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Requiem zur Cebit: Es war einmal die beste Messe

Nach 33 Jahren ist Schluss mit der Cebit und das ist mehr als schade. Wir waren dabei, als sie noch nicht nur die größte, sondern auch die beste Messe der Welt war - und haben dann erlebt, wie Trends verschlafen wurden. Ein Nachruf.

Artikel von veröffentlicht am
Jan Delay spielte auf der Cebit 2018.
Jan Delay spielte auf der Cebit 2018. (Bild: Nico Ernst)

Irgendwie ist es ja verständlich: "Aus heutiger Perspektive würde eine Cebit 2019 massiv in den Verlustbereich abdriften", schreibt der Vorstand der Messe AG laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung in einer internen Hausmitteilung. Und was kein Geld verdient, wird abgeschafft, es wird nicht weiter investiert. Doch schade ist es auch - und nicht besonders mutig.

Inhalt:
  1. Requiem zur Cebit: Es war einmal die beste Messe
  2. Die Blase platzt und es ändert sich nichts
  3. Eingekeilt von der Konkurrenz

Vertreter der Messe AG hatten Golem.de noch 2018 auf der Veranstaltung gesagt, das neue Konzept des Business-Festivals solle in dieser Form noch mindestens zwei Jahre lang durchgezogen werden, die Finanzierung dafür sei gesichert. Doch das war sie offensichtlich nur in Form von Prognosen, die nicht die schlechte Resonanz berücksichtigten: Nur 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sollen bisher für 2019 gebucht worden sein. Das ist ein Drittel weniger als ein halbes Jahr vor der Cebit 2018 - und auch allgemein an der Größe des Messegeländes gemessen, ist das fast nichts.

Die Aussteller haben also offenbar das neue Konzept, das nach anfänglichen Befürchtungen vieler Beobachter durchaus gut ankam, nicht angenommen. Und statt sie davon zu überzeugen oder es wieder durch ein anderes zu ersetzen, klappen die Verantwortlichen den Laden nun ganz zu. Das ganze Thema Cebit kann man damit durchaus als typisches deutsches Scheitern sehen: Veränderungen werden Jahre vor ihrer breiten Wirksamkeit erst ignoriert, dann aktiv bekämpft, und wenn sie dann relevant werden, ist der Jammer groß. Im Fall der Cebit war dies vor allem der Bereich elektronischer Unterhaltung.

  • Auch die ganz großem Medien konnten noch 2010 nicht an der Cebit vorbei. (Bild: Golem.de)
  • E-Sport - ja, aber 2010 nur in einer eigenen Halle. (Bild: Golem.de)
  • Big Data nur noch für Big Business 2014. (Bild: Golem.de)
  • 2016 waren sogar Quantenprozessoren zu sehen. (Bild: Golem.de)
  • Spätestens 2017 war der große Ansturm vorbei. Cebit: (Bild: Golem.de)
  • 2006 durften Aussteller immerhin kleinere E-Sport-Turniere zeigen. (Bild: Nico Ernst)
  • So schönes Wetter, hier 2014, gab es auf der Cebit selten. (Bild: Nico Ernst)
  • Diese Aussteller hätten 2019 kommen sollen. (Bild: Nico Ernst)
  • Nicht immer, aber meistens, war die Organisation sehr gut. (Bild: Nico Ernst)
  • 2003 waren Grafikkarten meist nur hinter Glas zu sehen. (Bild: Nico Ernst)
  • Hannoveraner konnten 2018 günstiger zu den Konzerten. (Bild: Nico Ernst)
  • 2009 wurde noch mit Stickstoff übertaktet. (Bild: Nico Ernst)
  • 2016 zeigte Intel einen IoT-Weinberg. (Bild: Nico Ernst)
  • Die Cebit-Plaza in der Stadtmitte wurde 2018 kaum angenommen. (Bild: Nico Ernst)
  • Jan Delay spielte auf der Cebit 2018. (Bild: Nico Ernst)
So schönes Wetter, hier 2014, gab es auf der Cebit selten. (Bild: Nico Ernst)

Dabei hatte 1986 alles so schön angefangen: Damals wurde das "Centrum der Büro- und Informationstechnik", CeBIT, erstmals aus der großen Hannover Messe als eigenständige Veranstaltung ausgegliedert. Das war die große Zeit der Heimcomputer wie C64, Sinclair ZX, Atari ST und Amiga. Die kleinen Rechner, mit deren großen PC-Brüdern noch lange nicht jeder im Büro konfrontiert war, zogen in die Kinderzimmer ein und wurden auch von den Eltern zum Beispiel zum Erstellen einer Vereinszeitschrift genutzt. Computerfieber überall, auch als der Autor es 1988 erstmals auf die schon sagenumwobene Messe schaffte.

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Man traf sich dort am Wochenende beim "Gilb" - so hatten die Hacker des Chaos Computer Clubs (CCC) die Deutsche Bundespost der Unternehmensfarbe und der oft hoffnungslos veralteten Technik wegen getauft. Diese Treffen, verbunden mit der Übergabe des Negativpreises CCCebit, waren den von jugendlichen Besuchern "Businesskasper" genannten Anzugträgern schon damals suspekt. Die Freaks ließen sich in der Masse der Besucher aber locker tolerieren, denn bis 2001 stiegen die Besucherzahlen auf schwindelerregende 840.000 - das war auch für die auf Messen ausgerichtete Stadt Hannover schlicht zu viel. Zu diesem Zeitpunkt war die Cebit nicht nur die größte Technikmesse, sondern schlicht die größte Messe der Welt.

Die Blase platzt und es ändert sich nichts 
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MickeyKay 03. Dez 2018

Meine erste CeBit war 1988. Und ab da war ich jedes Jahr dabei. Vor UND hinter den Kulissen.

Lebenszeitverme... 01. Dez 2018

"Viele Besucher empfanden die Cebit nur noch als recht teures Klassentreffen" - so war es...

derdiedas 30. Nov 2018

Die CeBit war groß weil IT Messen zu der Zeit funktioniert haben. Nirgendwo anders konnte...

x2k 30. Nov 2018

Ja das hab ich auch so festgestellt. Man wurde von den Ausstellern immer mürrisch und...

Muhaha 30. Nov 2018

Da die Messe Hannover ja weiterhin als Unternehmen existiert und weiterhin andere Messen...


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