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Wenn Bremsleuchten die Nacht in Rot hüllen

Optisch und tonal orientiert sich sein Film folgerichtig stärker an seinem vorletzten Werk, Barbarian, als an irgendeinem der Resident-Evil-Videogames. Wir erleben ein real aussehendes, glaubwürdiges Raccoon City. Wenn mal etwas stilisiert ist, dann durch geschickten Einsatz der Umgebungsgestaltung.

Zum Beispiel wenn die verschneite Straße bei totaler Dunkelheit nur durch die knallroten Bremsleuchten des stehengebliebenen Autos beleuchtet ist, die wirklich alles vor sich in ihren bedrohlich aggressiven Rotton hüllen. Und dahinter nichts als schwarze Dunkelheit.

Das ist auch etwas, das Cregger bereits in seinem Barbarian vortrefflich beherrschte und jetzt mit Kameramann Dariusz Wolski erneut stark umsetzt. Dunkelheit ist in diesem Film wirklich dunkel, dennoch können wir in den düsteren Szenen immer genau das erkennen, was wir erkennen sollen. Nicht durch faule Color-Grading-Tricks, unnatürliches Bildaufhellen, sondern weil vereinzelt Beleuchtung glaubwürdig im Szenenbild platziert ist und dazwischen auch noch mit Taschenlampen geleuchtet wird.

Was sich simpel anhört, gelingt in Horrorfilmen selten richtig überzeugend und fällt deswegen umso mehr auf. Wenn Bryan sich in Finsternis durch einen von stehenden Autos blockierten Tunnel tastet, sich dabei auch durch ein enges Wohnmobil hindurch bewegen muss, ist das extra und durchaus nervenzerfetzend spannend, weil es zu allem anderen dazu noch authentisch aussieht.

So sehr die erste Hälfte des neuen Resident Evil begeistert, richtig Spaß macht, lustig und spannend zugleich ist, so schade ist es, dass der Film ab da zunehmend abbaut. Plötzlich kommt es doch zu ein paar Szenen, die an Albernheit eher in die Resident-Evil-Verfilmungen von Paul W. S. Anderson gepasst hätten. Nur nicht ganz so schlimm.

Das steht störend im Kontrast zum vorher so toll aufgebauten Eindruck, Zach Cregger habe eine neue Balance zwischen Glaubhaftigkeit und Resident-Evil-Setting gefunden. Sein eigenes Ding wird wieder das Gewohnte. Sehr schade.

In seinen besten Momenten interessant und mutig

Aber, so ehrlich müssen wir sein: Die vorherigen Verfilmungen lagen nicht komplett falsch damit, dass die Spiele von Capcom meistens spätestens zum Ende hin im B-Movie-Territorium landeten und natürlich nie den Eindruck vermitteln wollten, ein realistisches Setting darzustellen.

Absurdester Slapstick wechselt sich mit Gruselmomenten und Actionszenen ab. So ist Resident Evil eben. Vielleicht lieben viele Fans das gerade so und wollen es auch jetzt gar nicht anders in diesem Film wieder sehen.

So oder so ist Zach Creggers Adaption in ihren besten Momenten derart interessant und mutig im Umgang mit dem Stoff, dass wir trotz des Endes glücklich aus dem Kino kamen. Einen typischen Gamer ohne seine Superfähigkeiten nach Raccoon City zu schicken, ihn mal richtig zittern und an seinen Schießkünsten scheitern zu sehen, das hat uns abgeholt, mit einbezogen, Spaß gemacht.

Wäre das bis ganz zum Schluss gelungen, würden wir jetzt allerdings nicht bloß vom ersten guten, sondern vom ersten sehr guten Film mit Resident Evil im Titel sprechen.

Resident Evil ist am 17. September 2026 weltweit in den Kinos erschienen und hat eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten.


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