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Ren Zhengfei: Huawei-Gründer fordert indirekt mehr Offenheit in China

Der Umsatz von Huawei steigt trotz US-Sanktionen weiter. Kurz nach seinem 80. Geburtstag lobt der Gründer die Offenheit der US-Technologiebranche.
/ Achim Sawall
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Huawei-Gründer und CEO Ren Zhengfei (Bild: Huawei)
Huawei-Gründer und CEO Ren Zhengfei Bild: Huawei

Der Gründer und Chef von Huawei Technologies, Ren Zhengfei, hat die "Offenheit und Inklusivität" der US-Technologiebranche gelobt. "Die USA sind diesbezüglich für alle Länder und Unternehmen weltweit ein Beispiel" , sagte er. Wenn ein Land "abgeschottet ist, fällt es zurück" , erklärte der 80-jährige Milliardär bei dem Programmierwettbewerb International Collegiate Programming Contest (ICPC), über das die South China Morning Post berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Ren dürfte darauf anspielen, dass es für Huawei nicht einfach ist, ausländische Fachkräfte ins Land zu holen. Staatliche Repression, auch beim Internetzugang oder besonders während der Coronapandemie, bauen neben der Einwanderungsbürokratie und Sprachbarriere weitere Hindernisse für ausländische Experten auf.

Laut der Anwaltskanzlei Choi und Partner(öffnet im neuen Fenster) müssen Ausländer für eine chinesische Green Card hohe Anforderungen erfüllen. "Sie müssen etwas Großartiges für China geleistet haben oder bestimmten Regeln entsprechen, drei Jahre dort gelebt und ein festes Einkommen haben" , erklären die Anwälte. Die chinesische Regierung braucht bis zu sechs Monate, um über die Genehmigung zu entscheiden.

Huawei hatte schon in der Vergangenheit, als man noch Google Produkte auf seinen Smartphones nutzen konnte, kein Interesse an der Sperrung durch die Great Chinese Firewall. Chinesische Unternehmen hätten wegen der US-Sanktionen aber "keine andere Wahl" , als eigene Technologien zu entwickeln, betone Ren.

Ren verteidigt technische Errungenschaften der USA

"Amerikanische Technologien und Werkzeuge sind sehr gut. Huawei kann sie nicht nutzen. Wir hatten keine andere Wahl, als eigene Werkzeuge zu entwickeln" , sagte Ren. "Offene Innovation und die Nutzung der fortschrittlichen Errungenschaften anderer ist der wahre Weg nach vorn für ein Unternehmen."

Im Mai 2019 baute der damalige US-Präsident Donald Trump den Wirtschaftsboykott gegen Huawei massiv aus, Präsident Joe Biden setzte diesen weiter fort. Beweise für Hintertüren in Huawei-Produkten wurden von den USA nie vorgelegt. Wenige andere chinesische Unternehmen sind von den Sanktionen betroffen. Huawei und China müssen deshalb versuchen, eine eigene moderne Chipfertigung zu entwickeln.

Umstritten ist, ob der chinesische Konzern Smic in der Lage ist, größere Mengen an komplexeren 7-nm-Chips mit einer wirtschaftlichen Yield-Rate zu fertigen. Daher dürfte Huawei über verdeckte Kanäle auf die Fertigungskapazität von TSMC zugreifen .

Huawei meldete in der vergangenen Woche trotz eines Umsatzsprungs einen Rückgang des Nettogewinns für die ersten neun Monate dieses Jahres, wie aus einer Einreichung an das Shanghai Clearing House hervorgeht. Der Konzern verzeichnete für den Zeitraum Januar bis September einen Gewinnrückgang um 13,7 Prozent auf 62,9 Milliarden Yuan (8,83 Milliarden US-Dollar). Der Umsatz stieg von 452,3 Milliarden auf 585,9 Milliarden Yuan (82,5 Milliarden US-Dollar). Huawei versucht erneut, die soliden Geschäftsergebnisse zu verstecken, denn es wurde keine offizielle Pressemitteilung veröffentlicht.

Huawei schlüsselt den Gewinn nicht für einzelne Geschäftsbereiche auf. Der Konzern verzeichnete im dritten Quartal einen Anstieg der Smartphone-Verkäufe in China um 42 Prozent, erkläte der Marktforscher IDC. Mit der Mate-60-Serie und dieses Jahr mit der P-Serie kann Huawei wieder 5G-Premium-Smartphones anbieten. Das neue Modell Mate XT wurde am selben Tag wie Apples iPhone 16 veröffentlicht. Das Smartphone hatte 7 Millionen Vorbestellungen trotz eines Durchschnittspreises von 3.000 Euro. Huawei wird voraussichtlich in diesem Monat die neue 5G-Smartphoneserie Mate 70 auf den Markt bringen.


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