Redispatch 3.0: So verändern Elektroautos das Stromnetz
Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW(öffnet im neuen Fenster) und der Energiekonzern Octopus Energy haben mit dem Projekt OctoflexBW die Steuerung des Stromverbrauchs auf der Ebene der Niederspannung untersucht.
700 private Ladepunkte wurden weder umgebaut noch umgerüstet. Stattdessen konnte allein durch das Verschieben der Ladezeiten der angeschlossenen Elektroautos auf die aktuelle Situation im Stromnetz reagiert werden. Dafür muss lediglich bekannt sein, bis zu welchem Zeitpunkt ein Ladevorgang, vorzugsweise über Nacht, abgeschlossen sein soll.
Im Projekt stimmte sich der Übertragungsnetzbetreiber mit dem Energielieferanten ab, wann Engpässe drohten. Daraufhin wurden die Ladevorgänge so geplant, dass Bedarf und Angebot zusammenpassten und die E-Autos morgens trotzdem vollständig geladen waren.
Redispatch durch intelligente Steuerung
Dieser Testlauf für das sogenannte Redispatch 3.0(öffnet im neuen Fenster) soll zeigen, dass die direkte und dezentrale Steuerung kleiner Verbraucher einen effektiven Beitrag zur Netzstabilität leisten kann. Statt auf eine erhöhte Nachfrage mit dem Hochfahren von Reservekraftwerken zu reagieren, wird direkt in die bestehende Nachfrage eingegriffen.
Statt also ein 300 Megawatt starkes Gaskraftwerk zu starten, drosselt man 70.000 Ladepunkte auf die halbe Leistung oder verschiebt die Aufladung von 30.000 E-Auto um einige Stunden. Da mittlerweile bereits zwei Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sind, sollten sich solche Mengen erst recht in einigen Jahren problemlos erreichen lassen.
Kein bidirektionales Laden
Bewusst wurde im Test auf die Möglichkeit verzichtet, die Batterien der Fahrzeuge zusätzlich zur Einspeisung zu verwenden. Dafür müssten zahlreiche Ladepunkte nachgerüstet werden. Auch fehlen noch geeignete Abrechnungsmodelle, obwohl diese von einigen Betreibern zumindest in Pilotprojekten bereits angeboten werden. Stattdessen sollte gezeigt werden, dass das zeitliche Planen der Ladevorgänge mit minimalem Daten- und Steuerungsaufkommen bereits die Stabilisierung des Stromnetzes bewirken kann.
Mit der Steuerbarkeit von einer Million Elektroautos würde sich allein dadurch die Flexibilisierung von 500 Gigawattstunden ergeben. Das Zwanzigfache wäre nötig, um den derzeitigen Bedarf komplett abzudecken.
In 10 bis 15 Jahren dürften die dafür nötigen 20 Millionen batteriebetriebenen Pkw unterwegs sein. Spannend bleibt die Frage, ob bis dahin auch der ebenfalls nötige Smart-Meter-Rollout für die Datenübermittlung abgeschlossen ist, der seit Langem hinterherhinkt.
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