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Die Icann guckt den Registries auf die Finger

Die Icann organisiert diese Arbeitsgruppen und macht technische, rechtliche, administrative und vertriebliche Vorgaben. Die globale Organisation, die - wie der Name sagt - für die Verwaltung der Namen (=Domains) und Nummern (=IP-Adressen) im Internet zuständig ist, hat ihren Hauptsitz im kalifornischen Marina del Rey. Als Experiment von der Clinton-Regierung im Jahr 1998 initiiert, arbeitet Icann nach dem sogenannten Multi-Stakeholder-Bottom-up-Prinzip.

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Das bedeutet, Initiativen zur Weiterentwicklung des Internets werden in ehrenamtlich tätigen Arbeitsgruppen debattiert und als Entscheidungsvorlage durch die Icann-Direktoren verabschiedet. Auch dotBerlin arbeitet seit dem Jahr 2006 in diesen Arbeitsgruppen mit - aktuell in einer, in der diskutiert wird, welche Rahmenbedingungen und Kriterien der vergangenen Antragsphase für neue Top-Level-Domains verändert werden sollen.

Mit anderen Freiwilligen erstellt dotBerlin den gTLD Marketplace Health Index, der den Zustand und die Vielfalt des globalen gTLD-Marktes analysiert. Einmal beschlossen, ist es Aufgabe des Teams bei Icann, die Entscheidungen aus den Arbeitsgruppen in verbindliche Handlungsanleitungen, Verträge und Vorgehensweisen umzusetzen.

Diese Prozesse dauern wegen des Multi-Stakeholder-Ansatzes häufig viele Jahre, denn einen Konsens zwischen Regierungen, Wirtschaft, Nutzern und technischer Community zu erzielen, bedeutet vor allem viele Gespräche und Überzeugungsarbeit, aber auch eine Menge guten Willen und Kompromissbereitschaft. Am Ende geht es darum, die Mission von Icann zu gewährleisten, nämlich für Sicherheit und Stabilität im Internet zu sorgen. Also beispielsweise, DNS-Missbrauch einzudämmen und globale Regeln für den Betrieb von Top-Level-Domains zu entwickeln.

Knapp 400 Mitarbeiter sorgen in Niederlassungen auf allen Kontinenten dafür, dass Registries, Registrare und Internetnutzer fast immer jemanden bei Icann in ihrer Zeitzone erreichen. Sie sind auch diejenigen, die die Vorgaben der Icann in technischer, rechtlicher und administrativer Hinsicht beobachten und Registries und Registrare dazu verpflichten, sie einzuhalten. Geht beispielsweise eine Beschwerde eines Internetnutzers bei Icann ein, dass er seine Domain beim Registrar nicht umziehen konnte, wird Icann tätig. Ebenso, wenn eine Domain für Phishing-Attacken genutzt wird.

Aufwendiger Bewerbungsprozess für Top-Level-Domains

Den Betrieb einer eigenen Top-Level-Domain überlässt Icann einem Unternehmen nicht einfach so, und man kann eine eigene Top-Level-Domain auch nicht kaufen wie eine Domain. Potenzielle Betreiber einer Lizenz für eine neue Top-Level-Domain durchlaufen ein strukturiertes Antragsverfahren. Diese Verfahren organisierte Icann bisher in sogenannten Runden, das heißt im Rahmen von in sich geschlossenen und begrenzten Zeitfenstern. Bewerbungen für TLD-Lizenzen hat Icann bisher erst in drei Zeitfenstern entgegengenommen - in den Jahren 2000, 2004 und 2012.

Wer sich für eine Lizenz interessierte, musste in den Jahren 2000 und 2004 lediglich einen sogenannten Beauty Contest absolvieren. Von dem skurrilen Verlauf dieser Contests zeugen heute noch cartoonartige Videos auf Youtube. Erst im Jahr 2012 wurde aus dem vergleichsweise banalen ein aufwendiges Verfahren.

Nach vielen Jahren Verhandlungen in den ehrenamtlichen Arbeitsgruppen bei Icann wurden die Rahmenbedingungen in Form eines Applicant Guidebook in knapp 350 Seiten festgelegt. Dieser Rahmen gliedert sich in folgende Teilbereiche: Wer ist Lizenznehmer? Welches Betriebsmodell und welche Richtlinien plant der Lizenznehmer? Wie wird der Lizenznehmer die Top-Level-Domain technisch betreiben? Wie ist der Lizenznehmer wirtschaftlich aufgestellt?

Alle Bewerber mussten 50 Fragen beantworten; die Bewerbungsdokumente muteten teilweise an wie Promotionen, mit 400 bis 500 Seiten Text und zahlreichen Kopien und Anhängen. Mit der Bewerbung musste an die Icann eine Bewerbungsgebühr in Höhe von 185.000 US-Dollar gezahlt und es musste eine Notfallbürgschaft abgeschlossen werden. Trotz des Aufwandes machten über 1.400 Unternehmen von dieser Möglichkeit Gebrauch und reichten Bewerbungen für gut 1.900 Top-Level-Domains ein.

Icann hatte nicht mit einer derart großen Zahl an Bewerbungen gerechnet, so dass die Prüfung der eingereichten Antworten die Organisation selbst und eine Reihe von Dienstleistern wie Interpol, KPMG und .SE mehrere Jahre lang beschäftigte. Nach erfolgreicher Prüfung unterzeichneten die Betreiber mit Icann einen Vertrag, ehe die TLD in den zentralen Root-Server der Iana eingetragen wurde. Die ersten Betreiber gingen ab dem Spätsommer 2013 online, die letzten Bewerbungen sind noch immer in Bearbeitung.

Katrin Ohlmer ist Expertin für Internet-Endungen und Internet-Verwaltung. Die studierte Ökonomin arbeitet seit 1994 in der ITK-Branche. Sie ist Geschäftsführerin der dotBerlin GmbH & Co. KG, Gründerin der Hamburg-Top-Level-Domain GmbH sowie Gründerin und Geschäftsführerin der auf Internet-Endungen spezialisierten Unternehmensberatung Dotzon. Sie spricht regelmäßig auf internationalen Konferenzen und Fachtagungen und engagiert sich in Fachgremien bei der Internetbehörde Icann, die sich mit der Weiterentwicklung des Namensraumes im Internet beschäftigen.

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Anonymer Nutzer 20. Jun 2019

merke: messer, gabel, zertifikate und licht gehören in staatshände nicht.


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