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Gunter Dueck auf der Re:publica 2011
Gunter Dueck auf der Re:publica 2011 (Bild: Dirk Haeger/Re:publica)

Re:publica 2013: Gunter Dueck, Hofnarr der digitalen Elite

Gunter Dueck auf der Re:publica 2011
Gunter Dueck auf der Re:publica 2011 (Bild: Dirk Haeger/Re:publica)

Der Ex-IBM-Manager Gunter Dueck erklärt den Social-Media-Helden der Re:publica, was sie da tun im Netz. Und was sich ändern muss, damit daran nicht alle zugrunde gehen.

Gunter Dueck war mal Mathematik-Professor, später dann Chief Technology Officer oder, wie er selber schreibt, Querdenker bei IBM. Heute ist er Rentner und Teilzeitphilosoph. Bei der Konferenz Re:publica ist er so etwas wie der Hofnarr.

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Dueck schreibt Bücher und hält Vorträge, in denen er beschreibt, wie das Internet die Gesellschaft verändert und sich Arbeitswelt und Bildungssysteme verändern müssten, um uns darauf vorzubereiten.

Das ist prima, denn das Internet ist verteufelt kompliziert, und Dueck ist gebildet. Mühelos verrührt er drei bis fünf Philosophen, zwei Psychologen und einen Erziehungswissenschaftler zu einer halbwegs plausibel klingenden Theorie über das Zusammenleben in der Wissensgesellschaft.

Das ist unterhaltsam, denn Dueck wirkt mit seinem farblosen Jackett und seiner vorsichtig gemusterten Krawatte wie ein Dinosaurier unter all den beturnschuhten T-Shirt-Trägern der Re:publica: ein Ingenieur im Ruhestand mit grauem Haar, der den jungschen Typen im Saal erklärt, was sie da eigentlich tun mit ihrem ganzen Social-Media-Kram und ihren Cloud-Projekten.

Von Katzen bis Zahnpasta

Das ist aber auch verwirrend, denn Dueck will viel sagen und packt vieles in halbe Nebensätze. Er habe das Stammeln zu einer Kunstform erhoben, twittert Ulrike Langer. Seine Vorträge mäandern vor sich hin, handeln von Katzen und Hunden, von Zahnpastatuben und Kommunikationsstilen, von Steuererklärungen und TV-Talkshows. Das ist genauso anstrengend, wie es klingt.

Es ist verwirrend, weil nie so ganz klar ist, was er jetzt gut findet, und was eher nicht. Denn er findet gar nicht, er beschreibt die Phänomene nur, überspitzt sie vielleicht. Um dann zu überlegen, was daraus folgen könnte. Ein Wissenschaftler eben, auch wenn er "seit zwanzig Jahren keine mathematische Formel mehr gesehen hat".

Und doch ist es gut und wichtig, was er stammelt. Vor zwei Jahren war sein Vortrag die große Überraschung bei der Re:publica. Unerwartet und viel beachtet. Er entwarf darin eine komplett vernetzte Welt. Es ist eine Welt, die es so noch nicht gibt, von der aber alle wissen, dass sie kommen wird, die in ihrer Radikalität aber noch kaum jemand überblickt.

Dueck erzählte von Taxis ohne Fenster und Lenkrad, die dank Kameras auf dem Dach und Netzverbindung von Fahrern in Asien gesteuert werden. Technisch möglich, auch die Fahrpreise würden wohl sinken, trotzdem für viele sicher eine seltsame Vorstellung. Er erzählte, dass Ärzte doch eigentlich sinnlos seien, weil sowieso jeder seine Symptome im Netz googele und auch die Therapie gleich mit. Apothekenautomaten wären da doch praktischer.

Freundlich wirkt er dabei und stets ein wenig verwundert über das, was er so sieht. Dueck hat geradezu Freude an solchen Beispielen. Er schnaubt dann fröhlich, lacht und fragt: "Verstehen Sie?" Dabei sind solche Gedanken gar nicht sein eigentliches Thema. Sie sind nur der Auslöser.

Dueck war sein Leben lang Leiter von Arbeitsgruppen, Manager bei IBM. Er beschäftigte sich damit, wie man Menschen motivieren kann, was man tun muss, damit sie gerne arbeiten und dabei kreativ sind. Seine Beobachtungen über das Internet sind eigentlich ein Randaspekt. Er will vor allem eine Gesellschaft bauen, in der Menschen artgerecht gehalten werden, wie er es nennt, trotz Daten, Vernetzung und Automatisierung. "Da müssen wir uns Gedanken machen", ist so ein Satz von ihm.

Und so referiert er am liebsten darüber, dass in der Schule und im Beruf jeder einzeln gefördert werden müsste. Bildung, Kommunikation, menschliche Werte - das sind Dinge, die ihm wichtig sind. Denn das Internet fresse in allen Berufen die einfachen Tätigkeiten weg und wer seinen Job behalten wolle, müsse sich immer weiter bilden, besser werden. Mehr Lehrer, kleinere Klassen, ständiges Lernen bis zur Rente und das bedingungslose Grundeinkommen, damit auch jene, die nicht mithalten können oder wollen, versorgt sind - das sind Duecks eigentliche Themen.

Burn-out für alle

Die Gesellschaft, in der wir alle derzeit leben, wo jeder immer mehr leisten, immer weniger Fehler machen soll, hält er für Wahnsinn: "Das wird alle verbrennen und psychologisch vernichten. Wir laufen sehenden Auges in ein Burn-out", sagt er.

Sein Weg, das zu verhindern, klingt utopisch. Er möchte "ethnokulturelle Empathie predigen", wie er es nennt. Jeder soll sich in andere hineinversetzen, sie verstehen, sie akzeptieren. Hierarchien und marktwirtschaftlicher Wettbewerb müssten aufhören, Kooperation und freiwilliger Beitrag das Basismodell sein. Miteinander statt gegeneinander. Ein neues Menschenbild brauche es dazu.

Eine Art netzpolitischer Karl Marx ist er damit, der genau wie der große Vordenker der industriellen Revolution eine neue Gesellschaft bauen will, um die Ergebnisse des technischen Fortschritts für alle erträglich zu machen. Er versuche, "die Welt ein wenig zu verbessern", sagt Dueck. Damit kommt er nicht bei allen an. Mancher verlässt kopfschüttelnd den Saal, mancher twittert wütend. Doch es ist eine Idee, die es zu diskutieren lohnt.


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pholem 09. Mai 2013

Zum Glück hat keiner mit Bitcoin geantwortet - gut so.

Graphen 08. Mai 2013

Wir sind doch alle Menschen - also Humanisten. Und worum geht's denn - endlich was zu...

joypad 07. Mai 2013

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