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Klassisch langsam schlurft hier niemand

Wie direkt aus den Resident-Evil-Games gegriffen sieht aber keine dieser Kreaturen aus. Immer nur etwas ähnlich, oft wie eine Mischform bekannter Gegnertypen. Wir hätten uns bei einem offiziellen Film der Franchise in dieser Hinsicht viel mehr Wiedererkennungsfaktor gewünscht, auch wenn die gebotenen Monster toll aussehen.

Klassisch langsam schlurfende Zombies gibt es sogar überhaupt nicht. Untote Menschen rennen hier schnell und spielen selten überhaupt eine größere Rolle. Zu wenig, um von einem Zombiefilm zu sprechen, obwohl ein paar Zombies am Anfang des Films vorkommen und diese Szenen mit die spannendsten sind.

Am besten hat uns bei diesem neuen Resident Evil ohnehin der packende Beginn gefallen. Bis zur Mitte der insgesamt nur 90 Minuten dauernden Laufzeit des Films haben wir wie gebannt auf die Leinwand geschaut. Wir lernen Protagonist Bryan (Austin Abrams) mitten im Joballtag kennen und folgen ihm hektisch spurtend in ein Krankenhaus, aus der für Zach Cregger so typischen Verfolgerperspektive, die lange das Gesicht der Hauptfigur überhaupt nicht erkennen lässt.

Bryan liefert als Kurier ein Spenderorgan ab und nimmt zwischen Tür und Angel gleich spontan den nächsten Job an. Ein weiteres Organ soll er schnell in ein anderes Krankenhaus bringen, ins benachbarte Raccoon City. Es ist Nacht und die Straßen sind vereist, für die doppelte Gage fährt Bryan trotzdem.

Von da an entfaltet sich eine spannende Dynamik. Unser Protagonist scheint sich aus dem Namen seiner Zielstadt nicht viel zu machen, aber die meisten Zuschauer kennen den Schauplatz mit Sicherheit aus den Spielen oder anderen Filmen. Und wissen selbstverständlich, dass dort der T-Virus ausgebrochen ist, Bewohner zu aggressiven Zombies und auch Tiere zu Monstern werden. Wir wissen das, nur eben Bryan nicht. Und das war den Drehbuchautoren wohl sehr bewusst.

Die Perspektive einer relativ normalen Person

Die folgenden Szenen überbieten sich immer weiter herrlich darin, Bryans Unwissenheit ob seiner gefährlichen Situation humorvoll auszuspielen, während wir fingernägelkauend zusehen müssen, wie er in sein eigenes Verderben fährt. Selten haben wir uns bei einem Film so oft schnell hintereinander erschrocken und dann wieder herzhaft lachen müssen.

Dabei begleiten wir Bryan stets eng, kurzzeitig auch mal aus einer authentisch dargestellten Ich-Perspektive. Oder schweben hinter ihm, während die Kamera mit seinen Kopfbewegungen mitschwenkt. Schnitt und Perspektiven bemühen sich um Immersion und tragen aktiv zur dichten Atmosphäre des Horrortrips aus Perspektive einer relativ normalen Person bei.

Selten gibt es Stillstand, denn Bryan muss ja trotz allem das Organ in seiner grünen Kühlbox rechtzeitig ausliefern. Für wen und wofür, weiß er aber nicht. Womöglich ein Kind, sagt er sich.


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