Abo
  • Services:

Recruiting: Uni-Abschluss ist nicht mehr das Wichtigste

Abschlussnote? Egal, sagen Personalchefs in Technologie-Unternehmen. Die Recruiter legen zumindest offiziell weniger Wert auf die Note. Das Problem: Das macht es in der Regel komplizierter.

Artikel von Manuel Heckel/T3N veröffentlicht am
Auch wenn sich die Studenten über ihren Abschluss freuen, für viele Unternehmen ist dieser gar nicht so wichtig.
Auch wenn sich die Studenten über ihren Abschluss freuen, für viele Unternehmen ist dieser gar nicht so wichtig. (Bild: Jens Schlueter/Getty Images)

Manchmal zeigt erst der umfassende Blick auf eine Vielzahl von Daten, dass einige Daten gar nicht so wichtig sind. Das sieht zumindest Laszlo Bock so. Er ist als Senior Vice President of People Operations bei Google so etwas wie der Personalchef des Internetunternehmens - und verantwortlich dafür, dass der Konzern aus den rund zwei Millionen Bewerbungen pro Jahr die besten Kandidaten herausfischt. Als Bock und sein Team die Profile der Mitarbeiter und deren Leistungen analysierten, stand am Ende eine Erkenntnis: Lange Zeit hätte man peinlich genau auf Abschlussnoten geachtet, sagte Bock 2013 in einem Interview mit der New York Times, jetzt sei das Zeugnis höchstens noch für die relevant, die ganz frisch von der Uni kämen. "Wir finden, dass die Noten gar nichts mehr aussagen."

Inhalt:
  1. Recruiting: Uni-Abschluss ist nicht mehr das Wichtigste
  2. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger
  3. Die Art des Recruiting ändert sich

Zwar wird bei Google im Bewerbungsformular zu einem sehr frühen Zeitpunkt nach der Abschlussnote gefragt. "Es ist immer interessant zu sehen, ob jemand in den Top 5 oder Top 25 Prozent seines Jahrgangs abgeschlossen hat", sagt Carolin Ochsendorf, Recruiterin bei Google in Deutschland. Aber: "Darauf liegt nicht mehr unser Hauptaugenmerk. Es gibt viele andere Dinge neben den Noten, die für uns interessant und aussagekräftig sind."

Eine Erkenntnis, die sich nicht nur im Silicon Valley durchgesetzt hat: Wer sich in Deutschland bei Personalverantwortlichen in technologiegetriebenen Unternehmen umhört, der stößt auf ähnliche Aussagen. "Noten einzelner Studienleistungen oder die Abschlussnote rücken beim Recruiting eher in den Hintergrund", bestätigt Esther Löb, Recruiting-Leiterin bei Microsoft Deutschland. Je mehr Kriterien abseits des Zeugnisses eine Aussage über den Kandidaten ermöglichen, desto dankbarer greifen Firmen auf sie zurück. Dazu zählen Praktika und sonstige Arbeitserfahrungen, aber auch nicht berufsspezifische Faktoren wie ehrenamtliches Engagement, sportlicher Erfolg oder die grundsätzliche Einstellung des Bewerbers. Die Mitarbeitersuche entwickelt sich also zunehmend weg vom eindimensionalen Blick auf den Notenspiegel hin zu ausgefeilteren Auswahlmethoden.

Viel hilft viel: auf welche Kriterien Recruiter setzen

Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Entwicklung sinnvoll. "Möglichst gute Noten in der Schule oder Hochschule sagen noch nichts über den beruflichen Erfolg aus", sagt Christoph Beck, Professor für Personal- und Bildungswesen an der Hochschule Koblenz. Wem es einmal gelingt, sich auf Lern- und Testverfahren in Bildungsinstitutionen einzustellen, der hat gute Chancen auf gute Bewertungen. Im Arbeitsalltag dagegen geht es oft um ganz andere Qualitäten: "Beruflicher Erfolg ist davon abhängig, ob man Probleme lösen kann, die man vorher noch nicht kannte", sagt Beck.

Stellenmarkt
  1. wesernetz Bremen GmbH, Bremen
  2. über duerenhoff GmbH, Nürnberg

Dazu kommt: Immer wieder wird eine Inflation der allzu guten Bewertungen an Hochschulen beklagt - schon 2012 attestierte der deutsche Wissenschaftsrat eine "fortgeschrittene Tendenz zur Vergabe besserer Noten". Wo vorher noch Abstufungen ersichtlich waren, kommen auf die Unternehmen heute häufig Heerscharen von Absolventen mit guten und sehr guten Abschlusszeugnissen zu. Außerdem verändern sich die Anforderungen in den Unternehmen deutlich schneller, als die Hochschulen ihre Lehrpläne ändern können. Manche Themen entwickeln sich fachlich so rapide weiter, dass die neue Vorlesung schon im nächsten Semester überholt ist. Und Veranstaltungen mit Präsenzpflicht und Klausuren am Semesterende sind weit entfernt von der neuen Realität der dezentralen Arbeitsplätze und des agilen Projektmanagements.

Nano-Degrees und Microskills

Neben klassischen Studienabschlüssen werden in Zukunft andere Qualifikationen also immer wichtiger. Als neue Leistungsnachweise könnten beispielsweise Zertifikate oder Abschlüsse von Onlineportalen dienen. Kandidaten nehmen dabei meist über mehrere Wochen an virtuellen Kursen teil und erarbeiten sich daneben im Selbststudium die Grundlagen. Hier geht es vor allem um die Weiterbildung in speziellen Disziplinen. Auf den entsprechenden Plattformen können Interessierte zum Beispiel lernen, wie sie Android-Apps entwickeln oder wie zeitgemäße Datenanalyse funktioniert. Gemeinsam haben die Kurse, dass sie meist nicht länger als einige Wochen dauern und wenige Stunden pro Woche ausreichen, um dranzubleiben.

Wegen dieses kompakten Formats spricht man auch von "Nano-Degree" oder "Microskills": Statt ein gesamtes Studium abzuschließen, kann der Bewerber auf den Portalen eine Zusatzqualifikation oder eine weitere Fähigkeit erwerben. Für Arbeitnehmer haben die zusätzlichen Belege eine doppelte Aussagekraft: Der Bewerber weist neu erworbenes Fachwissen nach und belegt zusätzlich seinen Einsatz - die meisten Onlineklurse sind ja darauf angelegt, parallel zu Studium oder Berufsalltag absolviert zu werden. Mit diesen Zertifikaten bringen Bewerber also einen Bonus mit, der die Aussagekraft der Abschlussnote schon heute ergänzt.

Die Lernplattform Udacity ist so überzeugt von ihrem Angebot, dass sie den amerikanischen Absolventen ihrer kostenpflichtigen Kurse im vergangenen Herbst sogar eine Art Jobgarantie ausgesprochen hat - Studiennote egal. Untergebracht habe man die Zertifikat-Inhaber unter anderem bei Accenture, Amazon, Salesforce, AT&T und Verizon, heißt es von dem Startup.

Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 8,49€
  2. 1,29€
  3. 5€
  4. (mindestens 16,15€ bezahlen und Vegas Pro 14 EDIT und Magix Video Sound Cleaning Lab erhalten)

cpt.dirk 28. Sep 2016

Es gibt durchaus viele klein- bis mittelständische AG's, bei denen das nicht so ist...

a user 28. Sep 2016

Hallo, ich würde dazu gerne meine Mainung sagen. Dazu im Vorfeld: ich habe Informatik und...

sinner89 27. Sep 2016

Ich stimme dir zu dass eine Universität keine Ausbildungsstätte für Fachkräfte ist und...

rikimaru 26. Sep 2016

Da bist du aber ein einzelfall. Es gab eine Studie hier auf Golem und da waren Software...

lottikarotti 26. Sep 2016

Wenn du das kannst was jemand gerade haben will, dann interessieren nur noch deine...


Folgen Sie uns
       


Golem.de lässt Alexa schlecht lachen und rappen

Alexa kann komisch lachen und schlecht rappen - wie man im Video hört.

Golem.de lässt Alexa schlecht lachen und rappen Video aufrufen
Physik: Maserlicht aus Diamant
Physik
Maserlicht aus Diamant

Ein Stickstoff-Fehlstellen-basierter Maser liefert kontinuierliche und kohärente Mikrowellenstrahlung bei Raumtemperatur. Eine mögliche Anwendung ist die Kommunikation mit Satelliten.
Von Dirk Eidemüller

  1. Xiaoice und Zo Microsoft erforscht menschlicher wirkende Sprachchat-KIs
  2. Hyperschallgeschwindigkeit Projektil schießt sich durch den Boden
  3. Materialforschung Stanen - ein neues Wundermaterial?

Digitalfotografie: Inkonsistentes Rauschen verrät den Fälscher
Digitalfotografie
Inkonsistentes Rauschen verrät den Fälscher

War der Anhänger wirklich so groß wie der Ring? Versucht da gerade einer, die Versicherung zu betuppen? Wenn Omas Erbstück geklaut wurde, muss die Versicherung wohl dem Digitalfoto des Geschädigten glauben. Oder sie engagiert einen Bildforensiker, der das Foto darauf untersucht, ob es bearbeitet wurde.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. iOS und Android Google lanciert drei experimentelle Foto-Apps
  2. Aufstecksucher für TL2 Entwarnung bei Leica

P20 Pro im Kameratest: Huaweis Dreifach-Kamera schlägt die Konkurrenz
P20 Pro im Kameratest
Huaweis Dreifach-Kamera schlägt die Konkurrenz

Mit dem P20 Pro will Huawei sich an die Spitze der Smartphone-Kameras katapultieren. Im Vergleich mit der aktuellen Konkurrenz zeigt sich, dass das P20 Pro tatsächlich über eine sehr gute Kamera verfügt: Die KI-Funktionen können unerfahrenen Nutzern zudem das Fotografieren erleichtern.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Android Huawei präsentiert drei neue Smartphones ab 120 Euro
  2. Wie Samsung Huawei soll noch für dieses Jahr faltbares Smartphone planen
  3. Porsche Design Mate RS Huawei bringt 512-GByte-Smartphone für 2.100 Euro

    •  /