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Relayr: Rückstandsglaube als Startup-Vorteil

Das Startup Relayr wollte unseren Alltag erleichtern. Das lief nicht. Jetzt ist es 300 Millionen US-Dollar wert, weil es Unternehmen die Angst vor Digitalisierung nimmt.

Artikel von Henrik Oerding/Zeit Online veröffentlicht am
Angefangen hat Relayr als Crowdfunding mit dem Produkt Wunderbar.
Angefangen hat Relayr als Crowdfunding mit dem Produkt Wunderbar. (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)

Relayr wollte mal unser Leben vernetzen. 2013 gegründet, baute das Berliner Unternehmen dafür Sensoren, die unsere Umgebung mit dem Internet verbinden sollten: einen Bewegungssensor, der verrät, wenn jemand vor der Tür steht. Einen Feuchtigkeitssensor, der sich meldet, sobald die Büropflanze Wasser braucht. Einen Temperatursensor, der Bescheid gibt, wenn das Wasser kocht.

Inhalt:
  1. Relayr: Rückstandsglaube als Startup-Vorteil
  2. Digitaler Industriestandort Deutschland?

Das klingt nach einer überflüssigen Spielerei: Wer vor der Tür steht, klingelt, die Palme neben dem Rechner senkt bei Durst die Blätter oder wird braun und dass das Wasser in den nächsten Minuten blubbert, sobald ich es im Topf auf den Herd stelle: logisch. Wie mit etwas Geld verdienen, was allenfalls Tüftlerinnen und Tüftler anspricht?

Die Geschichte von Relayr hätte leicht hier auserzählt sein können. Doch vor ein paar Wochen verkündete Geschäftsführer Josef Brunner: Das einstige Startup wird übernommen, vom milliardenschweren Versicherungskonzern Munich Re. Und das zum beachtlichen Unternehmenswert von 300 Millionen US-Dollar - einer der teuersten Startup-Verkäufe in Deutschland überhaupt.

Angefangen hatte Relayr als Crowdfunding. Die Wunderbar war das Produkt. Was aussah wie ein Schokoriegel, war gefüllt mit Elektronik statt mit Nougat: WLAN-Modul, Geräuschdetektor, Feuchtigkeitsmesser und ein paar weitere Sensoren. Die Zielgruppe: Softwareentwicklerinnen und -entwickler. Die sollten dann sinnvoll damit experimentieren, um Menschen noch näher mit den Dingen, die sie umgeben, zu vernetzen. Sogar ein Elektronikmarkt nahm die Riegel ins Sortiment.

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Doch die Idee blieb nischig. Und Relayr wäre vielleicht wieder verschwunden, wenn nicht Josef Brunner 2015 die Geschäftsführung übernommen und gemeinsam mit den Gründern entschieden hätte, das Geschäftsmodell zu wechseln. Anstelle von Alltagsgeräten stattet das Unternehmen mittlerweile Fabriken und Maschinen von industriellen Großkunden mit Sensoren aus. So betreut Relayr zum Beispiel die Kaffeemaschinen der Firma La Marzocco, die hauptsächlich in Cafés stehen. In den Geräten messen Sensoren Temperatur und Pfeifgeräusche, um festzustellen, wann einzelne Bauteile ausgetauscht werden müssen - und das, bevor sie kaputtgehen. Mit dieser frühzeitigen Wartung, dem Predictive Maintenance, sollen Unternehmen viel Geld sparen können. Und es ist der Bereich, in dem die anfänglichen Wunderbar-Sensoren gebraucht werden.

Mit dem neuen Geschäftsmodell sicherte sich Relayr mehr als 60 Millionen US-Dollar an Investitionen. Zu den Geldgebern gehörten der amerikanische Risikokapitalgeber Kleiner Perkins, die Telekom und eben auch die Rückversicherung Munich Re.

Relayr profitiert vom Hinterherhinken

Der Erfolg von Relayr hat aber noch einen weiteren entscheidenden Baustein. Deutschland, gerade vom Weltwirtschaftsforum zum innovativsten Land der Welt bestimmt, haftet ein Stigma an: Ausgerechnet in Sachen Digitalisierung hinken Firmen, ja die Gesellschaft hinterher, heißt es immer wieder. Relayr profitiert davon. Denn Unternehmen, die noch nicht auf das Internet vorbereitet sind, brauchen Hilfe. Und genau die kann Relayr bieten.

Wie schlecht es um die Digitalisierung bestellt ist (und wie groß dementsprechend das Marktpotenzial von Relayr), verdeutlichen zwei Indizes: Im europäischen Vergleich sieht der EU-Digitalisierungsindex Desi Deutschland als mittelmäßig digitalisiert. Der Wirtschaftsindex Digital, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim für das Bundeswirtschaftsministerium erhebt, gibt der deutschen Wirtschaft 54 von 100 möglichen Punkten. Die Industrie liegt dabei mit 45 Punkten noch hinter der Gesamtwirtschaft. Viele Firmen sind schlicht noch nicht auf vernetzte Geschäftsmodelle vorbereitet - gerade in der Industrie. Immerhin sei das Bewusstsein in den Unternehmen dafür in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, sagt Irene Bertschek, die Leiterin des Forschungsbereichs Digitale Ökonomie am ZEW und eine der Autorinnen der Studie. War 2016 noch fast die Hälfte der Industrieunternehmen der Ansicht, dass Digitalisierungsprojekte gar nicht notwendig seien, fanden das 2018 nur noch 29 Prozent.

Digitaler Industriestandort Deutschland? 
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McAngel 25. Okt 2018

Dem kann ich nur beipflichten. Mein Chef wollte keine weiteren Schritte in Richtung...

menecken 24. Okt 2018

Interessant ! Wieder was gelernt. Und sehr löblich von euch ! Vielen dank für die...

plutoniumsulfat 24. Okt 2018

Bei wem?

berritorre 24. Okt 2018

Naja, das hätte deinem Freund auch selbst klar sein, dass man sich so allgemeine Worte...


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