Redtube: Pornostream-Abmahner tauchen offenbar unter

Staatsanwaltschaften ermitteln gegen die Urheber der Redtube-Abmahnungen. Die verwischen ihre Spuren: Websites sind abgeschaltet, Adressen falsch, eine Firma umgezogen.

Artikel veröffentlicht am , Kai Biermann/Zeit Online
Redtube-Website
Redtube-Website (Bild: Achim Sawall/Golem.de)

Der Fall der Abmahnungen wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen von Nutzern des Pornoportals Redtube ist inzwischen reichlich dubios. Das Verhalten der Abmahner ist so auffällig, dass es den Verdacht nahelegt, es handele sich um Betrüger.

Inhalt:
  1. Redtube: Pornostream-Abmahner tauchen offenbar unter
  2. Briefkastenfirma ohne Briefkasten

Die Abmahnungen haben für Aufregung gesorgt, weil sie auf so zweifelhaftem Wege zustande kamen. Mehr dazu, wie die Daten für die Abmahnungen unter Umständen erzeugt wurden, steht beispielsweise hier in einem ausführlichen Blogpost. Den Abmahnern wird das Ganze nun offenbar zu heikel, sie sind abgetaucht. Denn längst sind die Jäger zu Gejagten geworden.

In Auftrag gegeben hatte die Abmahnungen von Tausenden deutschen Nutzern eine Firma aus der Schweiz. Sie heißt The Archive AG. Zumindest sagte Anwalt Thomas Urmann, der die Abmahnungen letztlich verschickte, dass er dabei im Namen dieser Firma gehandelt habe.

The Archive selbst war für Nachfragen zu dem Thema nie zu erreichen, man reagierte dort weder auf Mails noch auf Anrufe. Und nun gibt es auch keine Firma mehr, The Archive ist nahezu verschwunden. Die Website ist tot, das Telefon klingelt zwar, aber es geht niemand ran.

Lediglich einmal hatte sich das Unternehmen bislang zu Wort gemeldet. Am 22. Dezember 2013 hatte ein gewisser Ralf Reichert im Namen der Firma per E-Mail eine Erklärung verschickt und von einer "Vielzahl von falschen Spekulationen" berichtet. Doch schon wenige Tage später haben die Verantwortlichen das Unternehmen offensichtlich verschwinden lassen.

Wie aus Daten des Schweizer Handelsregisters hervorgeht, bekam die Firma The Archive AG am 27. Dezember einen neuen Chef und einen neuen Firmensitz. Der bisherige "Direktor mit Einzelunterschrift" der AG, Philipp Wiik, ist von dieser Funktion zurückgetreten. Er hatte das Unternehmen 2011 gegründet, nun firmiert jemand namens Djengue Nounagnon Sedjro Crespin als Direktor, laut Handelsregister beninischer Staatsangehöriger. Außerdem zog das Unternehmen demnach vom schweizerischen Bassersdorf nach Weisslingen.

Websites verschwunden

Es sieht ganz danach aus, als sei ein Strohmann eingesetzt worden, damit die Verantwortlichen einer eventuellen Strafverfolgung entgehen können. Christian Solmecke ist einer der Anwälte, die Abgemahnte vertreten. Er formuliert es etwas vorsichtiger. "Das ist zumindest kurios", sagt er.

Gleichzeitig ist eine weitere Website verschwunden - die des Unternehmens, das die IP-Adressen der Pornonutzer aus dem Netz gefischt haben will. Die Abmahner hatten argumentiert, eine Software namens Gladii 1.1.3 habe die IP-Adressen der Redtube-Nutzer ermittelt. Die Software sei von einer Firma namens itGuards bereitgestellt worden. Erst einen Tag, bevor ein Gutachten einer Kanzlei namens Diehl & Partner bestätigte, dass Gladii 1.1.3 ordnungsgemäß arbeitet und IPs erfasst, war die Firma itGuards im US-Bundesstaat Delaware registriert worden. Nun ist sie wieder verschwunden. Die Website von itGuards ist nicht mehr erreichbar. Ihre Webadresse http://itguards.net/ führt in eine Sackgasse.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Briefkastenfirma ohne Briefkasten 
  1. 1
  2. 2
  3.  


freddypad 20. Jan 2014

Die Versicherung zahlt doch nicht Geld, welches jemand durch ein Gerichtsurteil als...

User_x 19. Jan 2014

offenbach süd (lauterborn) und hinter der messe ist der soziale brennpunkt etwas...

borg 19. Jan 2014

Na ja, noch schlimmer sind die Richter die die Herausgabe der Anschlussdaten durch die...

borg 19. Jan 2014

Danke; Herr Obama, für Ihre Zusage Frau Merkel nicht mehr abzuhören. Dann ist ja wieder...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
JPEG XL
Die Browserhersteller sagen nein zum Bildformat

JPEG XL ist das überlegene Bildformat. Aber Chrome und Firefox brechen die Implementierung ab. Wir erklären das Format und schauen auf die Gründe für die Ablehnung.
Eine Analyse von Boris Mayer

JPEG XL: Die Browserhersteller sagen nein zum Bildformat
Artikel
  1. Bluebrixx Klingon Bird-of-Prey 104584: Worf wäre stolz auf dieses Star-Trek-Set
    Bluebrixx Klingon Bird-of-Prey 104584
    Worf wäre stolz auf dieses Star-Trek-Set

    Auch wenn die Steinequalität nicht an Lego heranreicht, macht der Bird-of-Prey die Weiten der Sammelvitrine unsicher - Qapla', Bluebrixx!
    Ein Test von Oliver Nickel

  2. Plattform oder Dienst betreiben: Macht es wie die Maurer!
    Plattform oder Dienst betreiben
    Macht es wie die Maurer!

    Warum man die Operationalisierung einer Plattform nicht zu sehr aufblasen sollte, man durch Silodenken aber viel anfälliger für Ausfälle wird.
    Ein Ratgebertext von Felix Uelsmann

  3. Knockout City: Drei Games-as-a-Service weniger in einer Woche
    Knockout City
    Drei Games-as-a-Service weniger in einer Woche

    Rumbleverse, Apex Legends Mobile und Knockout City: Innerhalb weniger Tage heißt es Game Over für drei bekannte Multiplayerspiele.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Mindfactory DAMN-Deals: Grakas, CPUs & Co. • HTC Vice 2 Pro Full Kit 899€ • RAM-Tiefstpreise • Amazon-Geräte bis -50% • Samsung TVs bis 1.000€ Cashback • Corsair HS80 7.1-Headset -42% • PCGH Cyber Week • Samsung Curved 27" WQHD 267,89€ • Samsung Galaxy S23 vorbestellbar [Werbung]
    •  /