Redispatch: Pläne des Wirtschaftsministeriums machen Energiewende teurer
Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zufolge, der sich auf Daten des Science Media Centers und Aussagen der deutschen Energieminister stützt, könnte der geplante Redispatch-Vorbehalt in seiner jetzigen Form die Stromerzeugung nicht nur verteuern, sondern auch ineffizienter machen.
Geplant ist, dass neue Windkraft- und Photovoltaikanlagen in Gebieten, wo es bereits deutliche Überkapazitäten gibt, bei Bedarf abzuschalten, aber dem Betreiber der Anlage diesen Verlust nicht auszugleichen. Genau diese Kompensation bei Abregelung hatte im letzten Jahr 433 Millionen Euro(öffnet im neuen Fenster) gekostet. Kosten für Reservekraftwerke, die die Abregelung ausgleichen müssen, sind hier gar nicht einberechnet.
Regionen, in denen eine solche Überlastung wahrscheinlicher ist, sollen zukünftig anders behandelt werden. Zum einen erhalten Betreiber keine Entschädigung. Zum anderen wären die Netzbetreiber nicht verpflichtet, erneuerbaren Energieanlagen vorrangig einen Netzanschluss bereitzustellen.
Regional ein Drittel der Fläche betroffen
Das Problem liegt in der Festlegung dieser Zonen. Nach den aktuellen Plänen soll die Stromerzeugung aus dem Vorjahr herangezogen werden. Wurden laut dieser Daten mehr als drei Prozent der Stromerzeugung abgeregelt, soll in den nächsten zehn Jahren die Bevorzugung erneuerbarer Energieanlagen aufgehoben sein.
Dann allerdings wäre der Mechanismus von jährlichen Schwankungen abhängig, so dass Regionen, die in einem Jahr besonders viel Wind hatten, in den nächsten zehn womöglich schwächeren Jahren benachteiligt wären. Außerdem wäre nach Schätzungen zum Beispiel in Bayern mehr als ein Drittel des Landes betroffen, in Schleswig-Holstein ein Viertel.
Vorgeschlagen wird laut Bericht, die Schwelle von drei auf zehn Prozent anzuheben, um tatsächlich überlastete Gebiete besser identifizieren zu können und dort gezielt Maßnahmen zu ergreifen. So könnte die Anzahl betroffener Regionen deutlich reduziert werden. Denn der Anteil des abgeregelten Stroms an der gesamten Produktion liegt nur bei vier Prozent, wie Daten der Bundesnetzagentur(öffnet im neuen Fenster) zeigen, und ist damit keineswegs zu hoch.
Ineffizienz droht
Bliebe es dagegen bei dem strengen Redispatch-Vorbehalt, befürchten Stromnetzexperten, dass dann mehr Anlagen in Gebieten errichtet werden, in denen die Bedingungen für die Stromproduktion schlechter sind. Fördergelder würden demnach zwar nicht für Redispatch, aber für den Betrieb von weniger wirtschaftlichen Anlagen benötigt.
Vielfach könnte es demnach günstiger sein, lokal abzuregeln. Laut Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesysteme wäre der schnelle Aufbau von Puffersystemen wie Batterien und Elektrolyseuren viel wichtiger, um Überkapazitäten sinnvoll nutzen zu können und gleichzeitig die Leitungskapazitäten nicht übermäßig zu erhöhen.
Beklagt wird zudem die fehlende Flexibilität von Netzanschlüssen, aber auch von Preisen. Lokale Unterschiede bei den Strompreisen und dynamische Netzentgelte, die sich nach der aktuellen Lage im Stromnetz ausrichten, könnten das Stromnetz ebenfalls entlasten und den Netzausbau verschlanken. Der Smart-Meter-Rollout in Deutschland wird jedoch noch Jahre dauern und verschiedene Strompreiszonen werden bisher abgelehnt.
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