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Digitaler Industriestandort Deutschland?

Spätestens, seit der Hype-Begriff Industrie 4.0 überall zu lesen ist, wird genau darauf geschaut, wie digital Unternehmen wirklich sind. Auch wenn nicht immer klar ist, was sich dahinter verbirgt. Ein Onlineshop, Maschinen mit LAN-Kabel, ein Tablet für jede Mitarbeiterin? "Hauptsache digital", heiße es oft. Das liege auch am größer gewordenen öffentlichen Druck, sagt Irene Bertschek.

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Denn die Industrie ist wichtig für Deutschland - und das seit Jahren nahezu unverändert. Noch erlangt sie Spitzenpositionen, schafft Arbeitsplätze, steigert den Konsum, weil sich Leute etwas leisten können. Doch wenn mangelnde Digitalisierung hier die Gewinne kaputt macht, könnte das zum Problem für die Bundesrepublik werden. Relayr will offenbar der Retter sein: "Ich glaube, dass wir in Deutschland gerade an einem Wendepunkt sind", sagt Relayr-CEO Brunner. Während bei sozialen Netzwerken, im E-Commerce, beim Videostreaming oder bei Suchmaschinen, in allen eher für private Nutzerinnen und Nutzer interessanten Bereichen amerikanische Unternehmen dominieren, könnte das in der Industrie anders aussehen. "Die Deutschen haben weltweit eine sehr gute Reputation auf die Industrie bezogen, das hilft uns sehr", sagt CEO Brunner.

Vorausgesetzt, es wird in die Digitalisierung investiert und sie wird auch umgesetzt - dann versprächen sich die Unternehmen davon große Vorteile, sagt die Forscherin Bertschek. Prozesse könnten optimiert werden, Kosten reduziert, Produkte verfeinert. Alles Dinge, die Relayr erkannt hat: Mit dem Verbau von Sensoren können Maschinen frühzeitig gewartet werden. Wartezeiten für Reparaturen und mögliche Produktionsausfälle ließen sich so reduzieren oder ganz vermeiden. "Wenn sich deutsche Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil in Sachen Digitalisierung verschaffen wollen, funktioniert das am ehesten über die Industrie", sagt auch Irene Bertschek vom ZEW.

Nicht trotz, sondern wegen der Digitalisierung so erfolgreich

Relayr, so scheint es, ist nicht trotz Deutschland so weit gekommen, sondern wegen Deutschlands Digitalisierung. Das perfekte Narrativ. Eigentlich. Denn die Digitalisierung in der Industrie sei besser, als oft behauptet werde, sagt Sabine Pfeiffer, Professorin für Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. "Es geht dabei ja um Know-how für Produktions- und Fertigungstechnologie. Und da ist die deutsche Industrie, vor allem der Maschinenbau, längst vornedran." Brauchen Unternehmen Dienstleister wie Relayr also überhaupt? Das entscheidet sich auch daran, was mit den in den Maschinen gewonnenen Daten angefangen wird. "Um zu verstehen, ob es echte Zusammenhänge in den Daten gibt, braucht es Verständnis für die konkreten Prozesse, die in der Maschine oder Anlage ablaufen. Das kann die Industrie selbst besser als irgendein Startup ohne Erdung in der Produktion", sagt Pfeiffer. Weil es sich oft um sensible Daten handele, teilten Unternehmen sie nur ungern mit externen Dienstleistern, die auch für die Konkurrenz arbeiteten.

Das spricht gegen das Konzept Relayr. Immerhin könnte die Übernahme durch Munich Re - ein Unternehmen aus dem eher als konservativ geltenden Versicherungsmarkt - dem Unternehmen Vertrauen einbringen.

Relayr entwickelt sich ständig weiter, so wie schon einst nach der Erfindung der Wunderbar. Der größte Teil der Firmenprojekte hänge nur noch am Rande mit Sensoren zusammen, etwa 80 Prozent der Kundenprojekte drehten sich um neue digitale Geschäftsmodelle, sagt Brunner. Dahinter stecken "Everything as a service"-Modelle als neuartige Dienstleistungen: zum Beispiel ein Druckmaschinenhersteller, der seine Maschinen nicht mehr an Druckereien verkauft, sondern die Kunden künftig pro gedruckte Seite abrechnet. Insbesondere langfristig ist das ein lohnenswertes Geschäft - auch für Relayr. Denn außer der technischen Verwaltung gibt es noch andere smarte Möglichkeiten: Die Druckmaschine könnte zum Beispiel selbstständig Farbe und Papier bestellen, bevor die Vorräte zur Neige gehen.

Klingt also wieder nach Vernetzen, die Idee, mit der auch die Wunderbar unser Leben verbessern wollte. Nur statt mit einem Schokoriegel jetzt mit 300 Millionen Dollar in der Tasche.

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 Relayr: Rückstandsglaube als Startup-Vorteil
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McAngel 25. Okt 2018

Dem kann ich nur beipflichten. Mein Chef wollte keine weiteren Schritte in Richtung...

menecken 24. Okt 2018

Interessant ! Wieder was gelernt. Und sehr löblich von euch ! Vielen dank für die...

plutoniumsulfat 24. Okt 2018

Bei wem?

berritorre 24. Okt 2018

Naja, das hätte deinem Freund auch selbst klar sein, dass man sich so allgemeine Worte...


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