Rente: Merz will Lebensarbeitszeit statt Altersgrenze
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich auf einer CDU-Wahlveranstaltung in Ravensburg gegen ein starres Renteneintrittsalter ausgesprochen: Entscheidend sei nicht, ob jemand mit 61, 65 oder 68 in den Ruhestand gehe, so Merz, sondern wann er mit dem Arbeiten begonnen habe und wie viele Jahre er insgesamt im Beruf gewesen sei. Das berichten der Tagesspiegel(öffnet im neuen Fenster) und Reuters.
Merz betonte, dass auch die SPD Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. Die Sozialdemokraten könnten sich vorstellen, die Rentenhöhe künftig nicht mehr an einem abstrakten Eintrittsalter zu bemessen, sondern an der geleisteten Lebensarbeitszeit. Bereits jetzt weiche die Bundesregierung mit der sogenannten Aktivrente die bisherige Altersgrenze auf: Wer nach Erreichen des Rentenalters freiwillig weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei verdienen.
Die viel diskutierte Rentenhaltelinie von 48 Prozent sei hingegen nicht das Kernthema, so Merz. Wichtiger sei eine frühzeitige private Altersvorsorge. Wer schon früh mit kleinen Beträgen – etwa 50 Euro im Monat – beginne und diese Einzahlungen nie unterbreche, könne bis zum Ruhestand eine sechsstellige Altersversorgung aufbauen. Dieses Vorhaben sei mit der SPD bereits vereinbart.
Reformen noch in dieser Legislaturhälfte
Der Kanzler drängte auf umfassende Sozialreformen noch in diesem Jahr. In der zweiten Hälfte einer Wahlperiode sinke die Reformbereitschaft erfahrungsgemäß deutlich – die verbleibende Zeit müsse daher genutzt werden.
Merz erneuerte zudem seine Forderung, dass in Deutschland insgesamt mehr gearbeitet werden müsse. Konzepte wie Work-Life-Balance und die Vier-Tage-Woche seien kein geeignetes Mittel, um den langfristigen Wohlstand zu sichern. Konkrete Gesetzesinitiativen nannte er nicht.
Ob sich der Ansatz einer lebensarbeitszeitbasierten Rente in der Koalition tatsächlich durchsetzen lässt, bleibt offen. Die SPD hat Offenheit signalisiert – doch zwischen Gesprächsbereitschaft und konkreter Gesetzgebung liegt erfahrungsgemäß ein weiter Weg.



