Reisen: Bahn beendet Ticketkauf beim Schaffner

Wer nach dem Einsteigen ein Ticket bei der Bahn kaufen will, braucht bald einen zuverlässigen mobilen Internetzugang und muss sich beeilen.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Wer beim Einsteigen noch kein Ticket hat, kann es ab 2022 nicht mehr beim Schaffner kaufen.
Wer beim Einsteigen noch kein Ticket hat, kann es ab 2022 nicht mehr beim Schaffner kaufen. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Ab dem 1. Januar 2022 werden von der Deutschen Bahn keine Papier-Fahrkarten mehr in Fernzügen von Schaffnern verkauft. Die Bahn beendet diese Art des Ticketverkaufs bewusst und setzt stattdessen darauf, dass die Kundschaft komplett selbst den Fahrkartenkauf erledigt - allerdings mit hohem Zeitdruck.

Wer dann künftig noch spontan in einen Zug einsteigt, muss sein Ticket schnell mit dem Laptop oder dem Handy buchen. Dafür bleiben nach der Abfahrt des Zuges zehn Minuten Zeit. Das alles setzt voraus, dass der Zug nicht gerade in einem Funkloch steckt und der Kauf eines Online-Tickets somit technisch nicht möglich ist.

Die Bahn verlegt mit diesem Schritt eine weitere Dienstleistung ins Internet. Zugbegleiter haben kein gutes Gefühl dabei - Fahrgastvertreter dagegen schon.

Pro Bahn sieht keine Probleme

"Kein großer Verlust", heißt es beim Fahrgastverband Pro Bahn. "Nach unserer Beobachtung nutzen das vor allem Geschäftsleute, denen es auf das Geld nicht ankommt und die zwei Handys dabeihaben", sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Diese Kunden könnten problemlos online nachlösen. Die meisten übrigen Kunden buchten frühzeitig, um Tickets zu einem möglichst günstigen Preis zu erhalten.

Wer derzeit im Zug bucht, bekommt nur noch den vergleichsweise teuren Flexpreis. Dazu kommen 17 Euro Bordzuschlag. Dieser Zuschlag lag 2016 noch bei 7,50 Euro. Die Bahn erhöhte die Gebühr jedoch bewusst, um den Kauf beim Schaffner zurückzudrängen, wie die Verantwortlichen damals erklärten. Fahrgäste sollten mehr Handy-Tickets buchen und Zugbegleiter mehr Zeit für die Betreuung der Fahrgäste bekommen.

Gewerkschaft sieht Konfliktpotenzial

"Der Ticketkauf an Bord soll einfacher, preiswerter und digitaler werden", bewirbt die Bahn die künftigen Pläne. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft hält die Entscheidung jedoch für falsch. "Für unsere Kollegen befürchten wir am Ende mehr Konfliktpotenzial auf den Zügen", heißt es von der Gewerkschaft.

"Wir haben immer für ein offenes System plädiert, das Reisenden im Fernverkehr spontan die Möglichkeit eröffnet, den Zug als ideales Verkehrsmittel zu wählen", betonte die Gewerkschaft. Die Bahn verwies auf die Erweiterung beim Online-Ticket, die schon ab April 2021 gilt. "Es wird auch weiterhin für spontan Reisende im Fernverkehr die Möglichkeit geben, noch im Zug ein Ticket zu kaufen."

Weniger als ein Prozent der Fahrkarten wurden im Zug gekauft

Nach Bahn-Angaben wurden in den vergangenen Jahren stets weniger als ein Prozent der Fahrkarten im Zug verkauft. Im Nahverkehr der Deutschen Bahn und in der S-Bahn müssen Fahrkarten ohnehin vor der Fahrt gelöst werden. Nur bei Bahn-Konkurrenten im Regionalverkehr gibt es den Kauf beim Schaffner teilweise noch.

"Das kostet viel Zeit, die für andere Service-Aufgaben fehlt", sagte Fahrgastvertreter Naumann. "Fragen etwa zu Anschlusszügen zu beantworten ist wichtiger, als Tickets zu verkaufen."

Wenn der Ticketkauf online nicht klappt

Pro Bahn verlangt aber eine Rückfallebene für den Fall, dass der Kauf online oder am Automaten nicht funktioniert. "Wir fordern, dass der Zugbegleiter dann die Daten aufnimmt und die Bahn später eine Rechnung schickt" - ohne "erhöhtes Beförderungsentgelt", versteht sich.

Für Fahrgäste entfällt mit dem Kauf der Karte beim Schaffner ein weiterer Routine-Kontakt zum Personal. Schon seit einiger Zeit können sie sich mit dem sogenannten Komfort-Check-in selbst im Zug anmelden und die Kontrolle des Handy-Tickets vermeiden. Vor der Coronapandemie wurde etwa jede zweite Fahrkarte online gekauft.

Die Gewerkschaft forderte eine breite Kampagne über die Änderung. Alle Fahrgäste müssten frühzeitig und umfassend informiert werden. Denn sonst seien Konflikte zu befürchten, wenn ahnungslose Fahrgäste nach dem Stichtag noch beim Zugpersonal nachlösen wollten.

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katze_sonne 12. Feb 2021

Und ich sehe das bei meiner Oma: Die hat Lust, sich damit zu beschäftigen - und trotzdem...

narfomat 12. Feb 2021

na dann... bei 150Mio fahrgästen im fernverkehr pro jahr sind das dann ja nur ca. 1...

wurstdings 11. Feb 2021

Na dann sollte man das abschaffen! Was auch immer da los war, bei mir hats noch nie...

DragonHunter 11. Feb 2021

Wieso ist das intransparent? Die Kosten sind nachvollziehbar berechnet und nicht davon...



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