Recycling: Elektroschrott landet im Müll und nicht beim Wertstoffhof

Im Sommer hat die Deutsche Umwelthilfe festgestellt, dass viele Fachhändler die Rücknahme alter Elektro- und Elektronikgeräte verweigern. Aber sie verhindern nicht allein das Recycling: Über die Hälfte des Elektronikschrotts landet im Hausmüll. Entsorger fordern ein Pfand auf die Geräte.

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Elektronikschrott (Symbolbild): "Brände sind mittlerweile an der Tagesordnung".
Elektronikschrott (Symbolbild): "Brände sind mittlerweile an der Tagesordnung". (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Ab in die Tonne: Der überwiegende Teil der ausgedienten Elektro- und Elektronikgeräte landet nicht im Wertstoffhof oder im Fachhandel, sondern einfach in der Mülltonne. Eine solche unsachgemäße Entsorgung verhindert nicht nur das Recycling von Rohstoffen, sie ist auch gefährlich.

Smartphone, Tablet oder Laptop, Föhn, Bohrmaschine oder Akkuschrauber - wenn sie defekt sind oder durch ein neues Gerät ersetzt werden, soll der Besitzer das alte Gerät beim Fachhändler abgeben oder zum Wertstoffhof bringen. Dann wird das Gerät zu einem Recyclingunternehmen gebracht, das daraus wieder wertvolle Rohstoffe gewinnen kann.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Nicht einmal die Hälfte der Altgeräte wird ordnungsgemäß abgegeben. 55 Prozent landen in der Restmülltonne, im gelben Sack, in Gewerbecontainern oder im Sperrmüll, berichtet die Wochenzeitung Welt am Sonntag (Wams). Dabei steigt die Zahl der Altgeräte stark an. "Wir haben ein zunehmend massives Problem bei der Entsorgung und beim Recycling von alten Elektrogeräten", sagte Peter Kurth, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), der Wams.

Problematisch für die Müllentsorger ist: Viele Geräte enthalten Lithium-Ionen-Akkus, die beim Zusammenpressen im Müllfahrzeug, beim Schreddern oder auf andere Weise beschädigt werden und sich entzünden. "Brände sind mittlerweile an der Tagesordnung", sagte Gerhard Jokic, Geschäftsführer von Remondis Elektrorecycling aus Lünen in Nordrhein-Westfalen. Auch an mehreren Firmenstandorten brannte es in den vergangenen Monaten, es kam zu erheblichen Schäden.

Nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) dürfen elektrische und elektronische Geräte nicht mehr im Hausmüll entsorgt werden, sondern sollen bei Wertstoffhöfen oder von Fachhändlern gesammelt und anschließend recycelt werden.

Dass die Rückgabequote so gering ist, liegt jedoch nicht nur an den Besitzern, die ihre Geräte unsachgemäß im Hausmüll entsorgen. Eine Untersuchung der Umweltschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Sommer ergab, dass viele Händler gegen die gesetzliche Verpflichtung verstoßen und die Rücknahme von Altgeräten verweigern.

Der BDE fordert Änderungen im ElektroG sowie im Batteriegesetz. "Wir brauchen eine einheitliche Kennzeichnung von Geräten mit hochenergetischen Akkus durch die Hersteller", sagte Kurth. So könnten Käufer erkennen, welche Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet seien. Zudem soll auf die Geräte ein Pfand in Höhe von 50 Euro erhoben werden. Das soll die Sammelbereitschaft erhöhen. Eine Vertreterin des Bundesumweltministeriums sagte der Wams, ein Pflichtpfand sowie eine Kennzeichnungspflicht müssten auf europäischer Ebene geregelt werden. "Wir werden das Problem mit den Lithium-Ionen-Akkus aber in Brüssel auf die Agenda bringen."

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Harry_Hurtig 08. Dez 2019

Früher wurden bei Spionage auch gern Festplatten in die "Datentonne" geworfen

Harry_Hurtig 08. Dez 2019

so ist das! Man sollte schon das richtige Ende vom Schraubendreher beherrschen. Gerät...

Harry_Hurtig 08. Dez 2019

Jo kennt man - da ist ja auch mitunter die AGR tätig und hat auch dort eine...

whitbread 28. Nov 2019

Wer hat schon 1 Tonne Elektroschrott? Unterhalb gibts nix.



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