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Reparatur-Albtraum: BMW entwickelt proprietäre Marken-Schrauben

iFixit nennt BMWs neues Schraubkopfdesign einen "Logo-förmigen Mittelfinger gegen das Reparaturrecht". Hilfe aus 3D-Druckern steht bereit.
/ Andreas Donath
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Eine 3D-gedruckte Schraube und passendes Bit (Bild: Adafruit)
Eine 3D-gedruckte Schraube und passendes Bit Bild: Adafruit

BMW hat ein Patent für eine neue Schrauben-Konstruktion eingereicht, die das Logo des Herstellers in den Schraubenkopf integriert. Doch ein Blick in die Patentunterlagen zeigt: Das Ziel könnte die Einschränkung unabhängiger Reparaturen sein.

Reparaturrecht unter Beschuss

Die Patentanmeldung formuliert explizit, dass die Schraube verhindern soll, dass "unbefugte Personen" Komponenten lösen oder festziehen. Diese Formulierung provoziert scharfe Kritik. iFixit(öffnet im neuen Fenster) , eine Reparatur-Website, nennt BMWs Pläne einen "Logo-förmigen Mittelfinger gegen das Reparaturrecht".

Technische Analyse zweifelt an Patentfähigkeit

Adafruit hat die Patentanmeldung analysiert(öffnet im neuen Fenster) und darin einige Schwachstellen identifiziert. Demnach erfüllen viele Aspekte des BMW-Patents(öffnet im neuen Fenster) möglicherweise nicht die Kriterien für eine Patentfähigkeit. Das Schraubendesign sei primär kosmetisch und auf Branding fokussiert, nicht auf echte technische Innovation.

Aus technischer Sicht stellt die BMW-Schraube keine Verbesserung gegenüber existierenden Standards dar. Die Automobilindustrie hat sich weitgehend auf Torx- und Inbus-Schrauben standardisiert.

Community schlägt zurück

Adafruit demonstrierte die Verwundbarkeit von BMWs Ansatz durch erfolgreiches Reverse Engineering – nur anhand der Patentunterlagen. Das Unternehmen erstellte sowohl Plastik- als auch Metall-3D-Drucke der Schraube und des passenden Bits. Laut Adafruit funktionierten die Repliken einwandfrei.

Der Reverse-Engineering-Prozess nutzte die technischen Zeichnungen und Maße aus BMWs eigener Patentanmeldung. Diese ironische Situation illustriert eine fundamentale Herausforderung proprietärer Schrauben-Designs: Die öffentliche Patentanmeldung offenbart zwangsläufig die zur Reproduktion nötigen Informationen.

Adafruit hat jetzt auch Anleitungen für andere Maker bereitgestellt, die bereits aufgegriffen wurden. Weitere Personen haben bereits 3D-Dateien für Schrauben und Bits in Online-Repositories hochgeladen. Das mag eine Lösung für Hobbybastler sein, für professionelle Werkstätten aber eher eine Notlösung.


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