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Recht auf Reparatur: Apples Schritt kann nur der Anfang sein

Apple wird Eigenreparaturen künftig unterstützen – lobenswert. Es muss aber noch mehr passieren, und zwar auf dem gesamten Markt.
/ Tobias Költzsch
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Die Idealvorstellung: das auseinandergebaute Fairphone 4 (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Die Idealvorstellung: das auseinandergebaute Fairphone 4 Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Apples Ankündigung, dass es mit der Self-Service-Reparatur künftig ein Selbstreparaturprogramm geben wird, kam angesichts der Vorgeschichte doch etwas überraschend. Jahrelang hat sich Apple gegen nicht autorisierte Reparaturdienste gewehrt, zudem gibt es zahlreiche Hürden, wenn Ersatz-Hardware in ein Apple-Gerät eingebaut wird (Stichwort Aktivierung) – und plötzlich kann jeder, der es sich zutraut, sein iPhone selbst reparieren ?

Apples Schritt ist lobenswert, auch wenn er nicht nur altruistische Gründe haben dürfte. In den USA könnte das Recht auf Reparatur in Gesetzesform daherkommen , auch woanders wird das Thema immer stärker diskutiert . Mit der Eigeninitiative greift Apple einem möglichen Zwang vor.

Die Bereitstellung von Reparaturanleitungen, Bauteilen und Werkzeug kann aber nur der Anfang eines tatsächlichen Rechts auf Reparatur sein – nicht nur für Apple, sondern für den gesamten Markt an Smartphones, Notebooks und anderen Elektrogeräten. Zu einem Reparaturrecht gehört auch eine entsprechende Grundlage, also Geräte, die sich tatsächlich problemlos von Nutzern reparieren lassen.

Reparaturschritte aktuell unnötig kompliziert

Heutzutage bedeutet beispielsweise ein Akkutausch bei den meisten Smartphones, dass zunächst das eingeklebte Display mit einem Heizkissen gelöst werden muss. Akkus sind zudem meist eingeklebt, der Kleber lässt sich – je nach Gerät – mal leichter und mal schwerer lösen. Für eine eigentlich recht profane Reparatur wie den Akkutausch ist in den meisten Fällen ein ziemlicher Aufwand notwendig(öffnet im neuen Fenster) .

Noch komplizierter wird es bei kleineren Bauteilen wie Ladebuchsen, die häufig auf Platinen verlötet sind, oder Lautsprechern. Beim iPhone 13 beispielsweise muss eine Platine ausgebaut werden(öffnet im neuen Fenster) , um an eine Schraube des Lautsprechers zu kommen – das verkompliziert den Reparaturprozess unnötig.

Zu einem Recht auf Reparatur gehören bessere Gerätedesigns: Wenn Nutzer ihre Smartphones, Laptops und andere Geräte selbst reparieren sollen, müssen diese auch einfacher zu reparieren sein. An diesem Punkt muss Apple nach der Ankündigung der Self-Service-Reparatur arbeiten – und der Markt muss nachziehen, vor allem zunächst mit Reparaturanleitungen und offiziellen Ersatzteilen, wie sie Apple nun anbietet.

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Modular ist King

Dabei ist es nicht einmal notwendig, gleich so weit zu gehen wie etwa Fairphone mit seinem modularen Smartphone – auch, wenn dieser Schritt natürlich letztlich der für Nutzer beste Weg ist. Etwas weniger Kleber, keine Spezialschrauben und sinnvoll platzierte Bauteile sollten aber das Minimum sein, um die Selbstreparatur und damit auch die Nachhaltigkeit zu fördern. Dass auch nicht stark verklebte Geräte wasserfest sein können, zeigt die Vergangenheit .

Die Nutzer haben sich Apples Selbstreparaturprogramm durch ihre Beharrlichkeit in den vergangenen Jahren quasi erstritten. Der Prozess ist aber noch nicht am Ende – notfalls muss die Politik für besser reparierbare Geräte sorgen.

Diese helfen natürlich nicht nur den Nutzern, sondern auch der Umwelt, indem der jährliche Müllberg reduziert wird. 2019 sind dem Global Waste Monitor zufolge weltweit 53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott zusammengekommen, was ein Wachstum von 21 Prozent innerhalb von fünf Jahren bedeutet. Die Autoren bezeichnen das als Rekord. Und die Prognose sieht nicht anders aus: Im Jahr 2030 seien 74 Millionen Tonnen zu erwarten. Gezählt wird dabei alles, was einen Stecker oder eine Batterie hat.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]


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