Redmond Campus Building 87: Microsofts Area 51 für Hardware

Microsofts geheimnisvolle Area 51 heißt Building 87 und erinnert entfernt an einen Bunker. Die Sicherheitsbedingungen sind dort so hoch, dass selbst zahlreiche Mitarbeiter des Unternehmens den Bereich nicht von innen kennen. Wer sich gewundert hat, warum Microsofts Hardware-Abteilung in den vergangenen Jahren so sehr zugelegt hat, wird hier den Grund dafür finden: In diesem Gebäude auf dem Microsoft Campus in Redmond, Washington, wird an der nächsten Hardware-Generation gearbeitet. Wir durften es zusammen mit einigen anderen Journalisten betreten. Die Bedingung: keine Fotos.






Allein die Abteilung für Prototypen sieht aus wie eine kleinere Fabrikhalle. Die dort stehenden Maschinen werden aber nur in sehr kleinen Auflagen produziert. Neben teurem High-End-Equipment gibt es auch einen Spielraum mit spezieller, aber dafür kleinerer, weniger hochleistungsfähiger Ausrüstung auf kleiner Fläche. So können sich die unterschiedlichen Spezialisten verschiedener Disziplinen zusammensetzen, wenn sie Ideen haben und diese schon einmal grob umsetzen wollen. Das geht in der großen Halle mit den sehr lauten Maschinen einfach nicht. Die Maschinen stehen schon durch ihre Größe so weit voneinander entfernt, dass spontane Teamarbeit nicht möglich wäre.
In diesem Hallenbereich kann Microsoft Prototypen selbst produzieren, die hochwertig genug für eine Ankündigung sind oder als Muster für die Produktion dienen. Das geht schneller, als wenn es den Dienstleistern überlassen würde und mindert natürlich die Gefahr von Leaks. Selbst viele Mitarbeiter des Unternehmens dürfen nur mit Sondergenehmigung in das Building 87 hinein – so wie unsere Begleiter, die argwöhnisch darüber wachten, dass wir nicht doch heimlich Bilder schießen. So schafft es Microsoft tatsächlich ab und an, Neuentwicklungen komplett geheim zu halten. Geheime Produkte hätten wir ohnehin nicht fotografieren können, die Mitarbeiter hatten vor unserer Ankunft den Auftrag bekommen aufzuräumen.
"Wir haben bessere Ausrüstung als die Fruit Company"
Das Unternehmen ist im Bereich der Hardware seit einigen Jahren sehr experimentierfreudig – und äußerst selbstbewusst, was die eigenen Fähigkeiten angeht. Ein Mitarbeiter ging so weit zu sagen, dass die Konkurrenz diese Art von Equipment nicht besitze, insbesondere nicht die "Fruit Company" , also Apple. Microsoft hat eigenen Angaben zufolge von Apple auch einige Mitarbeiter abgeworben. Das Building 87 beherbergt unter anderem den " leisesten Raum der Welt(öffnet im neuen Fenster) ", der allenfalls von einem nebenan startenden Jet beeinflusst werden könnte, und eine Maschine, die Stoff dünn schneiden kann und normalerweise in der Modebranche genutzt wird. Zur Ausrüstung gehören auch mehrere Mehrfarb-3D-Drucker mit einer Präzision von 14 Mikrometern, die ohne Probleme Prototypen drucken können, die mehreren gestapelten Xbox-One-S-Gehäusen entsprechen.
Microsofts Building ist voll mit Schneidemaschinen
Dazu kommen verschiedene Laser, sei es gepulst oder mit starker Hitzeeinwirkung oder zur Bleichung von Materialien per UV-Laser, außerdem Systeme, die mit Wasser oder Draht auch harte Materialien schneiden können, und CNC-Fräsen. Das Equipment versetzt Microsoft in die Lage, recht oft neue Hardware vorstellen zu können. Aber auch andere IT-Firmen haben natürlich solche Labore. Facebook hat etwa seine Hardware-Abteilung Building 8(öffnet im neuen Fenster) , bei Google ist es die X.Company(öffnet im neuen Fenster) , die für Innovationen sorgen soll, und Amazons Hardware wurde im Lab126 entwickelt(öffnet im neuen Fenster) . Und natürlich hat auch Apple eine große Design-Abteilung und das entsprechende Equipment. Allerdings fällt das Unternehmen derzeit durch sehr wenige Neuankündigungen auf.
Mehrere Dutzend Mitarbeiter arbeiten an den nächsten Hardware-Generationen
Mittlerweile ist das Team in Microsofts Prototyp-Abteilung, die vor zwei Jahren in der Fabrikhalle ihren Ursprung fand, laut Microsoft von 5 auf 50 Mitarbeiter angewachsen. Die nächsten Ergebnisse wird die Öffentlichkeit voraussichtlich am 23. Mai 2017 in Shanghai sehen. Dann soll Microsoft das nächste Mal Produkte vorstellen, was uns auf der hauseigenen Konferenz Build 2017 allerdings niemand bestätigen wollte. Zudem dürfte es auch auf der kommenden E3 in Los Angeles eine größere Ankündigung geben, nämlich die nächste Xbox-Generation. Vermutlich wurden all diese Geräte vor unserem Besuch sorgfältig versteckt – wir haben ab und an verdächtig abgedeckte oder abgeräumte Bereiche gesehen.
Es bleibt zu hoffen, dass Microsoft hier weitere Produkte entwickelt, die auch der Windows-Konkurrenz zeigen, in welche Richtung für den Fortschritt gearbeitet werden muss. Manches System diente bereits als Referenz für weitere, ähnliche Windows-Systeme anderer Hersteller.
Einen Nachteil soll das gute Equipment aber haben, das dem Unternehmen zur Verfügung steht. Microsoft konzentriert sich stark auf klassische PC-Produkte, die zur Massenware werden. Reizen die Designer die Technik zu sehr aus, können die Auftragsfertiger mitunter die Ware nicht produzieren – weil ihnen das nötige Equipment und auch das Wissen fehlt.