Abo
  • Services:

Redox OS: Wer nicht rustet, rostet

Die Programmiersprache Rust zieht mit ihrem Versprechen von weniger fehleranfälligen und trotzdem schnellen Programmen einige Aufmerksamkeit auf sich. Was liegt also näher, als ein ganzes Betriebssystem damit zu schreiben? Ein Blick auf Redox OS.

Artikel von Christoph Reiter veröffentlicht am
Trotz des jungen Alters verfügt Rust schon über ein GUI.
Trotz des jungen Alters verfügt Rust schon über ein GUI. (Bild: Christoph Reiter)

Die von Mozilla als sichere Alternative zu C und C++ positionierte Sprache Rust soll zur Systemprogrammierung eingesetzt werden. Das heißt, zusätzlich zu besonders großen oder sicherheitskritischen Anwendungen sollen mit Rust auch grundlegende Bestandteile wie Treiber oder gar ganze Betriebssysteme erstellt werden. Letzteres versucht das Projekt Redox OS umzusetzen, beschränkt sich dabei aber nicht auf eine sichere Implementierung in Rust, sondern dient auch als Experimentierumgebung für viele weitere Grundbausteine eines Systems.

Inhalt:
  1. Redox OS: Wer nicht rustet, rostet
  2. Feuertaufe von Rust

Das Designprinzip von Redox OS ist wie bei den meisten aktuellen Betriebssystemen Unix-ähnlich. Zu dem wohl bekanntesten, Linux, ist Redox aber nicht direkt kompatibel. Das bedeutet: Programme müssen von Linux portiert werden, um unter Redox OS lauffähig zu sein, der Aufwand sollte sich für kleinere Anwendungen aber in Grenzen halten. Wichtige Vorbilder beim Design von Redox OS waren neben Linux Plan9 (alles ist eine URL), Minix (Mikrokernel) und BSD, doch dazu später mehr.

Einfache Installation zum Ausprobieren

Trotz des vergleichsweise noch sehr geringen Projektalters und des kleinen Teams kann Redox bereits einfach ausprobiert werden. Auf der Projektseite kann dazu das aktuelle Installationsmedium heruntergeladen werden oder alternativ auch ein fertiges Festplattenimage für die gängigen Virtualisierungsprogramme. Die Abbilder sind mit etwa 30 MByte geradezu winzig, der Installer von Redox fällt etwas größer aus, da dieser derzeit noch auf Linux aufbaut.

  • Bei deutschem Tastaturlayout verhält sich die Auflösungsauswahl anfangs widerspenstig. (Bild: Christoph Reiter)
  • Login per Tastendruck, Benutzername und Passwort kennt Redox noch nicht. (Bild: Christoph Reiter)
  • Endlich in der ersten Shell, ab jetzt kann die Erkundungstour beginnen. (Bild: Christoph Reiter)
  • Die Auswahl an Befehlen ist noch übersichtlich. (Bild: Christoph Reiter)
  • Diese Tetris-Runde fand ein kreatives Ende. (Bild: Christoph Reiter)
  • Programmieren wie im Film - H4xx3r machts möglich. (Bild: Christoph Reiter)
  • Orbital in vollem Einsatz: auch Grafik kann Redox OS schon. (Bild: Christoph Reiter)
Bei deutschem Tastaturlayout verhält sich die Auflösungsauswahl anfangs widerspenstig. (Bild: Christoph Reiter)

Ein kurzer Test des fertigen Images für Qemu verläuft weitgehend problemlos. Beim Start fragt der Bootloader nach der zu verwendenden Bildschirmauflösung, da diese in der virtuellen Maschine nicht erkannt wird. Nachdem einige Versuche fehlgeschlagen sind, dies mit der Y-Taste zu bestätigen, kommt die Erleuchtung: Die Tastaturbelegung ist US-amerikanisch, und ein Druck auf Z bestätigte die richtige Auflösung. Nach dem Boot grüßt eine Textkonsole mit einer Anmeldeaufforderung. Diese ist allerdings noch nicht funktionsfähig, so dass der Druck auf Enter ausreicht, um in der Shell zu landen.

Zahlreiche Werkzeuge im Lieferumfang enthalten

Stellenmarkt
  1. Lidl Digital, Berlin
  2. KeyIdentity GmbH, Weiterstadt

Bei der Shell handelt es sich um Ion, die eine Neuentwicklung in Rust ist und neben interaktiven Komfortfunktionen wie Tab-Vervollständigung auch Unterstützung für Skripte bietet. Die Arbeiten an deren Syntax sind allerdings noch nicht vollendet. Zum einfachen Testen kann Ion auch unter Linux ausgeführt werden.

Im Redox OS Image befinden sich darüber hinaus zurzeit rund 70 weitere Programme. Für die Shell sind dies die Redox OS Coreutils, welche die BSD Coreutils in Rust neu implementieren. Diese bieten grundlegenden Funktionen wie zum Beispiel das Erstellen von Dateien und Verzeichnissen oder die Navigation im Dateisystem.

In der Programmsammlung befinden sich auch eine Reihe konsolenbasierter Unterhaltungsprogramme, wie etwa eine Implementation von Tetris (Reblox), Snake und ein der Website Hackertyper nachempfundener Programmiersimulator (H4xx3r). Leider sind nicht alle diese Programme stabil. So stürzt etwa Snake zuverlässig ab, falls man das Spiel verliert, und reißt gleich das ganze System mit sich.

Interessant wäre es, einen Rust Compiler direkt im System zu haben, da Redox OS dann bereits seine eigene Entwicklungsumgebung bereitstellen würde. Dies wurde allerdings noch nicht umgesetzt.

Von Schwarz-Weiß zu Farbe

Zusätzlich zur Kommandozeile gibt es noch die grafische Oberfläche "Orbital" mit einigen dafür entwickelten Programmen. Gestartet wird sie durch die Eingabe von orbital in die Textkonsole. Danach präsentiert sich Redox OS in einem sehr schlichten, aber ansprechenden Design. Den Hintergrund ziert das Logo des Betriebssystems und am unteren Rand findet sich eine Menüleiste mit ein paar Programmen und einem Ausschaltknopf in der rechten unteren Ecke.

Die Oberfläche hat einen minimalen Funktionsumfang, Fenster lassen sich öffnen, verschieben und schließen, nicht mehr und nicht weniger. Ebenso minimal ist die Ausstattung an Programmen mit grafischer Oberfläche, ein Taschenrechner, zwei Editoren, ein Dateimanager, ein Audioplayer und zwei Demoprogramme, um die Fähigkeiten des Grafik-Toolkits OrbTK zu testen. Einen Displayserver wie bei X11 oder Wayland sucht man bei Redox OS noch vergeblich. Im aktuellen Entwicklungsstadium wird noch direkt in den Framebuffer gezeichnet.

Mit dieser Ausstattung ist Redox OS von jeglichem produktivem Einsatz noch weit entfernt. Auch gelegentliche Abstürze, bei denen das System einfach hängen bleibt, müssen noch in Kauf genommen werden. Von Bedeutung ist Redox wohl aber sowieso nur als Experiment für die Fähigkeiten der Sprache Rust.

Feuertaufe von Rust 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 57,99€
  2. bei Caseking kaufen
  3. 120,84€ + Versand
  4. bei Alternate kaufen

skade 13. Dez 2016

Das stimmt so nicht. Das Typsystem verhindert bestimmte Konstrukte, zum Beispiel...

SelfEsteem 13. Dez 2016

Vielen Dank soweit fuer die Infos.

Akaruso 13. Dez 2016

Mir ist dieser Widerspruch auch sofort aufgefallen und musste drüber lachen. Aber mal...

Marentis 10. Dez 2016

Danke, davor ziehe ich den Hut. Kein "wir sind besser", sondern ein klares: "wir...


Folgen Sie uns
       


Razer-Nommo-Chroma-Boxen - Test

Haartrockner oder doch Lautsprecher? Wir testen Razers Nommo-Chroma-Boxen und tendieren zu Ersterem.

Razer-Nommo-Chroma-Boxen - Test Video aufrufen
Xperia XZ2 Compact im Test: Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos
Xperia XZ2 Compact im Test
Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos

Sony konzentriert sich beim Xperia XZ2 Compact erneut auf die alte Stärke der Serie und steckt ein technisch hervorragendes Smartphone in ein kompaktes Gehäuse. Heraus kommt ein kleines Gerät, das kaum Wünsche offenlässt und in dieser Größenordnung im Grunde ohne Konkurrenz ist.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Xperia XZ2 Premium Sony stellt Smartphone mit lichtempfindlicher Dualkamera vor
  2. Sony Grundrauschen an Gerüchten über die Playstation 5 nimmt zu
  3. Playstation Sony-Chef Kaz Hirai verabschiedet sich mit starken Zahlen

Datenverkauf bei Kommunen: Öffentliche Daten nicht verhökern, sondern sinnvoll nutzen
Datenverkauf bei Kommunen
Öffentliche Daten nicht verhökern, sondern sinnvoll nutzen

Der Städte- und Gemeindebund hat vorgeschlagen, Kommunen sollten ihre Daten verkaufen. Wie man es auch dreht und wendet: Es bleibt eine schlechte Idee.
Ein IMHO von Michael Peters und Walter Palmetshofer

  1. Gerichtsurteil Kein Recht auf anonyme IFG-Anfrage in Rheinland-Pfalz
  2. CDLA Linux Foundation veröffentlicht Open-Data-Lizenzen
  3. Deutscher Wetterdienst Wetterdaten sind jetzt Open Data

Physik: Maserlicht aus Diamant
Physik
Maserlicht aus Diamant

Ein Stickstoff-Fehlstellen-basierter Maser liefert kontinuierliche und kohärente Mikrowellenstrahlung bei Raumtemperatur. Eine mögliche Anwendung ist die Kommunikation mit Satelliten.
Von Dirk Eidemüller

  1. Colorfab 3D-gedruckte Objekte erhalten neue Farbgestaltung
  2. Umwelt China baut 100-Meter-Turm für die Luftreinigung
  3. Crayfis Smartphones sollen kosmische Strahlung erfassen

    •  /