeitsplätze vorerst durch den demografischen Wandel abgebaut werden.
Markenübergreifende Produktion
Markenvorstand Thomas Schäfer will dem Bericht nach die Produktion durch eine möglichst markenübergreifende Auslastung der Werke optimieren. Das bedeutet, dass Modelle von Skoda, Cupra und VW auf denselben Montagelinien produziert werden sollen. Mittelfristig soll bei den Volumenmarken das Modellangebot gestrafft und die Zahl der Varianten reduziert werden. VW soll sein Modellportfolio auf zehn Modelle reduzieren, während Skoda sich auf etwa die Hälfte davon konzentrieren wird. Cupra soll drei oder vier Automodelle anbieten, heißt es in dem Bericht.
Blumes Plan zielt nicht nur auf die Erzielung hoher Gewinne bei sinkenden Absatzzahlen ab, sondern auch auf das Management der Margen. Dies stellt einen wichtigen Wendepunkt für VW dar, der sich im Laufe der Jahre zum größten Automobilhersteller der Welt entwickelt hatte, zuletzt jedoch mit Fehlentscheidungen und dem Diesel-Abgasskandal zu kämpfen hatte. Ein leitender Angestellter fasste es dem Handelsblatt nach so zusammen: "Letztendlich zählt, was am Ende übrig bleibt."
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