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Re:publica 2012: Neue Hallen, provokante Themen

Düstere Keynotes, Workshops und Grundsatzvorträge zum Selbstverständnis: Das "Familientreffen" der Blogger und Netzgemeinde erreichte ein neues Level. Auch der Standortwechsel tat der Konferenz gut.

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Die Twitter-Wand auf der Re:publica 2012
Die Twitter-Wand auf der Re:publica 2012 (Bild: Jörg Thoma/Golem.de)

Als Imperativ zum Handeln versteht Markus Beckedahl von der digitalen Gesellschaft das diesjährige Motto der Re:publica 2012, die erstmals in neuen Veranstaltungsräumen in Berlin abgehalten wurde. Die Netzgemeinde müsse für Grundrechte, Meinungsfreiheit und ein offenes Internet eintreten, sagte Beckedahl, einer der Organisatoren der Bloggerkonferenz, die zum sechsten Mal stattfand.

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Eingangs zeichnete Eben Moglin eine orwellsche Zukunft, wenn die Nutzer ihre Privatsphäre in die Hände immer größer werdender, monopolartiger Konzerne geben und dabei immer mehr auf Anonymität verzichten. Eine Diskussion über Anonymous und dessen Aktionen traf bei den zahlreichen Zuschauern und bei den Podiumsteilnehmern auf geteilte Meinung.

Von Menschenrechten und Acta

Ein ganzer Themenbereich befasste sich mit Transparenz - oder deren Mangel - sowohl in Konzernen als auch in Regierungen und Behörden und wie dezentrale, freie Alternativen geschaffen werden können. Und es gab wieder Vorträge zum Einsatz der Netzgemeinde für Menschenrechte und Offenheit in Ländern weltweit.

  • Der Gründer der schwedischen Piratenpartei, Rick Falkvinge
  • Die Twitter-Wand
  • Das zensierte Internet im Iran
  • Die Station Berlin, neuer Veranstaltungsort der Re:publica 2012
Die Station Berlin, neuer Veranstaltungsort der Re:publica 2012

Der Gründer der Piratenpartei in Schweden Rick Falkving erklärte, wie offene Strukturen in seiner Partei funktionieren und wie ein Swarm organisiert werden kann. Der Pressesprecher der Bundesregierung Steffen Seibert berichtete, wie die Bundesregierung das Netz nutzt. Die drohende Verabschiedung des Acta-Abkommens war ebenfalls Thema zahlreicher Vorträge, darunter von EU-Kommissarin Neelie Kroes.

Twittern im Weltall und an der Wand

Der italienische Astronaut Paolo Nespoli berichtete, wie er aus dem Weltall twitterte und wie die Nasa schon früh erkannte, dass die Weltraumbehörde über soziale Medien ein breiteres Publikum erreichen kann als über die traditionellen Medien. Auf einer Wand wurden ausgedruckte Twitter-Nachrichten über die Re:publica 2012 angeklebt. Selbst die unterschätzte Nische Podcast war ein Vortragsthema.

Für viele ist die Republica inzwischen ein Familientreffen geworden, in der Station Berlin waren aber neue Gesichter zu sehen. Im vergangenen Jahr waren es noch 3.000 Teilnehmer, dieses Jahr waren es 4.000, darunter 350 Sprecher aus über 30 Nationen, erklärt Beckedahl, auch wenn die letzten Karten erst drei Tage vor Konferenzbeginn verkauft wurden.

Mehr Platz für Blogger

Der Standortwechsel hat der Veranstaltung gutgetan, ein zentraler Platz eignete sich für Plausch und Gedankenaustausch - und als geeignetes Forum für die zahlreichen Sponsoren, die sich zuvor in den Etagen des Friedrichstadtpalastes verloren. Die Veranstaltungsräume der Station Berlin waren ausladend genug, um die zahlreichen Zuschauer bequem unterzubringen, sofern sie die zusätzlich zur Verfügung gestellten Plastikstühle in die Veranstaltungsräume mitbrachten.

Der Standortwechsel war finanziell "für uns ein großes Wagnis", sagte Beckedahl. Die Veranstaltungsräume im Friedrichstadtpalast, der Kalkscheune und im Quatsch Comedy Club waren aber zu klein geworden. Die Teilnehmer waren von der Station Berlin angetan und die Veranstalter müssten sich in den kommenden Jahren keine Gedanke machen, wenn die Konferenz weiter wächst.

"Vor sechs Jahren sind wir als Konferenz von Bloggern für Blogger angetreten, mittlerweile nutzt nur eine Minderheit ein eigenes Blog. Aber mittlerweile ist jeder selbst zum Sender geworden, in anderen sozialen Medien", sagte Beckedahl. Daher könne die Re:publica inzwischen als Konferenz für "Blogs, soziale Medien und digitale Gesellschaft" bezeichnet werden.

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