Recht auf Reparatur: Google überrascht im Streit um DRM
Das Recht auf Reparatur wird kommen, aber wie? Apple und Google stehen im Zentrum eines Konflikts, der weitreichende Folgen für Verbraucher und Werkstätten haben könnte.
Geräte wie das Fairphone oder die Framework-Laptops zeigen, dass auch moderne Consumer-Elektronik so gestaltet werden kann, dass sie vergleichsweise leicht zu reparieren ist. Breit am Markt durchsetzen konnten sich derartige Produkte allerdings nicht, was schlicht an der Macht der milliardenschweren IT-Konzerne liegen dürfte. Durch Gesetzesinitiativen vor allem in den USA bekommen die wiederum immer mehr Handlungsdruck. Daraus entwickelt sich nun ein ungewöhnlicher, überraschender und vor allem grundlegender Kampf um den Einsatz von DRM-Techniken – vor allem zwischen Apple und Google.
Festzuhalten ist dabei zunächst, dass für die großen Hersteller von Consumer-Hardware mittelfristig wohl kein Weg mehr an einem Recht auf Reparatur vorbeiführt. So hat inzwischen die Mehrheit aller Bundesstaaten in den USA entsprechende Gesetzesinitiativen begonnen oder schon derartige Gesetze verabschiedet. Auch die US-Regierung arbeitet an einem Bundesrecht und auf EU-Ebene ist ein Verfahren in diese Richtung gestartet.
Die betroffenen Großkonzerne der IT-Industrie reagieren darauf aber bisweilen sehr unterschiedlich. Während sowohl Microsoft als auch Google mit dem bekannten Anbieter für Ersatzteile und Werkzeug, iFixit, zusammenarbeiten, gibt sich Apple beispielsweise deutlich zurückhaltender – immerhin hat der Konzern schon mit Aufkommen der Bewegung für ein Recht auf Reparatur versucht, diese zu bekämpfen.
Dennoch hat auch Apple vor fast zwei Jahren das sogenannte Self Service Repair Programm eingeführt, das unter anderem einen Zugriff auf Reparaturhandbücher sowie Teile und Werkzeuge umfasst. An dem Programm selbst gab es allerdings schon zur Einführung Kritik, vor allem unabhängige Reparaturwerkstätten beklagen immer wieder, dass die von Apple geforderten Verträge zu restriktiv seien.
Wendepunkt bei Recht auf Reparatur
Doch auch Apple musste wohl angesichts des großen politischen Drucks in Bezug auf Reparatur und die Reparierbarkeit seiner Produkte umschwenken. Im vergangenen Sommer hat der Konzern unerwartet seine Haltung zu einem Recht auf Reparatur geändert und erstmals eine entsprechende Gesetzesinitiative – in Kalifornien – öffentlich unterstützt. Das Gesetz ist inzwischen in Kraft getreten, Apple unterstützt zudem eine Gesetzesinitiative auf Bundesebene in den USA.
Im vergangenen Herbst warf iFixit im Gespräch mit dem Magazin The Register Apple allerdings vor, die Gesetzgebung durch Lobbyarbeit in seinem Sinne zu beeinflussen. Bei einem Treffen im Weißen Haus zu der Initiative der Bundesregierung sagte Apples Vice-President Brian Naumann dem Bericht zufolge: "Auch Apple unterstützt ein einheitliches Bundesgesetz, das die Reparierbarkeit mit der Produktintegrität, der Datensicherheit, der Benutzerfreundlichkeit und der physischen Sicherheit in Einklang bringt."
Ein Recht auf Reparatur soll es wohl also nur unter den Bedingungen von Apple geben. Doch genau dagegen gibt es nun Widerstand – ausgerechnet von Google. Das Unternehmen will sich mit einer Verhinderung des praktischen Rechts auf Reparatur nicht mehr abfinden und lobbyiert nun erstmals für ein Ende von DRM-Beschränkungen. Das könnte zu einer großen Lobbyschlacht weltweit führen, die weitreichende Auswirkungen auf Nutzer und Endkunden haben dürfte.