Wie viel würde ein Atomprogramm kosten?
Konkrete Studien zu den Kosten eines deutschen Nuklearprogramms existieren nicht. Auf Basis internationaler Vergleiche schätzen Experten die Aufbaukosten auf 100 bis 175 Milliarden Euro über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren. Frankreichs gesamtes Nuklearprogramm(öffnet im neuen Fenster) von 1945 bis 2010 kostete 357 Milliarden Euro. Die britische Trident-Erneuerung wird auf 240 Milliarden Euro über die gesamte Lebensdauer geschätzt.
Die jährlichen Betriebskosten lägen bei 7 bis 14 Milliarden Euro. Frankreich gibt pro Jahr etwa 5,6 bis 6,9 Milliarden für seine Force de Frappe aus, was rund 12,5 Prozent des Verteidigungshaushalts entspricht. Bei Deutschlands Verteidigungsbudget von 108,2 Milliarden Euro im Jahr 2026 würde eine Nuklearkomponente 6,5 bis 13 Prozent beanspruchen. Konventionelle Projekte wie FCAS, Leopard 2A8 oder das Boxer-Programm Arminius müssten verschoben oder gestrichen werden.
Ein funktionierendes Abschreckungssystem erfordert mehr als Sprengköpfe. U-Boote für die Zweitschlagfähigkeit kosten allein 35 bis 50 Milliarden Euro. Die Klasse 212CD(öffnet im neuen Fenster) , ab 2032 geplant, könnte mit vertikalen Startsystemen ausgerüstet werden. Sechs bis acht U-Boote wären für permanente Patrouillen nötig. Deutschland hat allerdings keinerlei Erfahrung mit Nuklearantrieb. Ein SSBN-Programm nach französischem oder britischem Vorbild würde mehr als 20 Jahre dauern.
Wie steht die Bevölkerung dazu? – Langsame Erosion eines Tabus
Die öffentliche Meinung verschiebt sich seit Russlands Überfall auf die Ukraine 2022 messbar. Infratest dimap ermittelte(öffnet im neuen Fenster) im Juni 2022, dass 71 Prozent eigene Atomwaffen ablehnen. Forsa fand im Februar 2024 bereits 27 Prozent Zustimmung(öffnet im neuen Fenster) . Civey maß im Januar 2026 34 Prozent Befürwortung(öffnet im neuen Fenster) , ein Höchstwert.
Zum Vergleich: 64 Prozent der Franzosen und 55 Prozent der Briten befürworten die nukleare Bewaffnung ihres Landes. Deutschland liegt weit davon entfernt. Eine akademische Studie(öffnet im neuen Fenster) dokumentierte allerdings einen Anstieg der Abschreckungsverfechter von 42 Prozent im Jahr 2020 auf 64 Prozent im Jahr 2023.
Die Parteien haben ein breites Spektrum an Meinungen. Bundeskanzler Friedrich Merz bestätigte im Januar 2026 strategische Gespräche mit Frankreich und Großbritannien über einen europäischen Nuklearschirm. Einen deutschen Alleingang schloss er unter Verweis auf den Zwei-plus-vier-Vertrag aus. Die Grünen bewegen sich seit 2022 merklich. Ex-Außenminister Joschka Fischer forderte 2023 eine EU-Abschreckung(öffnet im neuen Fenster) , da die US-amerikanische Schutzgarantie ungewiss sei.