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Reichweitenverluste: Politik-Streamer werfen Youtube Zensur vor

Mehrere politische Youtube-Kanäle verzeichnen große Reichweitenverluste. Die Betroffenen vermuten neue KI-Tools als Ursache.
/ Nils Matthiesen
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Politische Youtuber berichten von Reichweiten-Absturz (Bild: Youtube / Screenshot Golem.de)
Politische Youtuber berichten von Reichweiten-Absturz Bild: Youtube / Screenshot Golem.de

Mehrere politische Youtube-Kanäle im deutschsprachigen und US-amerikanischen Raum stellen seit Anfang April starke Rückgänge bei ihren Abruf- und Abonnentenzahlen fest. Die betroffenen Creator, die sich vorwiegend kritisch mit der US-Regierung auseinandersetzen und pro-demokratische Inhalte verbreiten, vermuten systematische Einschränkungen durch die Plattform.

Der Tech-Journalist Sascha Pallenberg(öffnet im neuen Fenster) berichtete in seinem Podcast Metachless von einem Einbruch seiner monatlichen Abrufzahlen um 60 Prozent. Während sein Kanal im Frühjahr noch rund 6 bis 7 Millionen Aufrufe pro Monat und täglich etwa 200 bis 250 neue Abonnements generiert habe, sei das Wachstum im Mai auf 20 bis 30 neue Abonnenten pro Tag gesunken.

Ähnliche Entwicklungen meldete der Youtuber Hey Wolfi(öffnet im neuen Fenster). Seine monatlichen Neuregistrierungen brachen von Spitzenwerten zwischen 6.000 und 10.000 auf weniger als 3.000 ein. Nach Bereinigung um die geänderte Zählweise von Kurzvideos verbleiben seit Ende April rund 2 Millionen Klicks auf seinen Hauptinhalten – der schlechteste Wert seit rund einem Jahr.

Neben deutschen Kanälen meldeten prominente US-Kanäle wie David Pakman(öffnet im neuen Fenster) (mehr als 3 Millionen Abonnenten), Keith Edwards(öffnet im neuen Fenster) und der Romano Report(öffnet im neuen Fenster) seit Anfang April ähnliche Reichweitenverluste zwischen 30 und 60 Prozent.

Algorithmus oder gezielte Einschränkung?

Die Creator sehen in den Daten mehr als normale Schwankungen. Koshi Politik dokumentierte, dass der Anteil von Nicht-Abonnenten an seinen Videoaufrufen von rund 50 auf teils nur noch 8 Prozent gesunken sei – ein Hinweis darauf, dass Youtube die Inhalte kaum noch neuen Nutzern ausspielt.

Gleichzeitig stieg seine Klickrate leicht an, was auf den ersten Blick positiv wirkt, tatsächlich aber bedeutet, dass die Videos einer immer kleineren, bereits vertrauten Zielgruppe gezeigt werden. Zudem berichteten Hunderte Nutzer in Kommentarspalten, dass ihre Benachrichtigungseinstellungen von "Alle" auf "Personalisiert" zurückgesetzt worden seien, ohne dass sie das selbst veranlasst hätten.

KI-Analyse als wahrscheinlichere Erklärung

Eine direkte politische Weisung an Youtubes Algorithmus halten einige der Betroffenen für unwahrscheinlich. Plausibler erscheint ihnen der massive Ausbau KI-gestützter Inhaltsbewertung, den Youtube seit Anfang des Jahres vorantreibt. Während früher menschliche Prüfer Keywords abglichen, kann die neue KI gesprochene Inhalte Wort für Wort im Kontext analysieren.

Kanäle, die im Partnerprogramm politisch sensible Themenbereiche deklarieren müssen, sind für Werbepartner ohnehin weniger attraktiv und werden seltener ausgespielt. Dass die KI diese Einschätzung nun präziser und automatisierter vornehmen kann als bisher, könnte den beobachteten Effekt erklären, ohne dass es einer bewussten Entscheidung bedarf.

Ob Youtube die Einschränkungen einräumt oder technisch begründet, ist derzeit offen. Eine Anfrage von Golem wurde noch nicht beantwortet.

Update: Statement von Youtube

Auf Anfrage von Golem erklärt das Unternehmen, dass Engagement-Metriken naturgemäß durch sich verändernde Zuschauerinteressen, saisonale Gewohnheiten und globale Nachrichtenlagen schwanken. Interne Überprüfungen hätten jedoch ergeben, dass Such-, Entdeckungs- und Empfehlungssysteme normal funktionierten. Das Empfehlungssystem bevorzuge oder benachteilige Inhalte ferner nicht aufgrund politischer Ausrichtung.

Konkret räumt Youtube jedoch eine Änderung ein, die zumindest einen Teil der gemeldeten Probleme erklären könnte: Das Unternehmen passte kürzlich an, wie Push-Benachrichtigungen für inaktive Abonnenten funktionieren. Wer einen Kanal zwar abonniert, aber dessen Inhalte seit etwa einem Monat nicht mehr angeschaut hat, bekommt demnach keine Benachrichtigungen mehr zugestellt – um zu verhindern, dass Nutzer Benachrichtigungen ganz abschalten. Für aktiv engagierte Abonnenten habe sich nichts geändert, so Youtube. Warum jedoch die Impressionen – also wie oft Youtube Videos überhaupt auf der Startseite ausspielt – bei den betroffenen Kanälen seit Anfang April einbrachen, beantwortet das Statement nicht.


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