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Google könnte DRM-Schranken teilweise kippen

Bevor Software die Mehrheit der elektrischen Geräte bestimmte, war eine Zweitverwertung gebrauchter Hardware weitgehend üblich. Mit etwas Geschick konnte beispielsweise aus zwei kaputten, aber baugleichen Geräten ein wiederaufbereitetes erstellt werden. Radios, Fernseher und auch erste Mikroelektronik ist dafür teils sogar mit Bau- und Schaltplänen sowie Teilelisten verkauft worden. Insbesondere im Automarkt ist der Ersatzteil- und Gebrauchtwarenmarkt weiter riesig.

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Diese für viele Hersteller wenig lukrative Reparaturfreundlichkeit lässt sich vor allem mittels Software aber beschränken. Für Aufsehen sorgte etwa bereits vor sieben Jahren eine Reportage zu Landwirten, die ihre Traktoren hacken, um sie reparieren zu können, Hersteller John Deere lenkte erst nach Jahren bei diesem Problem ein.

Selbst in Zügen kommen DRM-Techniken zum Einsatz, um Reparaturen durch Drittanbieter zu erschweren. Berüchtigt sind auch die DRM-Techniken von Druckerherstellern wie HP oder Canon. Selbst Kaffeemaschinen setzen auf DRM.

Der entscheidende Punkt bei einfacheren Reparaturen ist das sogenannte Parts Pairing. Dabei werden Einzelteile über Seriennummern oder Ähnliches durch Software an bestimmte Geräte gebunden, so dass sie sich nicht frei als Ersatzteil in einem anderen Gerät wiederverwenden lassen. Nur der Hersteller selbst kann damit passende Ersatzteile anbieten. Apple setzt damit mehrere Milliarden um. Von iFixit wird das als größte Bedrohung der unabhängigen Reparatur gesehen.

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Google lobbyiert gegen Parts Pairing

Gegen diesen von vielen seit Jahren zwangsläufig akzeptierten Status quo will Google nun erstmals aktiv vorgehen. Das Unternehmen lobbyiert dabei für ein Ende dieser DRM-Beschränkungen. Konkret unterstützt das Unternehmen dabei offiziell eine Gesetzesinitiative im US-Bundesstaat Oregon, wie der Konzern bekanntgibt. Das geplante Gesetz stelle "ein überzeugendes Modell für andere Staaten" dar, heißt es. Es muss also davon ausgegangen werden, dass Google diesen Standpunkt auch in den Verhandlungen zu anderen Gesetzen weltweit zu einem wichtigen Teil seiner Lobbyarbeit machen wird.

Für Oregon ist die Initiative inzwischen der vierte Versuch, ein Recht auf Reparatur zu beschließen, das als das stärkste in den USA beschrieben wird. Denn damit könnte auch das Parts Pairing erstmals verboten werden. Google schreibt dazu in einem Whitepaper (PDF): "Die Praxis, Verbraucher und unabhängige Werkstätten durch Softwarebarrieren am Austausch von Bauteilen zu hindern, oder andere restriktive Hindernisse für die Reparatur sollten vermieden werden."

Steven Nickel, der bei Google für Consumer-Hardware wie die Pixel-Serie zuständig ist, sagte dem Magazin 404Media als Begründung für die starke Hinwendung des Unternehmens zum Recht auf Reparatur: "Was mich persönlich wirklich motiviert hat, war, unter Videos zu gehen und all die Kommentare zu sehen, die immer und immer wieder kamen und eindeutig von Menschen stammten, denen die Reparatur sehr am Herzen liegt."

Recht auf Reparatur noch viel Arbeit

Wie iFixit schreibt, lässt sich aber auch Google in seiner neuen Haltung zum Recht auf Reparatur eine Hintertür offen. So hält das Unternehmen den Verkauf von Baugruppen statt tatsächlicher Einzelteile für legitim und geboten, um die Sicherheit unbedarfter Nutzer bei der Reparatur nicht zu gefährden. Das wiederum könnte zu erheblichen Mehrkosten führen, befürchtet iFixit.

Mit dem offiziellen Ende des Parts Pairing bei Google und dem Eintreten für ein gesetzliches Verbot dieser Praxis könnte das Unternehmen dennoch einen wichtigen Anstoß für die IT-Industrie geben, der DRM-Techniken zur Verhinderung von Reparaturen einen schweren Schlag verpasst. Gelingen kann das aber erst dann, wenn die Gesetze tatsächlich auch beschlossen werden. Die Marktmacht Googles kann dazu aber einen entscheidenden Beitrag leisten.

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