Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Resident Evil - Welcome to Raccoon City: Ein holpriger Neuanfang

Nach sechs Filmen mit Milla Jovovich wagt Constantin einen Neuanfang von Resident Evil : Er führt zurück ins Jahr 1998.
/ Peter Osteried
29 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Leon S. Kennedy (Avan Jogia) und Claire Redfield (Kaya Scodelario): Gemeinsam gegen das Grauen (Bild: Constantin Film Verleih GmbH)
Leon S. Kennedy (Avan Jogia) und Claire Redfield (Kaya Scodelario): Gemeinsam gegen das Grauen Bild: Constantin Film Verleih GmbH

Für Constantin Film sind die Resident-Evil-Filme ein großer Erfolg gewesen. Weltweit erwirtschafteten sie mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) – da kann mit dem sechsten Teil der Reihe um Alice, gespielt von Milla Jovovich, natürlich nicht Schluss sein. Weil sie aber nun mal ihr Ende gefunden hatte, gab es nur eine Lösung: einen Neuanfang.

Dafür fand man in dem Autor und Regisseur Johannes Roberts den richtigen Kandidaten. Der Brite hatte Erfolge mit seinen soliden Horrorfilmen, etwa mit den beiden Hai-Schockern 47 Meters Down und 47 Meters Down: Uncaged, und ist zudem ein Fan der Videospiele.

Constantin gefiel Roberts' Ansatz, sich weit von den bisherigen Filmen zu entfernen. Denn die sind in erster Linie Action-Spektakel. Der Horror-Aspekt, der Teil der Resident-Evil-DNA ist, trat dort immer in den Hintergrund. Roberts holt ihn wieder nach vorn. Sein Film orientiert sich an den ersten beiden Games der späten 1990er Jahre. Damit wird auch Zuschauern, die nur die Jovovich-Filme kennen, etwas Neues geboten.

Zurück zu den Wurzeln

Roberts ließ sich von den ersten beiden Spielen inspirieren(öffnet im neuen Fenster) , die stark auf Stimmung setzen, wenn Spieler durch ein düsteres Anwesen schleichen. Zudem ist der Film so etwas wie ein Prequel zum ersten Game, weil er zeigt, wie das T-Virus entkommen konnte. Kinostart ist am 25. November.

Anzeige

Resident Evil Village [USK 18 - UNCUT]

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Ein starker Anfang

Alles beginnt damit, wie Raccoon City zu einer Stadt der Hoffnungslosen wurde. Die Umbrella Corporation hat ihren Firmensitz aus der Stadt heraus verlagert. Zurück bleiben nur diejenigen Bewohner, die es sich nicht leisten können, wegzuziehen.

Resident Evil: Welcome to Raccoon City – Trailer
Resident Evil: Welcome to Raccoon City – Trailer (02:06)

Schlimmer noch: Sie alle werden nach und nach krank, weil Umbrella alles andere als vorsichtig im Umgang mit seinen pharmazeutischen Erzeugnissen war.

Ab der Mitte des Filmes wird es holprig

Am Anfang des Films kommt Claire Redfield (Kaya Scodelario) in die Stadt zurück, die sie einst fluchtartig verließ – und mit ihr auch ihren Bruder Chris (Robbie Amell), der Polizist ist. Schon kurz nach ihrer Ankunft wird klar, dass in Raccoon City etwas nicht stimmt.

Tote erheben sich, während Umbrella die Stadt komplett abriegeln lässt. Während Wesker (Tom Hopper), Jill Valentine (Hannah John-Kamen) und ein paar andere Cops im alten Spencer-Anwesen des Umbrella-Begründers nach verschwundenen Kollegen suchen, überschlagen sich die Ereignisse. Die Vernichtung von Raccoon City steht kurz bevor.

Resident Evil – Welcome to Raccoon City fängt stark an. Der Film versteht es, das Mysterium um die Vorgänge in Raccoon City aufzubauen – und das, obwohl die Zuschauer natürlich wissen, was kommen wird. Die Figuren sind gut definiert, die Gestaltung ist stimmungsvoll, zumal sich im Hinblick auf die Stadt ein desolater Eindruck einstellt.

Die Umbrella Corporation ist als Arbeitgeber weg, die Leute, die in der Stadt bleiben, sind arm und krank. Das alles etabliert Roberts mit sehr viel Atmosphäre. Es gelingt ihm auch, die Figuren gut einzuführen. Praktisch alle sind vertreten, die bei Resident Evil Rang und Namen haben: die Redfield-Geschwister, Jill Valentine, Leon S. Kennedy und Wesker. Aber nicht allen wird der Film gerecht. Das gilt vor allem für Leon.

Anzeige

Resident Evil Village [USK 18 - UNCUT]

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Er wird als unfähiger Polizist eingeführt, der einem Kollegen in den Hintern geschossen hat. Entsprechend nimmt man ihm bestimmte Charakterwandlungen im Laufe des Films nicht ab. Zumal die Handlung des Films nur wenige Stunden umfasst – von etwa 23 Uhr bis 6 Uhr morgens.

Mit Blick aufs Sequel geschrieben

Nach den ersten Minuten ist man noch guter Dinge. Man erwartet einen Film, der nicht nur endlich der Vorlage gerecht wird, sondern die Jovovich-Werke weit hinter sich lässt. Es ist alles da, um dieser Erwartung gerecht zu werden. Aber dann verzettelt er sich.

Im Mittelteil ist die Erzählweise holprig und fahrig. Elemente werden eingeführt und gleich wieder verworfen, ohne dass sie je an Bedeutung gewinnen. Es wirkt, als würde hier schon auf das unvermeidbare Sequel hingearbeitet. Welcome to Raccoon City gerät ins Stocken, zur Mitte hin entsteht Leerlauf, und damit macht sich gar etwas Langeweile breit.

Gelungen sind die Sequenzen, die nah am Spiel sind

Demgegenüber steht zumindest der gelungene Versuch, dem zu entsprechen, was die frühen Games so erfolgreich gemacht hat. Die Sequenz mit dem Trupp, der durch das düstere Spencer-Anwesen streift und nach und nach auf immer mehr Zombies stößt, ist nahe am Spiel.

Hier entsteht Spannung durch das, was man in der Dunkelheit nicht sieht – und das dann doch auftaucht. Gerade in dieser Sequenz macht Roberts alles richtig.

Ein Schwachpunkt des Films ist, dass er zu viel auf einmal will. Er führt nicht nur die Redfield-Geschwister ein, sondern auch noch die anderen großen Figuren des Franchise. Aber einige kommen dabei unter die Räder.

Hannah John-Kamen ist gut, aber sie hat als Jill Valentine nichts, da die Figur nur Staffage ist. Der von Tom Hopper gespielte Wesker ist nahezu irrelevant – nur eine Szene im Nachspann verleiht ihm Bedeutung.

Anzeige

Resident Evil Village [USK 18 - UNCUT]

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Und natürlich der Umstand, dass der geneigte Fan weiß, wer Wesker im Resident-Evil-Mythos eigentlich ist. Weniger wäre bei diesem ersten Film sicherlich mehr gewesen.

Ein halbgares Finale

Dem Film fehlt im Grunde ein echter Antagonist. Neal McDonough als Wissenschaftler scheint dieser zu sein, wird aber vollends verschwendet; seine Figur wird nie nennenswert ausgebaut. So bleibt die Frage, wieso Umbrella ihn seinem Schicksal überlässt, wo er doch eigentlich so wichtig in Hinblick auf das Serum mit dem T-Virus ist.

Auch Wesker eignet sich nicht als Schurke, weil er erstmal werden muss, wer er ist. Bleiben im Grunde nur gesichtslose Zombies. Aber selbst sie treten häufig in den Hintergrund. Folglich ist auch das Finale erstaunlich unspektakulär. Es wirkt geradezu mickrig – allerdings mag das auch am Vergleich mit den früheren Filmen liegen, bei denen am Ende ein großes Action-Spektakel wartete.

Letztlich ist Resident Evil – Welcome to Raccoon City ein solider Neuanfang, der jedoch nicht einlösen kann, was der Anfang verspricht. Es wäre einfach mehr drin gewesen.


Relevante Themen